Erstes Wiedersehen nach vielen Jahrzehnten 

Allendorferin und Kanadierin sind seit 30 Jahren Brieffreunde

Osterfeld/ Mount Brydges. Rosemarie Gohl und Marion Nagel trennte ein Ozean und trotzdem sind sie seit fast 30 Jahren Freunden. Jetzt haben sie sich wieder getroffen.

„Als wir reinkamen, das war so herzlich, als wäre kaum Zeit vergangen“. So beschreibt Gohl das Zusammentreffen mit ihren kanadischen Freunden Marion und Murray Nagel. Begonnen hat diese Fern-Freundschaft im März 1987. Allerdings weder in Kanada noch in Deutschland, sondern in Kuba.

Dort waren Gohl und ihr damaliger Mann im Urlaub. „Es war eine Glücksreise, im wahrsten Sinne des Wortes“, sagt sie heute. Bei einem Ausflug lernten sie das kanadische Ehepaar kennen. Man verstand sich auf Anhieb und unternahm nach dem Ausflug noch einiges zusammen. Als der Urlaub endete, versprach man sich, in Kontakt zu bleiben. Das klappte dank einer Brieffreundschaft auch.

Nur einmal sei der Kontakt abgerissen: Es kamen keine Briefe mehr aus Kanada. Gohl fand das schade, forschte nach und stellte fest, die Briefe aus Kanada waren an den Absender zurückgegangen. Einer der Postzusteller hatte die Hausnummer sieben wohl für eine eins gehalten. Seit ein paar Jahren gibt es solche Komplikationen nicht mehr: „Wir schreiben uns alle drei bis vier Wochen Emails“, sagt Gohl. In diesem Jahr habe es aber mitunter mehrfach pro Woche elektronische Post gegeben.

Denn Rosemarie Gohl und ihr Mann Siegfried Jakob planten den Besuch bei Nagels in Mount Brydges. Die Kleinstadt liegt in der Provinz Ontario im Südosten Kanadas zwischen Toronto und der US-amerikanischen Stadt Detroit. Neben Mount Brydges und dem nahen London standen auch Toronto, die Niagarafälle, Kingston, Montreal und Quebec City auf dem Reiseprogramm.

Eigentlich war die Reise schon zur Silberhochzeit mit ihrem ersten Mann geplant gewesen. Das klappte nicht. Doch als Gohl 2003 noch einmal heiratete, versprach ihr Mann Siegfried ihr, gemeinsam nach Mount Brydges zu fahren. Tatsächlich hatten sie es bereits 2002 über den großen Teich geschafft. Allerdings waren sie mit einer Gruppe unterwegs, die nach Westen wollte, ins Bundesland British Columbia. Also tausende Kilometer und mehr als vier Flugstunden von Nagels entfernt.

Im Herbst 2016 klappte es dann endlich. Sie sei etwas nervös gewesen, sagt Gohl, schließlich habe man sich ewig nicht gesehen, ihren zweiten Mann kannte die Familie nicht einmal persönlich. „Ich dachte, hoffentlich gehen wir denen nicht auf den Geist“. Aber die Sorgen seien unbegründet gewesen. „Am Ende sind wir sogar eine Woche statt der geplanten drei Tage geblieben“, sagt Gohl. Die ganze Familie habe sie äußerst herzlich aufgenommen. Besonders beeindruckt sei sie von den Enkeln der Familie gewesen. „Sie waren sehr an deutscher Geschichte interessiert und wollten zum Beispiel mehr über den Mauerfall wissen“.

Der nächste Trip sei schon geplant, sagt Gohl. Wenn ihr Mann Siegfried in einigen Jahren in Rente geht, wollen sie zwei Monate Kanada im Wohnmobil bereisen.

Aufruf:

Wir sind auf der Suche nach Menschen, die schon mehrere Jahre eine Brieffreundschaft pflegen. Ob klassisch per Post oder elektronisch verschickt wird, ist dabei egal. Wer Lust hat, seine Geschichte zu erzählen, schreibt bitte an frankenberg@hna.de oder ruft an unter 06451/723318.

Was Marion Nagel über diese Fern-Freundschaft, ihre deutschen Wurzeln und den Besuch denkt, lesen sie in der gedruckten Ausgabe der Frankenberger Allgemeinen.

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