Edertal-Apotheke in Allendorf-Eder

Älteste Apothekerin Hessens geht mit 91 in den Ruhestand

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Übergabe von Mörser und Stößel: Irmgard Kanus-Credé übergibt die Edertal-Apotheke in Allendorf-Eder mit 91 Jahren an ihren Nachfolger Dr. Jost Weber (42).

Allendorf/Eder. Die dienstälteste Apothekerin Hessens, Irmgard Kanus-Credé (91 Jahre), übergibt die Allendorfer Edertal-Apotheke zum 1. Mai an Dr. Jost Weber.

Sie ist mit Sicherheit die dienstälteste Apothekenleiterin Hessens - wahrscheinlich sogar ganz Deutschlands. Doch das ist nun Geschichte. Zum 1. Mai übergibt Irmgard Kanus-Credé (91) die Edertal-Apotheke in Allendorf, die sie fast 50 Jahre geleitet hat, an ihren Nachfolger Dr. Jost Weber.

„Es ist fast nichts mehr so wie früher“, sagt Irmgard Kanus-Credé über ihren Beruf. Vor Jahrzehnten habe sie selbst noch Kräuter gesucht, viele Tees selbst hergestellt, Salben selbst gemischt und Zäpfchen gegossen. „Heute geht doch alles nur noch mit dem Computer.“

Die dienstälteste Apothekerin Hessens ist trotz ihres hohen Alters geistig hellwach - allerdings inzwischen nicht mehr so mobil. „Bis zu ihrem 90. Geburtstag ist sie noch selbst Auto gefahren und hat im Garten den Rasen gemäht“, sagt ihre Nichte, Dr. Annegret Kiendl-Viessmann. Doch dann sei ihre Tante in der Apotheke gestürzt. Seitdem müsse sie kürzer treten.

„Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mir das Pharmazie-Studium ermöglicht haben“, sagt Irmgard Kanus-Credé.

Dass eine Frau Pharmazie studiert, war in der Nachkriegszeit nicht gerade an der Tagesordnung. „Wir sind mit acht Studenten in Regensburg angefangen - drei Herren und fünf Frauen“, berichtet Irmgard Kanus-Credé. Das war im Wintersemester des Jahres 1950. Zwei Jahre später wechselte sie nach Tübingen, wo sie 1954 das Vorexamen ablegte. Es folgte ein „Kandidatenjahr“ im Allgäu. 1955 erhielt Irmgard Kanus-Credé dann die Approbation als Apothekerin.

Gern wäre Irmgard Kanus-Credé mit ihrem Mann, Dr. Helmhart Kanus-Credé, in den Vereinigten Staaten geblieben. Der Ehemann, der kürzlich sein 90. Lebensjahr vollendete, war als Orientalist einem Ruf an eine amerikanische Universität gefolgt. „Wir haben in vier Jahren die USA bereist und sind viel rumgekommen“, erzählt die Apothekerin immer noch begeistert. „Schweren Herzens“ entschlossen sich die Eheleute zur Rückkehr. Irmgard Kanus-Credé arbeitete danach zunächst als angestellte Apothekerin in Biedenkopf.

Dass Irmgard Kanus-Credé überhaupt Apothekerin wurde, war Wunsch ihres Vaters Carl Laute gewesen; eines im Oberen Edertal hoch angesehenen Mannes, damals Geschäftsführer der Firma Balzer. Carl Laute hatte bereits 1952 das Haus in der Bahnhofstraße 7 bis 9 errichten lassen, in dem die Edertal-Apotheke noch heute ihren Sitz hat. Als der Apotheker Helmut Schröder in den Ruhestand ging, übernahm Irmgard Kanus-Credé die Apotheke: am 6. Januar 1969.

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