Betreiber können aus Altersgründen nicht weitermachen

Allendorfer Eiscafé Herzberg bleibt geschlossen

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Nur noch Erinnerung: Ingrid und Walter Herzberg zeigen eine noch vorhandene Eiskarte. Das beliebte Allendorfer Eiscafé wird nicht wieder eröffnen.

Allendorf/Eder. Das Allendorfer Eiscafé Herzberg wird in diesem Frühjahr nicht wieder eröffnen. Ingrid und Walter Herzberg haben das Eismachen aus Altersgründen aufgegeben.

Das vielleicht beste Eis in Waldeck-Frankenberg gab es in der Industriegemeinde Allendorf. Und zwar an der Berliner Straße, gegenüber dem Naherholungsgebiet Niedernbach. Selbst aus dem Odenwald, Gießen, Frankfurt und Würzburg kamen Kunden zu Ingrid und Walter Herzberg, um ein leckeres Eis zu schlecken.

Geschäftsaufgabe aus Altersgründen

Doch das ist jetzt Geschichte. Nach über 60 Jahren wird das Eiscafé Herzberg in diesem Frühjahr nicht wieder aufmachen. „Wir schaffen es einfach nicht mehr“, sagt Walter Herzberg (75). Um Profit ging es den Eheleuten Herzberg schon lange nicht mehr. „Wir haben es den Leuten zuliebe gemacht“, sagt Ingrid Herzberg, die vor wenigen Tagen 72 Jahre alt geworden ist. Doch man müsse auf die Gesundheit Rücksicht nehmen. „Nach der letzten Saison war mein Mann fix und alle.“

Jeden Morgen standen Ingrid und Walter Herzberg ab 8 Uhr im Keller, um Erdbeeren zu putzen und „Eis zu machen“. 27 unterschiedliche Sorten waren im Angebot. „Vanille, Schokosplit und Nuss waren die beliebtesten Sorten. Und Heidelberg-Joghurt“, erzählt Ingrid Herzberg, die hin und wieder eine Träne wegdrückt – nach so vielen Jahren fällt ihr die Aufgabe des Geschäftes schwer.

Kinder kamen im Schlafanzug zum Eiswagen

Doch ihr Gesicht hellt sich sofort auf, wenn sie an die Zeit denkt, in der sie mit dem Eiswagen im Oberen Edertal unterwegs war – bis nach Hatzfeld, Reddighausen, Dodenau und Haine. Immerhin neun Sorten Eis hatte auch der Hanomag an Bord. „20 Liter hat der gesoffen“, lacht Ingrid Herzberg. „Aber alle Kinder haben mich geliebt.“ An heißen Tagen habe sie es manchmal erst abends gegen 21 oder 22 Uhr mit dem Eiswagen in entlegene Ortsteile geschafft. „Dann kamen die Kinder im Schlafanzug ans Auto.“

Nachdem auch das „Hessenfernsehen“ über das leckere Herzberg-Eis berichtet hatte, wurde das kleine Eiscafé sogar landesweit bekannt. „Eines Morgens standen schon um 10.30 Uhr 18 Senioren aus Würzburg vor unserer Tür. Die hatten sich mit vier Autos zu einem Tagesausflug nach Allendorf aufgemacht“, erzählt Walter Herzberg.

Eiscafébetreiber in zweiter Generation

Es waren immer lange Tage für die Eheleute Herzberg. „Wir hatten in den letzten Jahren zwar nur noch bis 21 Uhr auf. Aber bis wir in unsere Wohnung gingen, war es oft 22.30 Uhr“, berichtet Ingrid Herzberg, die auch noch alle Räume selbst geputzt hat. „Wir haben’s immer gern gemacht“, sagt Walter Herzberg. Ebenso wie seine Frau dankt er den zahllosen Kunden für deren Treue.

Neben der Allendorfer Apotheke hatte Walter Herzbergs Mutter Anna-Katharina das erste Eiscafé eröffnet. Vor 40 Jahren hatten Walter und Ingrid Herzberg ein Haus an der Berliner Straße gebaut und das Eiscafé dorthin verlagert.

Wenn die Saison beendet war, zog es die Eheleute Herzberg immer nach Südtirol. „Wir waren schon 15 Mal in Schenna“, erzählt Ingrid Herzberg. Doch auch die lange Fahrt dorthin fällt den Eheleuten inzwischen schwer.

Und jetzt? – „Wir werden das tun, was andere Leute im Sommer auch getan haben“, sagt Walter Herzberg. „Vielleicht mal einen Tagesausflug machen und den Garten auf Vordermann bringen.“

Nach einem arbeitsreichen Leben wollen Ingrid und Walter Herzberg nun in den Ruhestand treten. „Viele sagen: Es ist so schade. Aber wir können’s auch verstehen“, sagt Ingrid Herzberg.

Dank an Mitarbeiterinnen

Der 10. September 2017 war der letzte Öffnungstag des Eiscafés. Mit einer Weihnachtsfeier haben sich Ingrid und Walter Herzberg noch bei ihren Mitarbeiterinnen bedankt.

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