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Friedwald-Idee für Osterfeld ist vom Tisch

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Von: Thomas Hoffmeister

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Bestattungswald: Bio-Urnen wie diese werden in einem Friedwald an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt.
Bestattungswald: Bio-Urnen wie diese werden in einem Friedwald an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt. © Dennis Moebus

Der Allendorfer Ortsteil Osterfeld wird keinen Bestattungsforst erhalten. Das wurde in einer Ausschusssitzung am Donnerstag bekannt.

Osterfeld – Mehr als zehn Jahre wurde geplant, umgeplant und abgewogen. Es gab mehrere Begehungen und sogar Bohrversuche. Nun ist klar: Es wird keinen Fried- oder Bestattungswald im Allendorfer Ortsteil Osterfeld geben. Ein Grund sind die zu erwartenden hohen Kosten.

Jeweils einstimmig haben die Mitglieder des Haupt- und Finanz-, des Bau- und Wirtschafts- sowie des Ausschusses für Familie, Soziales, Sport und Kultur in ihrer gemeinsamen Sitzung am Donnerstagabend beschlossen, die Pläne für einen Bestattungswald bei Osterfeld nicht weiter zu verfolgen. Sie folgten damit einer Empfehlung des Gemeindevorstands.

Der frühere Ortsvorsteher Wolfgang Lassek hatte im Januar 2011 angeregt, einen etwa 2,5 Hektar großen Fried- oder Bestattungswald in der Schmalhardt oberhalb des Bolzplatzes in Osterfeld anzulegen (HNA berichtete). Dort gibt es ein Waldgebiet mit alten Eichenbeständen.

Bestattung in biologisch abbaubaren Urnen

Idee eines Fried- oder Bestattungswaldes ist es, die Asche verstorbener Menschen in einer biologisch abbaubaren Urne im Wurzelbereich von Bäumen beizusetzen. Den Baum können sich die Angehörigen oder Betroffenen zu Lebzeiten aussuchen.

In Allendorf und Osterfeld hatte der Vorschlag große Resonanz gefunden – zumal es in Osterfeld keinen Friedhof gibt. Die frühere Gemeindevertreterin Monika Sögtrop (CDU) hatte sich im Parlament immer wieder nach dem Sachstand erkundigt.

Laut Gesetz ein Friedhof, kein Wald

Durch die Ausweisung als Bestattungswald wäre der etwa zwei Hektar große Eichenbestand im Sinne des Gesetzes kein Wald mehr, sondern ein Friedhof, heißt es dazu in der Beschlussvorlage der Verwaltung. Daraus ergäbe sich eine besondere Verkehrssicherungspflicht.

Aufgrund der Trockenheit in den vergangenen Jahren seien jedoch erhebliche Schäden an den Bäumen entstanden. Die Kommunalwald Waldeck-Frankenberg GmbH schätzt den Zustand der Bäume „insbesondere im Untergang“ (dem geplanten ersten Bauabschnitt des Bestattungswaldes) als „katastrophal“ ein. Es sei davon auszugehen, dass der Eichenbestand „in den nächsten zehn bis 20 Jahren völlig absterben“ werde.

Hohe Kosten

Es sei mit Kosten von etwa 190 000 Euro für die „einmalige Herstellung der Verkehrssicherheit“ zu rechnen. Die zu erwartenden laufenden Kosten für Baumkontrollen und Pflegearbeiten schätzt die Kommunalwald GmbH auf „jährlich fast 40 000 Euro“.

Nach einer Aufstellung der Gemeindeverwaltung wurden bisher 85 700 Euro für das Projekt Bestattungswald ausgegeben, unter anderem für einen Grundstückstausch mit Hessen-Forst, Bauleitplanung, Bohrversuche und Baumgutachten.

„Ein wesentliches Kriterium bei den Ruhewaldbestattungen ist ja die Urnenbestattung in räumlicher Nähe zu einem Baum. Dies wurde schon bei den letzten Beratungen von den Fachbehörden im Hinblick auf den Baumerhalt als kritisch angesehen. Auch die forstfachliche Bearbeitung des Baumbestandes zur Wahrung der Verkehrssicherungspflicht würde wegen zahlreich erforderlicher Baumentnahmen zu einer nicht unerheblichen Veränderung des Waldbildes führen“, erklärte Bürgermeister Claus Junghenn auf Anfrage. „Der Gemeindevorstand empfiehlt daher, dieses Projekt aufzugeben. Als Alternative könnte über Baumbestattungen auf den Friedhöfen nachgedacht werden.“

Müller: Warum nicht hier?

So haben es die Allendorfer Ausschussmitglieder nun einstimmig empfohlen. „Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, sagte der Erste Beigeordnete Kurt Kramer der HNA. Angesichts der Fakten bleibe keine andere Wahl, meinte Claus-Jürgen Müller (CDU). Für ihn bleibt allerdings die Frage: „Warum nicht hier, wenn es kurz hinter der Landesgrenze möglich ist?“

In der Nachbarstadt Hallenberg gibt es seit dem Jahr 2011 einen Ruhewald.

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