Leiter im Kindergarten Battenfeld

Erzieher in der Kita: David Jakobi arbeitet in einer Frauen-Domäne

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David Jakobi, seit September Leiter der evangelischen Kindertagesstätte Battenfeld, mit Kindern an der Nestschaukel. 

Ein Mann als Erzieher im Kindergarten – das ist im Frankenberger Land die große Ausnahme. David Jakobi (29) ist eine solche Ausnahme. Seit September leitet er die evangelische Kindertagesstätte in Battenfeld.

Mit dem Kindergarten ist David Jakobi quasi groß geworden. Dieser liegt nur rund 200 Meter von seinem Elternhaus entfernt. 

Während der Schulzeit, der Ausbildung zum Sozialassistenten und dann später während des Studiums hat David Jakobi immer wieder als Praktikant an der Kita gearbeitet, die er als Kind auch selbst besucht hat. „Das liegt mir total, auch die Arbeit mit den Kindern“, hat Jakobi dabei festgestellt.

„Natürlich fehlen Männer im Kindergartenbereich“, betont Jakobi. Der Beruf des Erziehers/der Erzieherin sei „halt ’ne Frauen-Domäne“. Das habe sich vermutlich aus dem früheren Rollenverständnis von Männer und Frauen ergeben, müsse aber keineswegs so bleiben.

„Die Kinder genießen das total. Sie brauchen beides, Frauen und Männer“, sagt Jakobi. Die Jungen zum Beispiel, hätten viel Spaß, wenn er mit ihnen Fußball spiele. 

Da können die Jungs von David Jakobi einiges lernen, schließlich hat er selbst über viele Jahre Fußball gespielt – als Torwart der SG Battenfeld.

Auch wenn er als Leitung der relativ großen Kindertagesstätte mit 14 Erzieherinnen, zwei Berufspraktikantinnen und bald 99 Kindern von der täglichen Betreuungsarbeit freigestellt ist, darf aus Jakobis Sicht „der Kontakt zu den Kindern nicht zu kurz kommen“.

Das Besondere an der Kita in Battenfeld, die gerade für 1,4 Millionen Euro umgebaut und erweitert wurde (HNA berichtete), ist laut Jakobi das „offene Konzept“. 

Das bedeutet, dass sich die Kinder täglich neu entscheiden dürfen, ob sie mit Legosteinen bauen, ein Bild malen, basteln oder Theater spielen möchte. Der Altbau der Kindertagesstätte verfügt dafür über unterschiedliche Etagen. 

Im Keller dürfen die Kinder auch mal toben oder turnen. Das Einwählen der Kinder erfolge „erstaunlich unproblematisch“, sagt Jakobi.

Wenn sich der beste Freund oder die beste Freundin heute entscheide, lieber ein Bild zu malen, während das Kind selbst lieber baue oder turne, lerne man dabei Toleranz und die Interessen anderer zu achten und zu akzeptieren.

In Battenfeld gebe es ein „tolles Team“, eine gute Mischung aus ganz jungen und erfahrenen Erzieherinnen, sagt Jakobi. „Ich wusste, wie der Hase im Kindergarten läuft und wollte unbedingt mit diesem Team zusammenarbeiten.“

Kindertagesstätten müssen sich nach David Jakobis Überzeugung auf neue Anforderungen einstellen. Als Beispiele nannte Jakobi zum einen den Umgang mit Medien („wo wir früher ins Lexikon geschaut haben, nehmen wir heute das Tablet“), zum anderen die Öffnungszeiten. 

Als er in den Kindergarten ging, sei es fast ausschließlich um die Vormittagsbetreuung gegangen. „Heute sind viele Eltern darauf angewiesen, dass wir von 7 bis 16.30 Uhr geöffnet haben, weil beide Elternteile berufstätig sind“, sagt Jakobi.

Im Schnitt komme ein Kind heute mit einem oder eineinhalb Jahren in die Krippengruppe, während man früher erst mit drei Jahren in den regulären Kindergarten gegangen sei. 

Jakobi rechnet damit, dass sich die Öffnungszeiten der Kindertagesstätten „noch weiter nach hinten“ verschieben werden; bis etwa 18 oder 19 Uhr. Möglicherweise müsse man dann Erzieherinnen im Zwei-Schichten-System vorhalten.

Schon seit 18 Jahren werde an der Kita in Battenfeld täglich frisch gekocht. Während sich eine der beiden Köchinnen früher gesorgt habe, ob man sie weiterbeschäftigen werde, gehe es heute eher um die Frage: „Brauchen wir 70 oder 80 Mittagessen?“

So ändern sich die Zeiten – auch in einer Kindertagesstätte. 

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