David Blaumer wartet auf Rückflug

Battenfelder sitzt wegen Corona-Krise in Neuseeland fest

David Blaumer aus Battenfeld in Neuseeland, hier am Helicopter Hill im Craigieburn Forest Park. Er ist schon im Februar mit einer Uni-Gruppe dorthin geflogen. 
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David Blaumer aus Battenfeld in Neuseeland, hier am Helicopter Hill im Craigieburn Forest Park. Er ist schon im Februar mit einer Uni-Gruppe dorthin geflogen. 

Wegen der Corona-Krise saßen am Wochenende laut dem Auswärtigen noch immer rund 40.000 Deutsche im Ausland fest. Auch David Blaumer aus Battenfeld wartet auf seinen Rückflug.

  • Das Coronavirus breitet sich weltweit aus.
  • Viele Deutsche sitzen wegen gestrichenen Flügen im Ausland fest.
  • Auch David Blaumer aus Battenfeld im Kreis Waldeck-Frankenberg wartet in Neuseeland auf seinen Rückflug.

Außenminister Heiko Maas versprach: „Wir werden uns weiter um Lösungen bemühen.“ Detailabsprachen mit Behörden, Landegenehmigungen für Fluggesellschaften, Zwischenstopps, Transport Reisender vor Ort – das sei extrem schwierig, wenn das öffentliche Leben brach liege, sagte Maas.

Corona in Waldeck-Frankenberg: Battenfelder sitzt in Neuseeland fest

Auch David Blaumer sitzt in Neuseeland fest. Der 24-jährige Student kommt aus Battenfeld und war schon im Februar mit einer Geographie-Exkursion der Uni Marburg nach Neuseeland gereist. 

Wir haben mit ihm über die besondere Situation als Gestrandeter und über die Rückholaktion der Bundesregierung gesprochen.

Seit wann und warum sind Sie in Neuseeland?

Blaumer: Ich bin seit dem 21. Februar hier. Ab dem 22. war ich zwei Wochen auf Geografie-Exkursion mit der Uni. Ab dem 9. März bin ich mit meinem Unifreund Taner in einem Leihwagen herumgereist, wir haben die Highlights der Südinsel abgeklappert und im Anschluss am 17. März auf die Nordinsel übergesetzt.

Wann wollten Sie eigentlich nach Deutschland zurückfliegen?

Blaumer: Wir wollten eigentlich am 29. März von Auckland über Singapur nach Frankfurt fliegen. Am 14. März haben wir die erste Mail bekommen, dass der Flug von Singapur nach Frankfurt bereits gecancelled ist, aber der Flug von Auckland nach Singapur noch steht, was uns nichts gebracht hätte, weil wir dann in Singapur festgesessen hätten.

Wie ist die Corona-Lage in Neuseeland? Gibt es dort auch Einschränkungen wie in Deutschland?

Blaumer: Seit dem 26. März befindet sich Neuseeland im nationalen Lockdown. Das bedeutet, dass vor Ort nur noch die essenziellen Geschäfte wie Supermärkte, Tankstellen, Kioske, Krankenhäuser und Apotheken aufhaben dürfen. Es ist nur noch gestattet, zu zweit vor die Tür zu gehen, und es soll versucht werden, sich weitestgehend in der Unterkunft aufzuhalten und touristische Aktivitäten zu vermeiden. Es ist möglich, spazieren zu gehen oder zu joggen. Viele Menschen sind in den Parks und spielen zu zweit Ball oder machen individuellen Sport. In den Supermärkten wird strikt auf den Abstand zwischen einzelnen Personen geachtet. Es ist nur erlaubt, allein einzukaufen, jeder Wagen wird desinfiziert, wodurch lange Schlangen entstehen. Wenn man zu zweit einkaufen geht, wird man von der Security ermahnt, wenn man miteinander spricht. An der Kasse wird teilweise nur noch Kartenzahlung akzeptiert und es wurden Plastikscheiben an den Kassen angebracht. Am 6. April lag die Zahl der infizierten Personen in Neuseeland, das rund 5 Millionen Einwohner hat, bei etwa 1000. Es gibt erst einen Todesfall. Generell fühlen wir uns hier sehr sicher.

Wie sind Sie derzeit untergebracht?

Blaumer: Als der Lockdown am 25. März relativ spontan von der Regierung angekündigt wurde, haben wir gemerkt, dass alle Geschäfte in der Stadt langsam dichtmachen. Dann haben wir online nach einer Unterkunft gesucht, bei der man sich vorstellen konnte, länger zu bleiben. Derzeit befinden sich Taner, eine weitere Kommilitonin und ich uns in Auckland in einem sehr gemütlichen und sauberen Hostel. Wir sind in einem Viererzimmer mit einer Französin untergebracht und jeder hat an seinem Bett einen eigenen Vorhang, um Privatsphäre zu haben. Zudem bietet das Hostel einen großen Garten mit vielen Sitzgelegenheiten. Im Hostel befinden sich etwa 30 Menschen, die man mittlerweile alle beim Namen kennt. In der Unterkunft mussten wir für die vier Wochen Lockdown im Voraus bezahlen, bekommen jedoch unser Geld teilweise zurück, wenn wir einen Rückflug bekommen. Unser Touristenvisum gilt 90 Tage, sodass wir nichts verlängern müssen. Falls doch, hat die Regierung klargestellt, dass dies kein Problem sei.

