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Armut in Hessen steigt: Quote war noch nie höher

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Von: Julia Janzen

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Die Hand eines Mannes mit etwas Kleingeld, eine leere Geldbörse
Der aktuelle Armutsbericht zeigt, dass immer häufiger auch Arbeitnehmer zu wenig Geld haben und in Armut rutschen. © Julia Janzen

Die Armut in Hessen ist im vergangenen Jahr gestiegen. Das geht aus dem aktuellen Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands hervor. Die sogenannte Armutsquote liegt in Hessen bei 18,3 Prozent, im Jahr zuvor waren es noch 17,3. Damit sei jetzt ein Höchststand erreicht.

Waldeck-Frankenberg - Im Vergleich zum Armutsbericht 2020 seien die Quoten in fünf Bundesländern „überdurchschnittlich stark“ gestiegen, schreibt der Verband. Dazu gehört auch Hessen. Demnach lag das Bundesland im Ranking vor zwei Jahren noch auf Platz sieben, nun auf Platz elf. Noch 2015 habe Hessen auf Platz drei gelegen.

Ín Nordhessen ist die Quote sogar noch schlechter als im Hessenschnitt: Hier liegt sie bei 18,6 Prozent. Noch höher ist der Wert nur in Mittelhessen (20,1). Am niedrigsten im Bundesland ist die Armutsquote mit 17,7 Prozent in Rhein-Main.

„Armut hat ein neues Gesicht“

In den ländlicheren Regionen Hessens seien die Herausforderungen zur Bekämpfung der Armut andere, sagt Rosa-Maria Hamacher, Regionalgeschäftsführerin Nordhessen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Beispielsweise müsse in Flächenlandkreisen der Öffentliche Personennahverkehr stärker ausgebaut werden, sagt sie. In kleineren Orten würden oft nur die Schulbusse fahren. „Auf dem Land wird das Auto eher gebraucht, da kann man sich nicht einfach in die Straßenbahn setzen.“ Hamacher sieht die Landesregierung in der Pflicht, den ÖPNV zu verbessern.

Insgesamt habe „Armut ein neues Gesicht“, so die Regionalgeschäftsführerin. Denn: Der Großteil derer, die als arm gelten, gehe zur Arbeit, sei nicht erwerbslos. In Nordhessen seien viele aus dem Eventbereich betroffen, ebenso Soloselbstständige. „Das hätte man vor der Pandemie nicht gedacht“, sagt Hamacher. Essen gehen, Urlaube: Für viele Familien sei das schwieriger zu stemmen, „die Schere geht weiter auseinander“. Aufgrund stark steigender Kosten für Lebensmittel und Energie habe sie „große Bedenken, wenn ich an den nächsten Winter denke“.

In Deutschland liegt die Armutsquote bei 16,6 Prozent, auch dies sei eine „traurige Rekordmarke“. 13,8 Millionen Menschen werden zu den Einkommensarmen gezählt.

Daten aus dem Mikrozensus

Der Paritätische greift für den Armutsbericht auf Daten des Mikrozensus zurück. Für Waldeck-Frankenberg gibt es keine gesonderte Darstellung, dafür reiche die Datenlage nicht. Mit der Definition von Armut stützt sich der Verband auf Angaben der EU. Damit gilt eine Person als einkommensarm, die mit ihrem Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt. Sie sei von der Lebensweise ausgeschlossen, die in dem Land, in dem sie lebt, als Minimum gilt. 

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