Wolle und Wollfett machen die Schafe widerstandsfähig im Winter

Auch der Schäfer hat ein dickes Fell

Ein Schäfer steht bei Schneeregen mit seinem Hütehund vor seiner Herde.
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Wanderschäfer Jan Pieper aus Laubach hütet mit seinem Auszubildenden und drei Hütehunden 550 Schafe. Die Herde ist täglich in Bewegung. Aktuell grasen die Schafe zwischen Freienhagen und Netze.

Bei Wind und Wetter ist Jan Pieper mit seinen Schafen in Nordwaldeck unterwegs. 550 Mutterschafe der Rasse Deutsches schwarzköpfiges Fleischschaf und Merino gehören zu seiner Herde, dazu eine stattliche Zahl Lämmer.

Diemelstadt-Laubach - Wanderer wundern sich manchmal, warum der Schäfer auch Schnee und Regen mit seinen Tieren auf den Wiesen ausharrt ohne einen Stall aufzusuchen. „Die Schafe sind robust“, erklärt Pieper: Nicht umsonst haben die Tiere ein dichtes Fell, das mit dem Wollfett Lanolin quasi wasserdicht wird.

„Die Wolle hält warm und trocken“, versichert der Schäfer und verweist auf seine grüne Pellerine, den für Schäfer typischen Umhang aus Schafswolle, und auf seinen Filzhut.

Im November aufgebrochen

Bei trockener Kälte können die Schafe ohne Probleme bis minus 20 Grad draußen ohne Schaden ertragen. Bei feuchter Kälte sucht der Schäfer abends Schutz am Waldrand, wo er seine Tiere für die Nacht einpfercht. Hier können sie wiederkäuen und ruhen. Am nächsten Morgen geht es dann weiter auf die nächste Wiese, die Pieper zusammen nach Absprache mit den Landwirten der Region beweidet.

Der 37-jährige Pieper ist wahrscheinlich der letzte Wanderschäfer in Waldeck-Frankenberg. Zusammen mit seiner Frau, drei Hütehunden und neuerdings einem Auszubildenden wacht Schäfer über seine Herde, die im November in Laubach in Richtung Schmillinghausen aufgebrochen ist. Weiter ging es über Külte, das Strandbad am Twistesee bis hin nach Braunsen. Inzwischen ist die Herde zwischen Freienhagen und Netze unterwegs.

Schafe halten Wildkräuter auf dem Acker klein

Hier wird bald kehrtgemacht, damit die Schafe im März im Raum Rhoden Magerrasenflächen im Vertragsnaturschutz abweiden können. Dabei entziehen die Schafe beim Grasen der Wiese Nährstoffe, die sie nach dem Wiederkäuen beim abendlichen Koten auf anderen Flächen zurücklassen.

Sie trotzen jedem Wetter: Die Schafe der Rassen Deutsches schwarzköpfiges Fleischschaf und Merino suchen sich die nahrhaftesten Kräuter aus und bereiten so den Boden auf natürliche Weise für die nächste Saat vor.

Aktuell grasen Jan Piepers Schafe auf Ackerflächen, die mit Kleegras eingesät sind. Dabei halten Wildkräuter klein und helfen den Landwirten dabei, unter Verzicht auf Round-Up oder andere Pflanzengifte den Boden für die nächste Einsaat vorzubereiten.

Beitrag zu praxisnaher Forschung

„Das alles ist durch und durch biologisch und nachhaltig“, sagt Pieper, der großen Wert darauf legt, dass seine Schafe nur mit natürlichem Futter und ganz ohne Kraftfutter aufwachsen. Diese natürliche Haltung garantiert dem Schäfer bei der Schlachtung eine ausgezeichnete Fleischqualität, wie sie in Biometzgereien gefordert wird. Pieper schlachtet übrigens seine Lämmer im eigenen zertifizierten Schlachtbetrieb auf seinem Hof in Laubach selber. Auch das ist Teil seines ganzheitlichen und nachhaltigen Betriebskonzeptes.

Die Schäferei von Jan Pieper ist eine von nur sechs Betrieben in ganz Deutschland, die vom Bundeslandwirtschaftsministerium als Modell- und Demobetrieb für Tierschutz zertifiziert sind. Sie sollen in praxisnaher Forschung herausfinden, was bei der naturnahen Haltung von Schafen möglich ist.

So wurde auch der neue Stall, den Pieper zum Ablammen in Laubach errichten ließ, nach tierschutzrelevanten Kriterien errichtet. Vor allem ermöglicht es der neue Stall dem Schäfer, Altersgruppen von unterschiedlich alten Lämmern zu bilden, die dann nacheinander in die Herde eingegliedert werden können.

Den Schäfer ruhig ansprechen: „Wir haben nichts zu verheimlichen.“

Pieper ist mit ganzer Seele Schäfer. Gerne erzählt er von seinem Beruf und seinem Konzept. Er freut sich, wenn Wanderer ihn ansprechen und sich von ihm die uralten Geheimnisse der Schäferei erklären lassen: „Wir haben nichts zu verheimlichen.“

Einer der wenigen, die das alte Handwerk von Grund auf erlernen möchten, ist der 17-jährige Franz Mause, der bei Schäfermeister Pieper gerade eine dreijährige Ausbildung zum Schäfer absolviert. Mause stammt aus einer Schäferfamilie und weiß, worauf er sich eingelassen hat, denn die Schäferei erfordert ganzen Einsatz. Den theoretischen Teil seiner Ausbildung absolviert der junge Mann in Halle an der Saale, wo es noch eine von aktuell zwei Berufsschulen für Schäfer in Deutschland gibt. (Elmar Schulten)

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