Wie verbringen Sie die Tage bisher?

Blaumer: Bisher laufen die Tage immer nach einem ähnlichen Muster ab. In allen Zimmern des Hostels wird lange geschlafen. Aufgrund des schönen Wetters hier geht man nach dem Frühstück in den Garten, wirft sich einen Rugby zu oder kickt mit den anderen, sonnt sich oder spielt Karten. Auch Fernsehen gehört dazu, um die Zeit totzuschlagen. Zum Zeitvertreib gehört für mich auch Sport, also Laufen oder ein Workout. Abends kocht man dann meistens in kleineren Gruppen, isst gemeinsam und unterhält sich mit den verschiedenen Nationen, wobei jeder von jedem lernt. Insgesamt ist es sehr familiär und vor zwei Tagen haben wir einen Doppelgeburtstag als Hostelparty gefeiert. Selbstverständlich sind wir dabei nur in unserer eigenen „Bubble“ geblieben, wie es die Neuseeländer sagen, also in unserer Blase mit unseren Leuten. Hier weiß jeder im Hostel: Falls Corona es hier rein schafft, dann bekommt es jeder in kürzester Zeit.

Was kostet es Sie, jetzt länger in Neuseeland bleiben zu müssen? Gibt es von irgendeiner offiziellen Seite finanzielle oder sonstige Unterstützung?

Blaumer: Das Hostel kostet für vier Wochen umgerechnet etwa 440 Euro, wovon wir hoffentlich einen Teil zurückbekommen. Hinzu kommen die Einkäufe für Essen und Getränke, ca. 12 Euro am Tag. Insgesamt ist es aber günstiger, hier im Hostel zu sein, als wenn wir unsere Rundreise fortgesetzt hätten. Von einer finanziellen Unterstützung weiß ich bisher nichts. Die Botschaft in Wellington versorgt uns via Instagram und Website mit vielen Informationen rund um das Rückholprogramm. Und wir verwenden die Seite des Auswärtigen Amtes.

Deutschland will rund 40 000 Deutsche aus dem Ausland zurückholen. Wissen Sie schon, wann Sie zurückfliegen?

Ich habe am Sonntag eine E-Mail von der Lufthansa erhalten, dass ich auf einem Flug am 8. April um 10 Uhr ab Auckland über Bangkok nach Frankfurt gebucht bin. Ankunft dort ist für Donnerstag um 0.30 Uhr geplant. Für sämtliche Check-in-Maßnahmen, wie Temperatur messen und Anträge abgeben, werden vier Stunden veranschlagt. Zum Flughafen kommen wir mit dem Taxi.

Deutsche sitzen wegen Corona im Ausland fest: Die Rückholaktion

„Ich weiß natürlich nicht bis ins kleinste Detail, wie das Ganze organisiert wird“, sagt David Blaumer über die Rückholaktion der Bundesregierung für Deutsche im Ausland, „aber wir haben uns zuerst in einem System der Bundesregierung angemeldet, damit diese Bescheid weiß, dass wir uns hier befinden. Kurz darauf wurde das Rückholprogramm gestartet, in deren App wir uns mit unseren Daten registriert haben. 

Ab dann begann die Planung der Regierung, zusammen mit der Lufthansa und Air New Zealand die Rückholflüge zu starten. Nachdem zwei Flieger bereits geflogen waren, sperrte die neuseeländische Regierung die Flieger vorerst auf unbestimmte Zeit, weil sie nicht wusste, wie sie alle Deutschen sicher zum Flughafen transportieren kann. 

Darauf wurde die App des Rückholprogramms in einigen Punkten ergänzt. Nun sollte man schnellstmöglich seine Daten über den momentanen Aufenthaltsort preisgeben, da Reisende aus den Flughafen-Großräumen Christchurch und Auckland favorisiert als erstes abgeholt werden sollen, da aufgrund der Nähe die Reise zum Flughafen sicherer ist. 

Rückholaktion wegen Corona: So läuft sie ab

Nachdem Tausende deutsche Reisende diese Informationen ergänzt haben, gab die neuseeländische Regierung am 3. April die Rückholflieger wieder frei, sodass das Programm nun durchstarten konnte. Seit dem sind schon einige Flieger geflogen. Die Auserwählten werden durch E-Mails von Air New Zealand oder Lufthansa ein paar Tage vor dem Flug informiert. Diese muss bestätigt werden, damit das Ticket zugesendet werden kann. 

Neben den Glücklichen gibt es eine Warte- und eine Reserveliste. Die Personen der Warteliste werden gebeten, zum Flughafen zu kommen, und vor Ort wird geschaut, ob vielleicht jemand nicht erschienen ist und der Platz kann direkt besetzt werden. Falls ein Platz frei bleibt, kommt die Reserveliste zum Tragen. Diese Personen geben an, innerhalb von 30 Minuten am Flughafen sein zu können."

Lesen Sie alle News zum Coronavirus in Waldeck-Frankenberg in unserem Ticker. 

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