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Spendenbereitschaft auch in Waldeck-Frankenberg zumeist gut

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Von: Klaus Jungheim

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Spendenübergabe an das Frankenberger Tierheim: (von links) Andreas Schmaler und Andrea Schwab vom Frankenberger Unternehmen CIC-Consulting und Tierheim-Mitarbeiter Ingo Pfingst. „Die 1100 Euro sollen vor allem für die Hunde verwendet werden, das ist für mich eine Herzensangelegenheit“, sagte der CIC-Chef. Schmaler ist selbst Besitzer mehrerer Hunde. Die Spende solle in Hundefutter und in einen neuen Hundetrakt investiert werden, berichtete Tierheim-Mitarbeiter Ingo Pfingst.
Spendenübergabe an das Frankenberger Tierheim: (von links) Andreas Schmaler und Andrea Schwab vom Frankenberger Unternehmen CIC-Consulting und Tierheim-Mitarbeiter Ingo Pfingst. „Die 1100 Euro sollen vor allem für die Hunde verwendet werden, das ist für mich eine Herzensangelegenheit“, sagte der CIC-Chef. Schmaler ist selbst Besitzer mehrerer Hunde. Die Spende solle in Hundefutter und in einen neuen Hundetrakt investiert werden, berichtete Tierheim-Mitarbeiter Ingo Pfingst. © mjx

Spenden für gemeinnützige Institutionen fließen auch in Waldeck-Frankenberg weiter reichlich. Trotz Krisen, trotz Krieg.

Waldeck-Frankenberg – Beispielsweise in diesen Tagen für das Frankenberger Tierheim: Geschäftsführer Andreas Schmaler und Andrea Schwab von der Geschäftsleitung des Frankenberger Unternehmens CIC-Consulting überbrachten dem Tierheim eine Spende in Höhe von 1100 Euro.

600 Euro waren bei einer Unternehmertagung anlässlich des 30-jährigen CIC-Bestehens im Oktober in der Walkemühle zusammengekommen, den Betrag erhöhte Schmaler um weitere 500 Euro.

Trotz Inflation und einer Vielzahl von Krisen ist die Spendenbereitschaft der Menschen in Deutschland offenbar ungebrochen. Laut Deutschem Spendenrat wurde das mit Abstand beste Ergebnis aus dem Vorjahr in diesem Jahr erneut erreicht (siehe Hintergrund unten).

Der Krieg in der Ukraine und die durch ihn erzwungene Massenflucht, vor allem von Frauen und Kindern, hätten die Hilfsbereitschaft enorm beflügelt, heißt es. Das Spendenaufkommen für Flüchtlinge sei 2022 auf mehr als das Dreifache der Vorjahre gewachsen.

Viele soziale Einrichtungen in Waldeck-Frankenberg können sich entgegen ursprünglicher Befürchtungen auch über eine weiterhin hohe Spendenbereitschaft der Bürger für ihre Arbeit freuen.

Die Spendenbereitschaft in Form von Lebensmitteln und Geld ist bei der Tafel Frankenberg zum Beispiel gegenüber dem Vorjahr nicht schlechter. „,Wir erhalten genügend Lebensmittel- und Geldspenden“, berichtet der 2. Vorsitzende Friedhelm Vaupel. „Grund dafür ist sicherlich auch die jüngste starke öffentliche Präsenz in den Medien. Dies hat uns geholfen und die enorme Belastung der Tafeln im Jahr 2022 gegenüber den Vorjahren aufgezeigt.“

Ähnlich äußerte sich Oliver Breysach, Vorsitzender der Korbacher Tafel: „Die Spenden waren mengenmäßig entgegen unserer Befürchtung etwa wie im Vorjahr. Grundsätzlich waren wir davon ausgegangen, dass weniger Spenden kommen würden, da jeder durch Inflation und die deutlich gestiegenen Energiekosten belastet wurde. Vom Betrag her war die Spendensumme sogar etwas mehr, was aber insbesondere auf eine Großspende zurückzuführen ist.“

