Soldaten trainierten in der Region - Wasserlandungen im Edersee nicht möglich

Video und Fotos: Blick in eine Transall beim Training der Fallschirmjäger

Waldeck-Frankenberg. Fallschirmjäger der Division Schnelle Kräfte aus Stadtallendorf haben in Waldeck-Frankenberg trainiert. Wir haben die Soldaten in der Transall begleitet.

400 Meter über Bottendorf. Häuser und Autos sehen wie Spielzeuge aus, geschrumpft, weit weg, eine Miniaturwelt. Der Wind pfeift durch die offenen Flugzeugtüren. Im Headset ertönt das Signal „5, 4, 3, 2, 1, Go“. Es ist Zeit, zu springen.

Drei Tage lang haben die Fallschirmjäger der Division Schnelle Kräfte (DSK) aus Stadtallendorf über dem Kreis Waldeck-Frankenberg trainiert. Eigentlich sollten sie in den Edersee springen, Wasserlandungen – also eines der schwierigsten Manöver für Fallschirmspringer – trainieren. Doch der See führt nicht genug Wasser. Nun dürfen zumindest die Springer raus, die die Berechtigung haben, auf Land zu landen.

Bereit zum Sprung: Bis zu 80 Springer kann eine Transall aufnehmen. Oft sind es aber auch weniger. Über Waldeck-Frankenberg sprangen diese Fallschirmjäger aus einer Höhe von etwa 400 Metern ab.

Sie warten nun darauf, dass es los geht. Die Transall schraubt sich höher und höher. Unglaublich schnell sind Häuser, Bäume, Felder und Autos geschrumpft. Frankenberg taucht auf. Deutlich zu erkennen das Kreiskrankenhaus und – von hier oben nur einen Katzensprung entfernt – die Liebfrauenkirche. Während es im Cockpit sehr warm ist, ist es hinten erträglicher. Dort wiederum sieht man vom Kreis Waldeck-Frankenberg nichts. Man hört. Wartet. Die Gesichter der nebeneinander sitzenden Soldaten sind noch entspannt.

Don Werling

„Die Aufregung kommt, wenn man in der Maschine sitzt und die Türen aufgehen“, sagt Hauptfeldwebel Don Werling. In diesem Jahr darf auch er nicht über dem Edersee abspringen. Trotzdem weiß er, wie das ist: Er ist im vergangenen Jahr nicht weit von Schloss Waldeck im Wasser gelandet. „Jeder springt gerne ins Wasser“, sagt er. Der Grund: Es ist weicher und daher angenehmer als auf Land runterzukommen. Gleichzeitig ist das Verletzungsrisiko geringer, da man nicht umknicken oder in Bäumen landen kann. Zudem warten auf die Springer Boote der DLRG, die sie sofort rausziehen. „Darum hat man auch keine Angst, da nicht rauszukommen“, erklärt Werling.

Boote brauchen die Springer, die aus verschiedenen Orten in Deutschland und den Niederlanden kommen, heute nicht. Sie stehen mittlerweile in Reih und Glied, angeleint an einem Stahlseil über ihren Köpfen, geduldig darauf wartend, dass sie an der Reihe sind.

Die Abläufe kennen Don Werling und die anderen Fallschirmjäger aus dem Effeff. Drei Wochen haben sie in der Ausbildung zum Fallschirmjäger alles geübt. Im Laufschritt, damit die Abläufe auch unter Stress sitzen. Danach gab es die ersten Sprünge. In der Maschine sieht man nun trotzdem Anspannung in einigen Gesichtern, während Pilot, Copilot, Bordtechniker und der taktische System-Offizier im Cockpit den Absetzort bei Bottendorf lokalisieren.

Die so genannten Automatik-Springer springen aus etwa 400 Metern ab.

Aus bis zu 10.000 Metern können Springer der Bundeswehr abspringen. Dann aber mit Sauerstoff. Heute geht es für die so genannten Automatik-Springer auf etwa 400 Meter. 90 Sekunden wird es dauern, bis sie am Boden angekommen sind. Kevin Siegerth, der Gesamtleitende der Übung, hat dafür mit seinen Beratern Winde berechnet und daraus die genaue Flugroute. Erst wenn der Hauptmann sein Okay gibt, dürfen die Soldaten springen.

Das gab es heute. Es kann also losgehen. Die Türen sind offen, Licht fällt herein, Wind zieht in den hinteren Teil des Flugzeugs. Und dann geht alles ganz schnell. „X minus 10 Sekunden“ heißt es, dann „5, 4, 3, 2, 1, Go“ – und schon sind die Springer aus der Luke und auf dem Weg Richtung Boden. Glücklich und zufrieden, wie Werling das Gefühl nach dem Absprung beschreibt. „Es ist wie beim Achterbahn fahren: Man möchte direkt noch einmal.“

Start und Landung auf dem Flugplatz in Allendorf/Eder: Die Springer wurden von einer Transportmaschine des Typs Transall zum Absprungort gebracht.

Hintergrund: Daten und Fakten zur Transall

Die Transall ist ein in deutsch-französischer Kooperation entwickeltes Transportflugzeug. Sie wird von zwei Propellerturbinen angetrieben und ist für den Einsatz auf Behelfsflugplätzen, wie zum Beispiel in Afrika üblich, geeignet. Die Flügel sind auf dem Rumpf montiert. Das Leitwerk wurde ebenfalls möglichst hoch angebracht, um die Fracht über eine große Rampe im Heck aufnehmen und auch im Flug absetzen zu können. Der Laderaum ist 13,51 Meter lang, hat eine Höhe von 2,98 Meter und eine Breite von 3,15 Metern. 

Blick während des Flugs ins Cockpit der Transall.

Insgesamt misst die Transall 32,40 Meter. Sie ist 12,36 Meter hoch und hat eine Spannweite von 40 Metern. Die Propeller haben einen Durchmesser von 5,48 Metern. (Weitere Informationen zur Transall gibt es hier.)

Eindrücke vom Flug in der Transall haben wir für Sie im Bild festgehalten. Die Fotos finden Sie hier:

Flüge im Kreis Waldeck-Frankenberg: Bilder von und aus der Transall 

Rubriklistenbild: © Klement

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