"Was wurde aus...?"

Frau von Auto überrollt: Entschärfung der Bushaltestelle Haine gefordert

+
Hier steigen jetzt die Schüler ein und aus: Das große Foto zeigt die Bushaltestelle Haine-Mitte unweit des Dorfgemeinschaftshauses. 

Haine. In unserer Serie "Was wurde aus...?" geht es heute um die Bushaltestelle an der B 253 in Allendorf-Haine. Dort war eine 64-jährige Frau getötet worden.

Es war ein tragisches Unglück: Eine 64-jährige Frau verlor am 11. Mai an der Bundesstraße 253 ihr Leben, als sie morgens an der Haltestelle Haine an der viel befahrenen Bundesstraße 253 auf den Bus wartete. Die Frau wurde von einem Auto überrollt, dessen Fahrer einem Pkw ausweichen musste, der auf die Bundesstraße einbiegen wollte. Besonders tragisch: die tote Frau wurde erst später unter dem Auto entdeckt. Mit der Unfallursache hatte die 64-jährige überhaupt nichts zu tun. Sie wartete nur auf den Bus.

Der schlimme Unfall zog weite Kreise. Kommunalpolitiker aus Allendorf, speziell aus Haine, erinnerten öffentlich daran, dass die Gefahr, die von den beiden Bushaltestellen links und rechts der Bundesstraße ausgeht, schon lange bekannt war.

Bürgermeister Claus Junghenn zeigt auf einem Plan, wie die Bus-Warteschleife vor den Toren des Dorfes aussehen könnte. 

Bei einem Ortstermin sprach sich der neue Ortsbeirat mit Ortsvorsteherin Silvia Hoffmann-Huhn sowie dem Birkenbringhäuser Ortsvorsteher Mario Tschirner für eine Verlegung der Bushaltestelle aus. Mario Tschirner forderte schon kurz nach dem tödlichen Unfall einen „großen Kreisel“ auf der Bundesstraße, Silvia Hoffmann-Huhn hielt darüber hinaus einen „stationären Blitzer“ für unverzichtbar, weil sich kaum jemand an die Geschwindigkeitsbeschränkung auf 80 Stundenkilometer halte.

Die HNA sprach mit Hessen-Mobil und dem Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) über Möglichkeiten, die gefährliche Bushaltestelle zu entschäfen. Dabei brachte NVV-Pressespecherin Sabine Herms eine „Ruftaste“ ins Spiel.

Sinn dieser Taste: die Busse in Richtung Frankenberg und Battenberg sollten nur dann durch den engen Ortskern von Haine fahren, wenn tatsächlich jemand in dem kleinen Allendorfer Ortsteil ein- oder aussteigen will. Vermieden werden sollte auf diese Weise, dass die Menschen im Ortkern von Haine täglich bis zu 40 Busfahrten zusätzlich ertragen müssen.

Initiative bei Facebook

In Haine gründete sich eine „Bürgerinitiative für die Verlegung der Bushaltestelle“, die insbesondere über „Facebook“ stets aktuell informierte. Im Juli gab es einen „Runden Tisch“ zu diesem Thema.

Über den Stand der Dinge beim Thema Bushaltestelle in Haine hat die HNA vor wenigen Tagen mit Bürgermeister Claus Junghenn gesprochen. Fakt ist: Auf Antrag der CDU-Fraktion hat die Allendorfer Gemeindevertretung im September beschlossen, den Bau eines großen Kreisels auf der Bundesstraße 253 prüfen zu lassen. Das wird allerdings - wenn überhaupt realisierbar - wohl noch mehrere Jahre dauern.

Ruftaste zu teuer

Die vom Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) ins Spiel gebrachte „Ruftaste“ wird laut Junghenn nicht weiter verfolgt. Eine Installation wäre wohl recht teuer, weil es an der Bushaltestelle im Ort noch keinen Stromanschluss gibt. Der NVV sei diesbezüglich „etwas zurückgerudert“, sagte der Bürgermeister.

Haltestelle verlegt

Eine Gefahr für Schulkinder durch die Bushaltestellen existiert seit dem 1. Dezember nicht mehr. Seit diesem Tag fahren alle Busse, die Schüler transportieren, die Haltestelle Haine-Mitte an, also im Ort. Das galt zuvor nur für die Grundschüler. Wer zur Gesamtschule nach Battenberg oder zum Gymnasium Edertalschule nach Frankenberg fährt, musste zuvor zumindest ein Mal am Tag die viel befahrene Bundesstraße überqueren. Das ist passé.

Geld für Wendeschleife

Für den Bau einer Bus-Wendeschleife hat der Allendorfer Gemeindevorstand 210 000 Euro im Haushalt des Jahres 2017 vorgesehen. Die Wendeschleife soll auf der linken Seite vor der Bebauung Haines entstehen. „Mit den Grundstückseigentümern sind wir uns einig“, sagte Claus Junghenn. Die Unterzeichnung der Kaufverträge habe man jedoch zunächst zurückgestellt, weil die Gemeinde mindestens 50 Prozent an Zuschüssen (aus Finanzausgleichsmitteln und nach dem Gemeindeverkehrs-Finanzierungsgesetz) erwarte. Diese Zuschüsse könne man nicht nachträglich beantragen. Man brauche zumindest eine Förderzusage.

Eine besondere Bauleitplanung sei für die Schaffung der Bus-Wendeschleife nicht erforderlich, sagte Claus Junghenn. Voraussichtlich reiche eine Abstimmung mit der Landwirtschafts- und Umweltbehörde. Wenn die Förderzusage vorliege, könne die Wendeschleife kurzfristig gebaut werden. Junghenn hofft auf eine Fertigstellung noch im Jahr 2017.

Kreisel bleibt das Ziel

Als langfristiges Ziel will der Gemeindevorstand den Bau eines großen Kreisels nicht aus den Augen verlieren. Mit Kreiseln kennt sich der Allendorfer Bürgermeister aus: Es wäre sein vierter nach dem Kreisverkehrsplatz auf der B 236 am Baugebiet Homberg, dem 2012 eröffneten Kreisel B 253/B 236 und dem jüngsten Bauwerk, dem Ende 2014 fertig gestellten Kreisel B 236/ K 121/K 119 in Battenfeld.

Teuer waren schon die beiden letzten Kreisel: der an der B 253 kostete mit Grunderwerb 737 237 Euro, der in Battenfeld sogar 927 000 Euro.

„Ein Kreisel am Abzweig Haine würde vermutlich über eine Million Euro kosten“, schätzt Junghenn. Man sollte dann auf jeden Fall auch den Abzweig nach Birkenbringhausen integrieren.

Problem: Bahnstrecke

Das eigentliche Problem sei jedoch die an dieser Stelle verlaufende Bahnlinie. Den Hinweis, dass die Bahntochter DB Cargo die Güterverladestelle Allendorf seit dem 12. Dezember nicht mehr bedient, lässt Claus Junghenn nicht gelten: „Die Strecke ist aber noch nicht entwidmet.“ 

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.