Mit einem Spendenrückgang rechnet die Organisation terre des hommes Deutschland nach derzeitigem Stand nicht. Der endgültige Jahresabschluss steht bei dem Kinderhilfswerk allerdings noch aus. Susanne Wihl von der Arbeitsgruppe Frankenberg betonte: „Wir rechnen mit einem Ergebnis vergleichbar den Jahren vor der Coronakrise. Von einem grundsätzlichen Rückgang der Spendenbereitschaft verspüren wir bisher nichts.“

Wie die Anfrage unserer Zeitung bei gemeinnützigen Institutionen ergab, können sich die meisten über eine weiterhin großherzige Spendenbereitschaft der Bürger freuen. Die eine oder andere Hilfsorganisation gab allerdings keine Antworten. Auskunftsfreudiger waren diese:

terre des hommes

Die terre-des-hommes-Arbeitsgruppe Frankenberg betreut 14 sogenannte Spenden/Wechselgeldbretter in Frankenberg und Umgebung. „Die Bretter stehen überwiegend in örtlichen Bäckereien und ergaben im Jahr 2021 Spendeneinnahmen in Höhe von rund 4100 Euro. Dieses im Vergleich zu vorausgehenden Jahren um rund 1000 Euro höhere Ergebnis führen wir auf die Coronakrise zurück“, berichtete Sprecherin Susanne Wihl.

Viele Menschen seien häufiger einkaufen gewesen und hätten öfter ihr Kleingeld gespendet, berichtet sie. Das Hauptspendeneinkommen stamme aus der Altersklasse „60 plus“.

terre des hommes Deutschland rechne für 2022 mit einem Spendenergebnis in ähnlicher Höhe wie 2021. „Möglicherweise wird das Ergebnis aus 2021 auch übertroffen.“ Der endgültige Jahresabschluss steht bei dem Kinderhilfswerk noch aus.

Für Frankenberg allerdings sei es schon absehbar, dass „wir an unser 2021er-Ergebnis im Jahr 2022 nicht heranreichen werden“. Susanne Wihl: „Ich rechne aber mit einer Spendenbereitschaft wie vor Corona. Von einem grundsätzlichen Rückgang der Spendenbereitschaft verspüren wir bisher nichts.“

Übrigens: Aus der terre-des- hommes-Arbeitsgruppe Frankenberg ist inzwischen eine weitere aktive Arbeitsgruppe in Marburg hervorgegangen. Die kooperierenden Arbeitsgruppen erzielen durch verschiedene Aktivitäten und Verkäufe jährlich 12 000 Euro für Kinderhilfsprojekte.

Die Tafeln in Frankenberg und Korbach

Ähnlich bewerten die beiden Tafeln in Frankenberg und Korbach auf Anfrage unserer Zeitung die Spendenbereitschaft der Bürger. Dazu kam kürzlich, wie berichtet, eine Unterstützung durch das Land Hessen. Die Frankenberger Tafel mit ihren drei Ausgabestellen in Frankenberg, Gemünden und Hallenberg erhält 40 000 Euro, für die Tafeln in Korbach, Bad Wildungen und Bad Arolsen sind es jeweils 22 000 Euro.

Dies führt zu einer gewissen Entspannung. Der 2. Vorsitzende der Tafel Frankenberg, Friedhelm Vaupel, informierte, dass „dies fast alle Betriebskosten für das neue Jahr 2023 abdeckt. Eine komfortable Situation, die unseren gemeinnützigen Auftrag im neuen Jahr sichert“.

