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Stabiler Arbeitsmarkt: Agenturchef Uwe Kemper zieht positive Bilanz für 2022

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Ein Metallbau-Azubi bei Pistorius. Starke Unternehmen: Trotz aller weltweiten Krisen suchen die heimischen Betriebe weiter qualifizierte Mitarbeiter, wie Agenturchef Uwe Kemper berichtet. Hier ein Metallbauer bei der Firma Pistorius in Vasbeck.
Starke Unternehmen: Trotz aller weltweiten Krisen suchen die heimischen Betriebe weiter qualifizierte Mitarbeiter, wie Agenturchef Uwe Kemper berichtet. Hier ein Metallbauer bei der Firma Pistorius in Vasbeck. © MARTIN GOERLITZ

Der heimische Arbeitsmarkt habe auch im krisenreichen Jahr 2022 seine Widerstandskraft bewiesen. Zu dieser Einschätzung kommt der Leiter der Korbacher Agentur für Arbeit, Uwe Kemper, in seiner Jahresbilanz. Davon profitierten auch Leute auf Jobsuche: Ihre Zahl ist gesunken.

Waldeck-Frankenberg – In Waldeck-Frankenberg waren durchschnittlich 3174 Menschen auf Arbeitssuche, das sind 51 oder 1,6 Prozent weniger als im Schnitt 2021. Die Arbeitslosenquote sank von 3,7 auf 3,6 Prozent.

Weniger Arbeitslose auch im Bezirk

Zum Bezirk der Agentur gehören die Kreise Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder. Auch da habe sich der Arbeitsmarkt trotz globaler Krisen stabil präsentiert, berichtete Kemper: Im Durchschnitt seien 6867 Arbeitslose gemeldet gewesen, 17 oder 0,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Quote für das gesamte Jahr liegt wie 2021 bei 3,7 Prozent.

Mehr Leute in der Grundsicherung

Während die Zahl der Arbeitslosen nahezu unverändert sei, gebe es deutliche Unterschiede bei den „Rechtskreisen“: Bei Empfängern von Arbeitslosengeld I sei ein deutlicher Rückgang um 459 Betroffene oder 14,1 Prozent festzustellen, bei den Beziehern von Grundsicherung habe es einen Anstieg um 442 oder 12,2 Prozent gegeben.

Dabei zeigen sich die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine: Die Jobcenter betreuen seit Juni die Kriegsflüchtlinge und zahlen ihnen die Grundsicherung. Der Trend spiegelt sich auch im Kreis: Arbeitslosengeld I bezogen im Schnitt 1269 Jobsuchende, gegenüber 2021 ein Rückgang um 238 Männer und Frauen. Bei der Grundsicherung gab es jedoch einen Anstieg um 168 Bezieher auf 1906.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und die Sorgen wegen des Krieges in der Ukraine, um die Energieversorgung, das Klima und die globalen Warenströme hätten für große Unsicherheit gesorgt. Trotzdem sei die Zahl der Jobsuchenden bei der Arbeitslosenversicherung deutlich zurückgegangen.

Fachleute weiter gesucht

Gleichzeitig suchten Unternehmen nach wie vor Mitarbeiter, ob im verarbeitenden Gewerbe, in der Pflege, in der Gastronomie oder in der Zeitarbeit. Die Agentur versuche, unter anderem mit Qualifizierung gegenzusteuern und ermuntere alle, „sich fit für einen Arbeitsmarkt im Wandel zu machen.“

Mehr sozialversicherungspflichtig Beschäftigte

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sei 2022 erneut gestiegen: Zum Stichtag 30. Juni waren im Agenturbezirk 124 500 Beschäftige registriert, im Vergleich zum Juni 2021 ein Plus von 2300 Arbeitnehmern oder 1,9 Prozent.

„Der Arbeitsmarkt funktioniert“, sagt Kemper. Weiterhin sei eine „unglaubliche Dynamik“ auszumachen, was sich allein an zwei Zahlen zeige: Im vorigen Jahr erfasste die Agentur im Korbacher Bezirk in der Jahressumme 23 615 Betroffene, die arbeitslos wurden. Dem stehen 22 278 Leute gegenüber, die wieder vermittelt wurden.

