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Polizei schoss Mann ins Bein - der steht jetzt vor Gericht

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Von: Heiko Krause

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Nahaufnahme Holster Polizei
Symbolbild © IMAGO/Marius Bulling

Ein Polizeieinsatz vom April 2019 in Allendorf-Eder ist jetzt vor Gericht gelandet. Damals war ein Mann durch zwei Schüsse der Polizei verletzt worden.

Marburg/Allendorf – Ein Schusswaffeneinsatz der Polizei sorgte 2019 in Allendorf/Eder für Aufsehen. Ein Mann (heute 47) hatte die Beamten nach einer Auseinandersetzung mit seiner Lebensgefährtin mit einem großen Messer bedroht, zwei glatte Durchschüsse im Oberschenkel waren die Folge. Vor dem Marburger Amtsgericht ist der 47-Jährige nun angeklagt worden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten eine Reihe von Straftaten vor, unter anderem Einbruch, Bedrohung, Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Fahren ohne Führerschein und unter dem Einfluss von Alkohol und Medikamenten. Bei einer Verurteilung droht ihm die Einweisung in eine Entziehungsanstalt.

Am 26. April 2019 kam es zum gravierendsten Vorfall, der neben anderen nun vor Gericht verhandelt wird. Laut Anklage soll er sich widerrechtlich Zugang zur Wohnung der Frau verschafft haben. Er soll ihr das mehr als 30 Zentimeter lange Messer an die Brust gehalten und ihr mit dem Tode gedroht haben, wenn sie ihm nicht einen Schlüssel gebe. „Sonst mach ich dich alle“, seien seine Worte gewesen.

Laut Anklage ist es der Frau gelungen, ins Treppenhaus zu fliehen. Zusammen mit Nachbarn gelang es ihr nicht, ihn zu beruhigen. „Er war nicht er selbst, hat sich dann das Messer an die Brust gehalten und gesagt: Ihr werdet sehen, was passiert, wenn die Polizei kommt.“ Die war inzwischen von den Nachbarn alarmiert worden.

Polizei: Mehrfach aufgefordert, das Messer fallen zu lassen

Die drei Beamten berichteten vor Gericht, dass der Mann auf den untersten Stufen im Treppenhaus gesessen habe. Mehrfach hätten sie ihn aufgefordert, das Messer fallen zu lassen, stattdessen sei er aufgestanden, habe die Waffe nach vorne gerichtet und sei auf einen der Beamten zugegangen. „Ich habe noch nie so viel Angst gehabt, wie in diesem Augenblick, sagte der Polizist.

„Ich habe in seinen Augen gesehen, dass er eine Entscheidung getroffen hat, und gedacht, jetzt will er mich umbringen“, so der Polizist, der eigenen Angaben zufolge noch lange Zeit bei Einsätzen gehemmt war, wenn Messer im Spiel waren. Er habe dann ein Mal geschossen, der Getroffene sei aber weiter auf ihn zugekommenen. Erst das zweite Projektil habe ihn gestoppt. Der Angeklagte bestätigte weitgehend die Vorwürfe. Anders als die Polizisten aussagten, hätten sie den Einsatz der Schusswaffe aber nicht angedroht. „Das ging alles ganz schnell.“

„Ich habe in seinen Augen gesehen, dass er eine Entscheidung getroffen hat, und gedacht, jetzt will er mich umbringen.“

Einer der Polizisten

Angeklagt ist noch ein weiterer Tatkomplex: Im Juni dieses Jahres hat es laut Staatsanwaltschaft auf einer Fahrt nach Marburg erneut einen Streit des Paares gegeben, das trotz der Vorfälle immer noch zusammen ist. Wie die Frau berichtete, sei der Angeklagte sehr eifersüchtig und habe sie geschlagen und mit einem Schraubenzieher bedroht. In Marburg angekommen, habe sie das Auto verlassen.

Während in der Anklageschrift steht, dass der Mann sich ans Steuer gesetzt hat, immer noch ohne Führerschein, sagte der, er habe den Wagen von Passanten auf einen anderen Parkplatz fahren lassen, damit die Polizei ihn nicht findet. Er habe dann im Auto geschlafen und das Fahrzeug am nächsten Tag mit einem Transporter zu der Frau bringen lassen. „Das hat mich 400 Euro gekostet.“

Die Verhandlung wird am 25. Oktober fortgesetzt. (Heiko Krause)

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