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Tradition im Frankenberger Land: Peitschen knallen für junge Frauen

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Von: Willi Arnold

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Vor dem Training: Das verjüngte Rennertehäuser Platzer-Team mit (von links) Jakob Muth, Jan-Hendrik Koch, Marvin Petter, David Schubert, Hendrik Schmalfuß, Niklas Pilger, Benjamin Geisert und Marius Hesse. Auf dem
Vor dem Training: Das verjüngte Rennertehäuser Platzer-Team mit (von links) Jakob Muth, Jan-Hendrik Koch, Marvin Petter, David Schubert, Hendrik Schmalfuß, Niklas Pilger, Benjamin Geisert und Marius Hesse. Auf dem © fehlt Lukas Schmalfuß. Foto: Willi Arnold

In einigen Dörfern des Frankenberger Landes werden am 27. Dezember nach altem Brauch wieder die Peitschenknaller durchs Dorf ziehen.

Frankenberger Land –Das „Platzen“ war in den vergangenen beiden Jahren noch durch die Corona-Einschränkungen beeinflusst, in manchen Orten fiel es ganz aus. Nun freuen sich die Platzer, die Tradition am dritten Weihnachtstag wieder ausüben zu dürfen. Dabei sind auch einige Neulinge dabei.

In Rennertehausen zum Beispiel hat jetzt Jan-Hendrik Koch die Leitung des Platzer-Teams übernommen, weil sein Vorgänger Yannic Holzapfel als Ü30 ausscheiden musste. Für zwei Platzer, die ebenfalls diese Altersgrenze erreicht hatten, sind mit David Schubert und Hendrik Schmalfuß zwei neue nachgerückt.

Seit Wochen wird nun gemeinsam trainiert, damit es beim Peitschen-Knaller-Ständchen im Vierertakt auch gut funktioniert. „Aber auch, weil es eine schöne und schon immer bei der Dorfjugend beliebte Tradition ist, die wir nicht abreißen lassen wollen“, sagt Jan-Hendrik Koch.

An 85 Stationen wird das Rennertehäuser Team in diesem Jahr platzen, vormittags bei Geschäftsleuten in Allendorf, Battenfeld und Battenberg, die Verbindungen zum Ort Rennertehausen haben, nach einer Mittagspause bei unverheirateten jungen Frauen im Dorf. Als Gegenleistung bekommen die Platzer eine Geldspende, rote Wurst oder Eier für eine am Abend im Sporthaus stattfindende Feier. Dazu wird sich dann die Dorfjugend einfinden.

Ursprung aus der Zeit der Mägde

Der Ursprung dieses Brauches ist das Mägde „ausplatzen“. Es stammt aus der Zeit, in der noch Mägde auf den größeren Bauernhöfen „in Stellung“ waren. Diese Dienstzeit dauerte ein Jahr, wobei der 27. Dezember den Beginn und das Ende darstellte. Dann wurde die Dienstzeit entweder beendet oder wieder neu begründet. Knechte mit knallenden Peitschen begleiteten die jungen Frauen dabei, um böse Geister zu vertreiben und alles Gute zu wünschen. Als Belohnung bekamen die Knechte dafür Eier und rote Wurst, die sie dann abends in gemütlicher Runde verzehrten.

Als es keine Mägde mehr gab, wurde dieser Brauch in vielen Orten auf die unverheirateten Mädchen des Dorfes übertragen. Die Rolle der platzenden Knechte haben die jungen Burschen der Dorfjugend übernommen. Dieser Brauch hat sich bis heute erhalten.

Wie das Peitschenknallen funktioniert, seht ihr hier in unserem Video.

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