„Weiterhin Gesicht zeigen“

Anschlag in Halle: Auch in Waldeck-Frankenberg erhöhte Polizeipräsenz

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Synagoge in Marburg: Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde sind über die Tat in Halle geschockt.

Nach dem Anschlag in Halle sind die Sicherheitsbehörden auch in Hessen in erhöhter Alarmbereitschaft. In Waldeck-Frankenberg, Vöhl und in Volkmarsen wurde die Polizeipräsenz verstärkt.

Die Polizeipräsenz an jüdischen Einrichtungen wurde landesweit verstärkt, in Waldeck-Frankenberg unter anderem an der Synagoge in Vöhl und am Mikwe-Haus in Volkmarsen.

Aber auch bei Moscheen und Vereinsräumen der türkisch-islamischen Gemeinden im Landkreis war die Polizei gestern vor Ort. Eine konkrete Bedrohungslage gebe es aber nicht, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg. 

Das Mikwe-Haus im Volkmarser Steinweg war erst im vergangenen Jahr von den Mitgliedern des Vereins „Rückblende - Gegen das Vergessen“ zu einer Begegnungsstätte mit Museum umgebaut worden.

Die Synagoge in Vöhl wurde ab 2002 durch einen Förderkreis renoviert und wird seit 2004 als Kultur- und Begegnungsstätte genutzt. „Bedroht gefühlt haben wir uns nie“, sagt Karl-Heinz Stadtler, Vorsitzender des Förderkreises der Synagoge Vöhl. Eine jüdische Gemeinde gibt es in Vöhl zwar nicht mehr. 

Grabsteine auf jüdischem wurden umgeworfen

Doch der Förderkreis kümmert sich seit Jahrzehnten um die ehemalige Synagoge, lädt regelmäßig zu Lesungen, Konzerten und Führungen dorthin ein. In den 50er-Jahren seien mal Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof umgeworfen worden, seitdem habe es nie wieder Vorfälle gegeben.

Gebe es mal Kommentare zur Synagoge, „setze ich mich mit den Menschen auseinander“, sagt Stadtler. Das Attentat in Halle habe ihn geschockt. „So etwas darf hier nicht passieren.“

„Es ist eine Tat, die rechtsextremem, antisemitischem Gedankengut entspringt, etwas, das sich heute leider immer weiter verbreitet und immer salonfähiger wird“, sagt Monika Bunk, erste stellvertretende Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Marburg.

Sie habe von dem Anschlag in Halle am Mittwochnachmittag erfahren, als die Polizei das Gespräch mit ihr suchte. Denn auch in Marburg sei der Schutz durch die Polizei verstärkt worden – auch wenn keine Bedrohungslage vorgelegen habe.

Das Ziel der Attentäter ist Angst zu verbreiten

Die Gemeindemitglieder seien von der Tat geschockt gewesen. Doch einschüchtern lassen wollen sie sich nicht: „Angst zu verbreiten, ist das Ziel solcher Attentäter. Und wenn sie damit Erfolg haben, haben sie ihr Ziel erreicht. 

Wir werden weiterhin Gesicht zeigen und den Mund aufmachen. Und wir freuen uns über alle, die dabei an unserer Seite stehen.“ Die jüdische Gemeinde, der 315 Mitglieder angehören, erhalte immer wieder antisemitische E-Mails, auch verbale Angriffe von rechter Seite würden vorkommen.

Angriffe auf die Synagoge habe es noch nie gegeben. Allerdings sei der Garten des Gedenkens in letzter Zeit Ziel antisemitischer Parolen geworden – dort stand früher die alte Marburger Synagoge.

Jüdische Einrichtungen müssen geschützt werden

Den Schutz durch Polizei, Staatsschutz sowie die eigenen Sicherheitsvorkehrungen hält Monika Bunk in Marburg derzeit für ausreichend . „Jüdische Einrichtungen müssen leider geschützt werden, wie dies auch bei Veranstaltungen in der Marburger Gemeinde geschieht. 

Die Hoffnung, dass dies irgendwann in Deutschland nicht mehr nötig sein sollte, schwindet mit zunehmendem Rechtsextremismus und anderer Gewalt gegen jüdische Menschen und Einrichtungen.“

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