Auch im Herbst kein Literarischer Frühling

Wegen hoher Coronazahlen: Veranstalter sagen Literatur-Festival in Waldeck-Frankenberg ab

Solche Szenen sind in Coronazeiten nicht denkbar:: Beim Literarischen Frühling 2016 begrüßte Christiane Kohle (Mitte) die Literaturkritiker Denis Scheck und Thea Dorn auf der Bühne. Die Zuschauer in der Frankenberger Rathaus-Schirn saßen dicht an dicht.
+
Solche Szenen sind in Coronazeiten nicht denkbar:: Beim Literarischen Frühling 2016 begrüßte Christiane Kohle (Mitte) die Literaturkritiker Denis Scheck und Thea Dorn auf der Bühne. Die Zuschauer in der Frankenberger Rathaus-Schirn saßen dicht an dicht.

Das Literatur-Festival „Literarische Frühling“, das wegen Corona schon auf den Herbst verschoben worden war, findet nun doch nicht statt. „Angesichts steigender Infektionszahlen möchten wir kein Risiko eingehen“, erklärte Festivalleiterin Christiane Kohl am Sonntag.

Waldeck-Frankenberg – Sie haben lange dafür gekämpft, das Literafestival doch noch stattfinden zu lassen. Sie hatten den „Literarischen Frühling“, der im April aufgrund von Corona abgesagt werden musste, in den November verlegt. Fast alle Autoren wollten trotz der Verschiebung kommen. Doch nun kapitulieren die drei Hotels – Die Sonne Frankenberg Ellershausen und Schloss Waldeck – die das Literaturfestival seit neun Jahren organisieren.

„Angesichts steigender Infektionszahlen möchten wir kein Risiko eingehen“, erklärte Festivalleiterin, Autorin und Hoteldirektorin Christiane Kohl, „auch wenn uns der Erhalt der kulturellen Vielfalt gerade in diesen schweren Zeiten sehr am Herzen liegt“.

Die geplanten Lesungen und Gespräche sollen jedoch nicht gänzlich abgesagt werden, berichtet Kohl: „Stattdessen haben wir uns nach intensivem Austausch mit Autoren und Akteuren dazu entschlossen, einige der Veranstaltungen beim nächsten Literarischen Frühling im April 2021 nachzuholen und andere möglicherweise auch schon zuvor einzeln zu organisieren, sobald es die Verhältnisse erlauben“.

Vom 6. bis 15. November sollte das Literatur-Festival, das ursprünglich für das vergangene Frühjahr geplant war, über die Bühne gehen. Alles sei vorbereitet gewesen, berichten die Organisatoren: Große Säle, Hygienekonzepte, Sitzplatzpläne. Die neuen Flyer waren gedruckt, die Fahrkarten der Autoren teilweise schon gekauft. „Wir danken allen, die uns bei den Planungen und Umplanungen geholfen haben“, so die Festivalleiterin. Der Literarische Frühling stehe „für kulturellen Austausch, Nähe und Begegnung – das ist in diesen Zeiten nicht machbar“.

Für Schriftsteller und Schauspieler stellt die augenblickliche Phase der Pandemie „eine besonders bleierne Zeit dar, denn es fehlt ihnen das Publikum und die Honorare bleiben aus“, erklärt Kohl. Um so wichtiger sei es jetzt für Künstler und Zuschauer gleichermaßen, „dass wir das kulturelle Leben nicht gänzlich sterben lassen“.

Neuer Termin: 16. bis 25 . April 2021

Der Literarische Frühling 2021 soll vom 16. bis 25. April 2021 stattfinden, es wird das zehnjährige Bestehen des Festivals sein, das sich in kürzester Zeit zu einem kulturellen Großereignis in Nordhessen entwickelt hat. Fest eingeplant sind bereits die Auftritte von Altbundespräsident Joachim Gauck (am 22. April) der Schauspielerin Andrea Sawatzki (am 24. April). Der Schriftsteller Asfa-Wossen Asserate hat sein Kommen für den 20. April zugesagt.

Überdies gibt es weitere Programmpunkte, die schon vorher für 2021 geplant waren. Daher habe man sich entschlossen, neben dem für 2021 vorgesehenen Festival auch einige einzelne Veranstaltungen zu organisieren. Denn ob Rüdiger Safranski oder Denis Scheck, Mariana Leky oder Ingo Schulze, Friedrich Christian Delius, Katerina Poladjan, Michael Quast oder Hubertus Meyer-Burckhardt - „nahezu alle Autoren haben zugesagt, 2021 zu uns zu kommen, auch die Lesedinner werden nachgeholt“, so Kohl. Die genauen Termine würden noch festgelegt. „Wir können darüber erst entscheiden, wenn Klarheit über die weitere Entwicklung der Pandemie herrscht“.   ma

Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit

Bezüglich der bislang verkauften Tickets empfehlen die Veranstalter des LiteraturFestivals den Ticketinhabern, noch etwas abzuwarten, bis die neuen Termine festständen – „für später nachgeholte Veranstaltungen behalten die Tickets weiter ihre Gültigkeit“, erklären sie.

Selbstverständlich aber könnten die Tickets auch zurückgegeben werden. Wichtig sei, dass hierbei derselbe Weg benutzt werde wie beim Kartenkauf: Gegen eine „kleine Systemgebühr von 1,20 Euro“ könnten die Tickets an der jeweiligen Verkaufsstelle oder über das betreffende Internet-Portal der Ticket-Dienstleister zurückgegeben werden. Rückfragen könnten an die E-Mail-Adresse kontakt@literarischer-fruehling.de gerichtet werden.

„Wer uns helfen will, die entstandenen Verluste abzufangen, kann auch zu Gunsten des Literarischen Frühlings auf eine Rückabwicklung verzichten und damit dem Festival eine Kartenspende zukommen lassen“, erklären die Organisatoren. Möglich sei auch, eine direkte Spende auf das Festivalkonto, Frankenberger Bank, zu überweisen: IBAN DE 0752 0695 1900 0738 8810.

„Dies sind wertvolle Beiträge, um die Zukunft des Festivals zu sichern“, so Kohl, „nach Möglichkeit möchten wir auch die Künstler unterstützen“. Im Falle einer Kartenspende wird ebenfalls um eine Mitteilung unter der E-Mail-Adresse kontakt@literarischer-fruehling.de gebeten. „Wir möchten eine Liste der Spender anlegen und hoffen, dass wir uns im nächsten oder übernächsten Jahr mit einer besonderen Geste für diese Unterstützung revanchieren können“, erklärte Kohl.

Mehr als 20 Unternehmen und Institutionen der Region unterstützten das Festival seit Jahren und machen es damit überhaupt erst möglich. Von Martina Biedenbach

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.