Innerhalb von 13 Monaten werde fast der komplette Bestand an Arbeitslosen „umgeschlagen“, erklärte Kemper: Wer arbeitslos geworden war, hat binnen eines Jahres meist eine neue Stelle gefunden.

Die einzelnen Gruppen

Bei den einzelnen Gruppen gab es im Bezirk unterschiedliche Entwicklungen:

Bei den Zahlen machten sich die Ukraine-Flüchtlinge bemerkbar: Vor allem Frauen mit ihren Kindern kommen nach Deutschland, Männer dürfen selten ausreisen. Die Flüchtlinge und die Aylbewerber aus anderen Ländern hätten „den Arbeitsmarkt belebt“, urteilt Kemper.

Froh ist er über den Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit: 1726 Betroffene gab es im Schnitt 2022, im Jahr davor waren es 2004 Betroffene, die länger als zwölf Monate ohne Job blieben. Das sei eine erfreuliche Entwicklung, die von den Chancen auf dem gegen Krisen widerstandsfähigen Arbeitsmarkt zeugten. 

Weniger offene Stellen

Doch es war ein Jahr mit einer „Berg- und Talfahrt“: Zu Beginn habe es noch Hoffnungen auf ein Ende der Corona-Pandemie gegeben, erinnerte Kemper. Dann kam der Ukraine-Krieg. Energie- und Materialpreise stiegen, Lieferketten waren weiter zerbrechlich. Unternehmer seien angesichts der Herausforderungen vorsichtiger bei Neueinstellungen, „sie fahren eher auf Sicht“.

So sank der durchschnittliche Bestand an offenen Stellen – im Kreis von 1826 im Jahr 2021 auf 1716 im vorigen Jahr, ein Minus von 6 Prozent. Auch der Zugang an neuen offenen Stellen sei „ein bisschen zurückgegangen“ – dennoch macht Kemper weiter eine Dynamik aus. 2022 sei für den heimischen Arbeitsmarkt ein „positives Jahr“ gewesen, bilanziert er. „2022 steht für uns auf der Haben-Seite“.

Ausblick auf dieses Jahr

Was bringt das neue Jahr? „Wir werden einen weitgehend stabilen Arbeitsmarkt erleben“, schätzt Agenturchef Uwe Kemper. Es werde keinen großen Anstieg der Arbeitslosigkeit geben, er rechne nicht mit großen Ausschlägen nach oben oder unten – „sofern nicht etwas völlig Unvorhersehbares um die Ecke kommt“.

Eine Vorhersage für dieses Jahr sei allerdings noch schwieriger als für die beiden vorigen Corona-Jahre, sagte Kemper. Die Unsicherheiten der Pandemie hätten sich zwar gelegt, aber dafür gebe es für die Weltwirtschaft neue große Herausforderungen. Auch der Umwandlungsprozess laufe weiter – Stichpunkte Ausstieg aus den fossilen Energieträgern, die Deglobalisierung der Märkte oder der Ukraine-Krieg.

Qualifizierung wird immer wichtiger

Das hat Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. So gebe es eine etwas „nachlassende Dynamik“, was sich auch darin zeige, dass weniger offene Stellen gemeldet würden. Der Umbau der Belegschaften setze sich fort, damit änderten sich die Anforderungen an die Mitarbeiter: Es werde mehr Qualifizierung geben, da könne das neue Bürgergeld mit seinen Angeboten „ein Schritt nach vorn“ sein. Arbeitslose könnten anders begleitet werden, es gebe neue finanzielle Anreize für eine Weiterbildung. „Das wird notwendiger denn je sein“, betonte Kemper. „Lebenslanges Lernen ist zwingend erforderlich.“

In den Betrieben gebe es eine hohe Beschäftigungsquote von Älteren, die Zug um Zug in Rente gehen. Es gelte, diese Bevölkerungsentwicklung „abzufangen“ – auch bei einem Abbau von Stellen werde es weiter einen hohen Bedarf an Personal geben. „Wir werden weiter um jeden Auszubildenden ringen müssen.“

Außerdem müssten mehr Ausländer angeworben werden. Dennoch sei nicht mit „großen Sprüngen“ auf dem Arbeitsmarkt zu rechnen.

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