HNA-Serie „Faszination Oldtimer“

Der NSU TT von Ingrid und Konrad Schedler aus Lelbach

Echte Oldtimer-Fans: Ingrid und Konrad Schedler ist ihr NSU TT aus dem Jahr 1969 ans Herz gewachsen. Der Lelbacher hat viele Arbeitsstunden in das Fahrzeug gesteckt, sodass der kleine Flitzer fast wie neu aussieht.
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Echte Oldtimer-Fans: Ingrid und Konrad Schedler ist ihr NSU TT aus dem Jahr 1969 ans Herz gewachsen. Der Lelbacher hat viele Arbeitsstunden in das Fahrzeug gesteckt, sodass der kleine Flitzer fast wie neu aussieht.

Das Thema Mobilität begeistert viele Menschen. Aber dazu zählen nicht nur moderne Fahrzeuge. Eine große Faszination üben zunehmend Oldtimer aus, auch in unserer Region. In der Serie „Faszination Oldtimer“ stellen wir Besitzer mit ihren Fahrzeugen vor.

Lelbach – Konrad Schedler fährt nicht nur seit knapp 50 Jahren Autos der Marke NSU, die deutsche Kultmarke ist für den Lelbacher längst ein wichtiger Teil seines Lebens geworden.

Schon in den 1960ern ist er bei seinem Vater im NSU mitgefahren. 1970, mit gerade mal 18 Jahren, hat er seinen ersten NSU 1000 gekauft. Mehrere Fahrzeuge kamen im Laufe der Jahre dazu, in Spitzenzeiten hatte er fünf auf einmal.

In das Schrauben an den Autos hat er sich Stück für Stück hineingearbeitet. „Die Autos sind einfach aufgebaut“, sagt Schedler. Eine Kupplung ist in 35 Minuten gewechselt. Für einen Motorwechsel braucht er 90 Minuten. Als einmal ein Kumpel auf der Autobahn liegen blieb, hat der Lelbacher einen Motor ins Auto gepackt, ist dorthin gefahren und hat ihn gewechselt. „Das geht schneller als eine Reparatur“.

155 Stundenkilometer schafft der kleine Flitzer mit 4-Gang-Getriebe, der seinerzeit der Alltagssportwagen der Deutschen war.

In Korbach und Umgebung gab und gibt es noch mehrere NSU-Fans, die gute Kontakte pflegen. In Kassel existiert ein Stammtisch seit 37 Jahren. Bisher gab es jedes Jahr internationale Treffen, die Schedlers nicht verpassen. 2004 war das Treffen im heimischen Lelbach.

Aktuell hat Konrad Schedler noch einen NSU, den legendären TT von 1969: 65 PS, 1200 ccm, 155 km/h, Heckantrieb, 4-Gang. Das war vor dem GTI der deutsche Alltagssportwagen schlechthin. Das Auto hat er komplett zerlegt, neu lackieren lassen und neu aufgebaut. Der Oldtimer sieht aus wie frisch aus der Fabrik.

155 Stundenkilometer schafft der kleine Flitzer mit 4-Gang-Getriebe, der seinerzeit der Alltagssportwagen der Deutschen war.

Der 67-Jährige ist seit mehreren Jahren an der Arbeit an dem Auto. Im vergangenen Jahr hat er beim Aufbau etwas geschwächelt. Da kamen kurzerhand ein paar Kumpels für ein Wochenende angereist und haben ihn unterstützt. Das hat neuen Schwung gebracht, und jetzt ist ein Ende in Sicht. Es fehlen noch der Hauptbremszylinder, ansonsten nur noch Kleinigkeiten. Die Sitze sind neu bezogen, der Himmel neu bespannt. Dann geht es zum TÜV, und im kommenden Jahr rollt der orangene Flitzer hoffentlich dann wieder durch die Straßen der Kreisstadt.

