Mitarbeiter einer Marsberger Baufirma setzen unbewusst Rettungskette in Gang

Notrufsystem hat im Auto in Korbach versehentlich ausgelöst - Retter kehrten wieder um

Notrufknopf im Auto: Je nach Fabrikat des Fahrzeugs ist er – wie hier – mit einer Klappe geschützt oder frei zugänglich. Am Samstag wurde er in einem Baustellen-Fahrzeug in Korbach aus Versehen ausgelöst, was dazu führte, dass sich Rettungskräfte auf den Weg machten, am Ende aber unverrichteter Dinge wieder umkehren mussten.  symbol
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Notrufknopf im Auto: Je nach Fabrikat des Fahrzeugs ist er – wie hier auf dem Symbolbild – mit einer Klappe geschützt oder frei zugänglich. Am Samstag wurde er in einem Baustellen-Fahrzeug in Korbach aus Versehen ausgelöst, was dazu führte, dass sich Rettungskräfte auf den Weg machten, am Ende aber unverrichteter Dinge wieder umkehren mussten. © Symbolfoto: Hochstein

Gegen 12.40 Uhr rückten am Samstag Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei in die Hannoversche Straße/Ecke Elfringhäuser Weg aus – doch sie fanden nichts. Weder ein Unfallauto noch Spuren eines Zusammenpralls. Dabei war zuvor in der Leitstelle des Landkreises ein so genannter „eCall“ eingegangen – ein Notruf aus einem Fahrzeug, das sich zu diesem Zeitpunkt an einer nahe gelegenen Baustelle befinden musste.

Dieser Notruf wird bei einem Unfall automatisch abgesetzt. Er kann aber auch von den Personen im Fahrzeug manuell ausgelöst werden. So war es am Samstag in Korbach gewesen.

„Als wir mit unserem Hilfeleistungszug an der vermeintlichen Unfallstelle ankamen, war nichts zu sehen, was auf einen Unfall hindeutete“, berichtete Stadtbrandinspektor Carsten Vahland auf Nachfrage. Auch Dirk Richter von der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg bestätigte gegenüber unserer Zeitung diesen ungewöhnlichen Vorfall.

Allerdings konnte die Situation zügig aufgeklärt werden. Vahland: „Wenn ein eCall abgesetzt wird, geht bei der Rettungsleitstelle nicht nur ein Notruf ein. Es werden auch alle Daten zum Standort des Autos übermittelt – ebenso erscheint in der Leistelle die Fahrzeugidentifizierungsnummer, über die der Halter ermittelt werden kann.“

Parallel zur Datenübermittlung wird auch eine Sprachverbindung ins das Auto aufgebaut. Wie unsere Zeitung auf Nachfrage in der Leistelle in Korbach erfuhr, erhielten die dortigen Mitarbeiter aber keine Antwort auf die Fragen, was geschehen sei und wie es den Personen im Fahrzeug gehe. Somit mussten sie davon ausgehen, dass etwas Ernstes passiert war – die Rettungskette wurde schnell in Gang gesetzt. Rettungskräfte, Feuerwehr und Polizei machten sich auf den Weg.

„Nachdem wir vor Ort und in der nahen Umgebung jedoch nichts entdeckt haben, hat die Leitstelle noch einmal eine Abfrage gestartet. Anhand der Koordinaten war ersichtlich, dass sich das Fahrzeug bereits auf der Umgehungsstraße befand. Es war in Bewegung und der Verdacht kam auf, dass der eCall versehentlich ausgelöst worden war“, berichtete Vahland.

So war es tatsächlich: Die Polizei hatte mittlerweile den Halter ermittelt – es handelte sich um eine Baufirma aus Marsberg, die Arbeiten auf der Baustelle an der Hannoverschen Straße in Korbach verrichtete.

Zwei Mitarbeiter der Firma traten gegen Mittag in einem recht neuen VW Transporter die Heimfahrt an. Sie kannten sich mit dem eCall-Notrufsystem jedoch nicht aus und bestätigten aus Versehen den dafür eingerichteten SOS-Notknopf. Dieser ist in der Regel oberhalb des Rückspiegels zwischen den Sonnenblenden angebracht. Je nach Fabrikat ist er frei zugänglich oder durch eine Klappe geschützt. Die beiden Mitarbeiter der Firma waren zudem ausländischer Herkunft und verstanden offenbar nicht, was die Leitstelle von ihnen wollte – somit gaben sie keine Antworten.

„Das eCall-Notrufsystem ist definitiv eine gute Sache. Allerdings wäre es hilfreich, wenn sich die Fahrzeugführer damit auskennen. Firmen sollten ihre Mitarbeiter deswegen schulen“, empfiehlt Carsten Vahland und erinnerte daran, dass die Einsatzkräfte unverrichteter Dinge wieder umkehren mussten.

Wer letztlich für die Einsatz-Kosten aufkommt, muss nun geprüft werden. Der Stadtbrandinspektor vermutet, dass diese am Ende der Baufirma in Rechnung gestellt werden.

Das steckt hinter dem ��eCall“

Das „eCall-System“ ist ein von der EU vorgeschriebenes automatisches Notrufsystem für Kraftfahrzeuge, das die Hersteller seit März 2018 in alle neuen Auto-Modelle und leichte Nutzfahrzeuge einbauen müssen. Der Notrufdienst nutzt Mobilfunk und Satellitenortung, um nach einem Unfall aus dem Auto heraus – automatisch oder manuell – eine Telefonverbindung zur Rufnummer 112 der Rettungsleitstelle herzustellen. Zusätzlich zur Sprachverbindung überträgt das im Fahrzeug montierte eCall-System Informationen zum Unfallort, zur Art der Auslösung und zum Fahrzeug – auch zur Anzahl der Insassen kann das System Infos liefern, solange die Sicherheitsgurte eingerastet sind. Kommt es zu einem schweren Autounfall, bei dem die Airbags auslösen, sendet eCall einen Notruf ab. Bei Parkremplern passiert nichts.

Das Notrufsystem kann aber auch bei einem dringenden medizinischen Problem manuell ausgelöst werden, beispielsweise bei einer Herzattacke: Fahrer, Mitfahrer oder auch Helfer können den SOS-Notruf-Knopf drücken. In beiden Fällen wird eine Sprachverbindung zwischen Fahrzeug und der Notrufnummer 112 aufgebaut. So können weitere Unfalldetails durchgegeben werden, falls die Insassen ansprechbar sind.

Der Notruf kann beispielsweise auch durch andere Verkehrsteilnehmer ausgelöst werden, die einen beobachteten Unfall melden wollen. Quelle: ADAC

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