Was Kinder früher spielten: Vom alten Schaukelpferd

Auch der Urenkel hat Spaß am Schaukeln: Walter Sellmann hatte dieses Schaukelpferd 1937, wie heute sein Urenkel Maximilian, zu Weihnachten geschenkt bekommen. Er war damals zwei Jahre alt, so wie Maximilian heute. Foto: Arnold

Rennertehausen. Auf dem Schaukelpferd, das er 1937 geschenkt bekam, sitzt heute Urenkel Maximilian. Der 80-jährige Rennertehäuser Walter Sellmann erzählt von seinem Spielzeug.

Es ist das einzige größere Spielzeug, das er als Kind hatte. Sellmann folgt damit dem Aufruf der HNA, zum Mundart-Quiz an Silvester auch Geschichten von Kinderspielen zu schicken.

„Das woar men Schaukelgaul, denn ech Chrestag nennzähhunnertsiebendräßig (1937) zwe Joar alt, kräge ho, das enzeege grißere Speelwerk das esch als Känd hat“, so stellt Walter Sellmann das alte Schaukelpferd vor, dass seine Schwägerin Eli Sellman auf dem Dachboden aufbewahrte. Walter und sein Bruder Heinrich hatten als Kinder gerne damit gespielt,

Der 80-Jährige erzählt, dass die Dorfkinder gar nicht so viel Zeit zum Spielen hatten und schon viele kleine Arbeiten erledigten. „Hulz ruff lange“ (Brennholz reinholen) oder „Deckworz schrabbe“ (Rüben von Erde befreien) gehörten dazu. Ich hatte auch „Kaneischer“ (Kaninchen) die „esch gefürret hoa.“ „Ich hatte mir sogar ein Tischfußball gebastelt, mit Toren und Bande aus Holz, Pappe und Draht. Knöpfen als Ball. Und mit einem Kamm wurde geschossen.“

Im November 1944 erhielt der damals Neunjährige einen Feldpostbrief von seinem Onkel Heinrich Clemens, der ihm schrieb: „Vor den Fliegern brauchst du keine Angst zu haben, denn so ein kleines Dorf wie Rennertehausen greifen die nicht an.“ Er schrieb auch „wenn ich wieder zu Hause bin, kaufen wir ein kleines Pferdchen und fahren spazieren.“

„Doch mein Onkel ist nicht zurückgekommen, er gilt bis heute als vermisst“, erklärt Sellmann. So wurde es auch mit dem „Gailsche“ (kleines Pferd) nichts.

Leider hatte der Onkel auch mit dem Bombenangriff nicht recht behalten, denn als Sellmann den Feldpostbrief erhielt, hatte er den Bombenangriff auf den Zug an der Rennertehäuser Haltestelle vom 6. Oktober 1944, schon hautnah miterleben müssen. (wi)

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