Ersatzteile sind für den NSU-Fan Schedler dabei kein Problem. Er hat im Verlauf seines Bastlerlebens ungefähr 20 Autos ausgeschlachtet und zusätzlich diverse Ersatzteillager übernommen, nachdem es die Firma NSU nicht mehr gab. Alles lagert fein säuberlich in Keller, Garage und auf dem Dachboden. Und noch ein Plus von NSU: Die Ersatzteile sind mit fast allen Autos der Serie kompatibel. Mittlerweile liefert Schedler Teile in die ganze Welt.

Verkehrte Welt: In Gegensatz zu den meisten heutigen Fahrzeugen war der Kofferraum beim NSU TT vorne untergebracht. Unter der Klappe hinten steckt der 69 PS starke Motor des Wagens.

In den Urlaub fahren die Schedlers schon länger nicht mehr mit dem NSU. Als die Kinder noch klein waren, passte die ganze Familie in das Fahrzeug. Der Kofferraum (337 Liter, vorne im Auto) war deutlich größer als der vom Käfer, und damit war das Auto voll familientauglich. Die nötigsten Ersatzteile waren immer dabei. „Eine Werkstatt aufzusuchen, macht schon seit Jahrzehnten keinen Sinn mehr“, erklärt der Oldtimer-Fan.

Schedler selbst kann sich eine Fahrt auf längeren Strecken immer noch gut vorstellen. Seine Frau Ingrid, die selbst einen NSU mit in die Ehe brachte und auch ausgemachter Fan ist, sieht es mittlerweile etwas anders: „Bequem ist es nicht wirklich.“

Der Weg vom Strickmaschinenhersteller zu den NSU-Motorenwerken

Das Unternehmen NSU wurde 1873 gegründet und stellte ursprünglich Strickmaschinen her. Die Fahrradherstellung begann 1886. Ab 1901 wurden auch Motorräder produziert. NSU war vor dem Ersten Weltkrieg die exportstärkste deutsche Motorradfabrik.

Mitte der 1950er-Jahre war NSU der größte Zweiradhersteller der Welt und exportierte seine Ware in 90 Länder. Die Motorräder waren auf vielen Rennstrecken zu Hause, und Fahrer holten mit den Maschinen in den 1950er- und 1960er-Jahren zahlreiche Titel und stellten Weltrekorde ein. Die Motorradproduktion endete 1963, die Herstellung von Fahrrädern Mitte der 1960er-Jahre.

Im Jahr 1953 entwickelten die NSU Werke AG ihren ersten Nachkriegswagen, den NSU „Prinz“. Mit den sportlichen Kleinwagen wendete sich der einstige Motorradhersteller vor allem an jüngere Kundschaft. Die Autos galten als sportlich, schnell und bezahlbar. Der NSU TT wurde zum Kultauto.

Mehr als zehn Jahre vor dem VW Golf GTI war dieser Kleinwagen mit Heckmotor der erste echte „Volkssportler“ auf deutschen Straßen. Der NSU-TT-Motor diente auch zur Motorisierung des damals stärksten Serienmotorrades der Welt, der Münch TTS (Mammut).

Berühmt wurden auch der NSU Wankel-Spider (1964), das erste Kraftfahrzeug mit Wankelmotor, und der NSU Ro 80 (1967), eine Limousine der gehobenen Mittelklasse mit Wankelmotor. Die Autoproduktion des Prinz wurde 1973 beendet. Der Ro 80 lief 1977 aus. 1969 fusionierten die damalige NSU AG und die zum Volkswagen-Konzern gehörende Auto Union GmbH mit Sitz in Ingolstadt zur Audi NSU Auto Union AG mit Sitz in Neckarsulm. Das zur damaligen Zeit gerade entwickelte Modell K 70 wurde von Volkswagen übernommen und als VW K 70 bis 1975 gebaut. Im Jahr 1985 erfolgte die Umbenennung in Audi AG, der Name NSU verschwand aus dem Unternehmen. os/nh

Quelle: Wikipedia

Von Hans Peter Osterhold

Verkehrte Welt: In Gegensatz zu den meisten heutigen Fahrzeugen war der Kofferraum beim NSU TT vorne untergebracht. Unter der Klappe hinten steckt der 69 PS starke Motor des Wagens.

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