So auch bei der Korbacher Tafel. Vorsitzender Oliver Breysach: „Wir sind dadurch für einen bestimmten Zeitraum in der Lage, die auch für uns deutlich gestiegenen Energiekosten insbesondere bei Strom für Kühlung und Fahrzeug-Benzin in etwa aufzufangen. Grundsätzlich ist die finanzielle Situation derzeit also recht entspannt.“

Trotz aller Freude über finanzielle Unterstützung und Spendenbereitschaft der Bürger wies Friedhelm Vaupel auf ein Detail hin, das möglicherweise manchem Spender nicht bekannt ist: „Uns fehlen Geldspenden mit klarem Hinweis des Spenders, dass wir davon Lebensmittel kaufen dürfen. Fehlt dieser Hinweis, ist uns aus satzungsrechtlichen Gründen jeglicher Lebensmittelkauf untersagt. Ein Lagerbestand an haltbaren Lebensmitteln ist für unsere Tafel wichtig, da sich damit die Warenausgabemenge für unsere Kunden an Tagen, wo zu wenig Lebensmittelspenden eingehen, auffüllen lässt.“

Ambulantes Hospiz

Für seine Arbeit ist auch der Ambulante Hospizverein Frankenberg sehr stark auf Spenden angewiesen. Schatzmeister Christian Berreth: „Wir versuchen, über unsere Mitgliedsbeiträge unsere Verwaltungskosten wie Versicherungen, Bankgebühren, Beiträge an Berufsgenossenschaft und Dachverband zu decken. Aber auch diese Kosten sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen.“

Das Spendenaufkommen sei in den beiden Corona-Jahren rückläufig – „insbesondere, was die Anzahl der Spenden, nicht so sehr deren Höhe, angeht. Wir führen das vor allen Dingen auf die geringere öffentliche Sichtbarkeit – keine Veranstaltungen oder Ausfall der Jahreshauptversammlung – zurück“.

Dieses Jahr ist das Spendenaufkommen nach den weiteren Angaben von Schatzmeister Christian Berreth wieder auf dem Vor-Corona-Niveau: „Vereinzelt lässt sich beobachten, dass sowohl bei Organisationen als auch Privatpersonen, die regelmäßig spenden, der Betrag dieses Jahr vereinzelt etwas geringer ausfällt als in den Vorjahren. Über Ursachen lässt sich nur spekulieren, da sich die Spender zu den Gründen nicht äußern. Möglicherweise spielen gestiegene Kosten eine Rolle. Aber auch, dass vielleicht der gleiche Betrag an mehr Empfänger verteilt wird, kann ein Grund sein.“

Tierschutz Korbach

Beim Tierschutzverein Korbach und Umgebung ist die finanzielle Lage schlechter geworden. „Die Auswertung unserer Spendeneinnahmen bis 30. November 2022 ergab leider einen Rückgang der Einnahmen aus Spenden von ca. 20 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren“, schilderte Kassiererin Christina Nebe. Über die Gründe des Spendenrückgangs könne nur spekuliert werden. Vermutlich seien die Gründe vielfältig und der allgemeinen aktuellen Situation geschuldet.

Christina Nebe: „Die deutlichen Kostensteigerungen betreffen ja nicht nur die Energiekosten, sondern sind in fast allen Bereichen spürbar. Die gemeinnützigen Institutionen trifft das doppelt hart. Weniger Einnahmen stehen deutlich höheren Ausgaben gegenüber. Neben den allgemeinen Kostensteigerungen nenne ich für uns als Tierschutzverein mit Blick auf das Tierheim exemplarisch die deutliche Erhöhung der Gebührenordnung für Tierärzte.“

Spendenniveau bundesweit leicht gestiegen

Die Bundesbürger haben von Januar bis September 2022 rund 3,8 Milliarden Euro gespendet. Laut Deutschem Spendenrat wurde das mit Abstand beste Ergebnis aus dem Vorjahr in diesem Jahr erneut erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr sei das Spendenniveau sogar leicht um 0,8 Prozent gestiegen. Die Prognose für das Gesamtjahr sehe – unter Vorbehalt der weiteren Inflationsentwicklung – ebenfalls gut aus. Das sind Ergebnisse der Erhebung „Trends und Prognosen“ des Marktforschungsinstituts GfK (Nürnberg), die jährlich im Auftrag des Deutschen Spendenrats vorgenommen wird.

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