Gemeinde will Hausarzt die Ansiedlung schmackhaft machen

Allendorf baut Arztpraxis für eine Million Euro

Baulücke Heinrich-Heine-Straße 2 in Allendorf-Eder: Dort soll ein Ärztehaus entstehen.
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Baulücke Heinrich-Heine-Straße 2 in Allendorf-Eder: Dort soll ein Ärztehaus entstehen.

Um einen jungen Arzt, der aus dem Oberen Edertal stammt, in Allendorf anzusiedeln, nimmt die Industriegemeinde viel Geld in die Hand: Für rund eine Million Euro wird sie ein Grundstück im Heinrich-Heine-Weg kaufen und dort ein modernes Ärztehaus bauen.

Allendorf/Eder - Das hat die Gemeindevertretung am Mittwochabend einstimmig beschlossen. Mit dem Arzt, der derzeit noch in Wiesbaden tätig ist, sei man bereits seit November 2019 im Gespräch, sagte Bürgermeister Claus Junghenn der HNA. Erster Beigeordneter Kurt Kramer habe den Kontakt hergestellt.

Ziel: Ende 2021 bezugsfertig

Ziel ist es laut Bürgermeister Junghenn, dass das Ärztehaus Ende des Jahres 2021 bezogen werden kann. Mit dem interessierten Arzt habe man einen Mietvertrag über zehn Jahre mit Verlängerungsoption abgeschlossen.

Die Gemeinde hofft auf eine 55-Prozent-Förderung aus dem Programm GAK (Gemeinschaftsaufgabe für Agrarstruktur und Küstenschutz) zu den Netto-Baukosten – einem europäischen Förderprogramm für den Bau von Arztpraxen.

Sprecher aller Fraktionen äußerten sich angetan bis begeistert von den Ärztehaus-Plänen.

CDU-Sprecher Jürgen Hoffmann zeigte dringenden Handlungsbedarf auf: Bei der hausärztlichen Versorgung belege Allendorf hinter Sontra den vorletzten Platz in Hessen. Im Bedarfsplan der Kassenärztlichen Vereinigung seien sechs Vertragsärzte für das Obere Edertal ausgewiesen, von denen zwei schon über 65 Jahre alt seien. Der einzige Allendorfer Hausarzt Dr. Stefan Packebusch werde demnächst 67 Jahre alt. Durchschnittlich behandelten Hausärzte rund 750 Patienten pro Quartal. Bei Dr. Packebusch seien es 1500 bis 1800 im gleichen Zeitraum. Gleichwohl erkenne die Kassenärztliche Vereinigung diesen Notstand nicht an und überlasse „die Gemeinden sich selbst“.

Aus Sicht der CDU wäre es „verantwortungslos“, die sich mit dem Bau des Ärztehauses bietende Chance auszuschlagen. Jürgen Hoffmann sprach sich mit Nachdruck für einen modernen, barrierefreien Neubau aus. Bei der Planung sollte man die Ansiedlung eines weiteren Arztes mit vorsehen.

Nachdem andere Vorschläge gescheitert seien, hätten ihn die Pläne für den Bau dieser Arztpraxis „positiv überrascht“, sagte Jürgen Kubitzek für die BLO. „Wir nehmen dafür viel Geld in die Hand“, sagte Kubitzek. Das sei „eine gute Entscheidung“.

Mit Fotovoltaik und E-Ladesäule

Eine gute ärztliche Versorgung sei für die Menschen unerlässlich, sagte Jürgen Battenfeld für die SPD. Die Arztpraxis sollte nach Ansicht der SPD „zukunftsfähig, mit Fotovoltaikanlage, E-Ladesäule, überdachten Parkplätzen und barrierefrei“ geplant werden. Viele Ärztehäuser würden heute als Gemeinschaftspraxis angelegt. „Wir brauchen wahrscheinlich mehr als einen Arzt“, sagte Battenfeld.

Der Beschlussvorschlag sieht vor, dass rund 200 000 Euro Planungskosten im Nachtragsetat 2020 bereitgestellt werden, die restlichen rund 800000 Euro im Etat 2021. Außerdem verpflichtet sich die Gemeinde, in den kommenden Jahren für alle Folgekosten aufzukommen.

Von Thomas Hoffmeister

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