Verkauf von Feuerwerk ist verboten

Corona-Ausgangssperre in Waldeck-Frankenberg gilt auch in der Silvesternacht 2020

Polizisten gehen nachts auf einer Straße.
+
Polizei kontrolliert Ausgangssperre (Archivbild).

Nach Weihnachten wird auch Silvester in diesem Jahr anders, als wir es kennen. Wegen der Corona-Pandemie gelten besondere Vorschriften. In Waldeck-Frankenberg sogar eine Ausgangssperre.

Waldeck-Frankenberg – Bundesweit gibt es ein Verkaufsverbot für Feuerwerk. Wer noch Feuerwerk zuhause hat, darf es zünden, in Waldeck-Frankenberg aber nur auf dem eigenen Grundstück, weil im Landkreis eine nächtliche Ausgangssperre gilt.

Für die vom 21. Dezember bis 4. Januar wegen der hohen Corona-Inzidenz verhängte Ausgangsbeschränkung gibt es anders als an Weihnachten in der Silvesternacht keine Ausnahme. Das heißt: Im öffentlichen Raum darf in der Nacht auf den 1. Januar zwischen 21 und 5 Uhr niemand unterwegs sein, der nicht gewichtige Gründe hat – zum Beispiel den Arbeitsweg oder einen medizinischen Notfall. „Auf dem eigenen Grundstück darf man sich natürlich aufhalten. Besuche bei Nachbarn oder Freunden sind nicht möglich“, stellt der Kreis klar.

Und grundsätzlich gelten in Hessen an Silvester die vom Land erlassenen Kontaktbeschränkungen: In der Öffentlichkeit sind nur Treffen von maximal fünf Menschen aus zwei Hausständen zulässig (Kinder unter 14 nicht mitgezählt). Für Feiern zuhause wird dies „dringend empfohlen“.

Regeln für das Feuerwerk

Um die wegen der Corona-Pandemie stark geforderten Krankenhäuser nicht noch mehr zu belasten, hat der Bund in diesem Jahr den Verkauf von Silvesterfeuerwerk untersagt. „Auch wenn einige Händler in Prospekten noch damit werben sollten: Den Feuerwerksverkauf darf es aktuell nicht geben“, stellt der Landkreis auf Nachfrage klar.

Die hessische Landesregierung hat das Abbrennen von Feuerwerk in ihrer Corona-Verordnung „an publikumsträchtigen öffentlichen Orten“ verboten. Landkreise und Städte dürfen zusätzlich eigene Maßnahmen ergreifen. „Falls noch Feuerwerk vom vergangenen Jahr vorhanden sein sollte, darf man dieses auf dem eigenen Grundstück zünden. Aber nicht alles, was erlaubt ist, ist in der jetzigen Situation auch richtig“, sagt die Kreisverwaltung in Korbach.

So sah der Jahreswechsel 2018/2019 in Kassel aus: Blick vom Weinberg auf die Frankfurter Straße und die Südstadt. In diesem Jahr hat die Stadt Kassel Feuerwerk an bestimmten Orten verboten.

Der Landkreis appelliert an die Eigenverantwortlichkeit und Solidarität der Waldeck-Frankenberger und ruft dazu auf, Silvesterfeuerwerk in diesem Jahr zu vermeiden, um die Kliniken und ihr Personal nicht zusätzlich durch Feuerwerks-Verletzungen zu beanspruchen.

Das Herstellen und Verwenden selbst gebauter Feuerwerkskörper sei im Übrigen lebensgefährlich und strafbar, teilte das Regierungspräsidium Gießen mit.

Das sagen Markt-Betreiber

Thomas Dönch, Inhaber des Rewe-Marktes in Battenfeld, sieht das Verkaufsverbot für Feuerwerk von zwei Seiten: „Das kostet uns zwar ein paar tausend Euro Umsatz, aber wir haben so auch viel weniger Arbeit damit.“ Der Umsatz beim Silvester-Feuerwerk sei zuletzt von Jahr zu Jahr weiter gesunken, weil inzwischen „jeder kleine Laden“ Feuerwerk verkaufen dürfe.

Thomas Dönch, Leiter des Rewe-Marktes in Battenfeld

„Wir haben die Feuerwerksartikel seit zwei Wochen hier stehen, aber das geht alles ungeöffnet wieder zurück“, berichtete Dönch. Er habe keine Werbung gemacht und keine Flyer drucken lassen, da sich ein Feuerwerksverbot abgezeichnet habe. Im Lager stünden etwa „zweieinhalb Europaletten“ mit Knallern und Raketen im Wert von etwa 10 000 Euro. Die gesetzlichen Auflagen für den Transport und die Lagerung von Feuerwerks-Artikeln seien schon enorm, erklärte Dönch.

Auch wenn es dieses Jahr kein Feuerwerk geben wird: „Ich bleibe an Silvester bis 24 Uhr wach, um zu sehen, wie dieses Scheißjahr vorüber geht“, sagte Rewe-Marktleiter Thomas Dönch wörtlich.

Prospekte waren schon gedruckt

Angesichts des bundesweiten Verkaufsverbots haben sich viele Menschen gewundert, dass in manchen Werbeprospekten trotzdem Feuerwerk angeboten wurde. Dazu erklärte Florian Kramm, Geschäftsführer der Rheika-Delta Warenhandelsgesellschaft in Melsungen, die unter anderem den Herkules-Lebensmittelmarkt in Frankenberg beliefert: „Die Vorlaufzeit bei der Prospektanfertigung – dazu gehören Gestaltung, Druckvorstufe und Verteilorganisation – war in diesem Fall länger als die politische Entscheidung alt gewesen ist, den Feuerwerksverkauf zu untersagen.“

Die Rheika-Delta habe sich gegen einen Neudruck entschieden, um Ressourcen zu sparen. „Zudem ist die Information des untersagten Feuerwerksverkaufs unserer Auffassung nach bereits genug durch die Medien verbreitet gewesen. Denjenigen, die davon keine Kenntnis erlangt haben, teilen wir dies in unseren Märkten mit und entschuldigen uns für die Fehlinformation“, sagte Kramm. Über die Höhe der Umsatzeinbußen wollte er sich nicht äußern, „um Wettbewerbern keinen Einblick in unsere Berechnungen zu geben.“

Die Rheika-Delta respektiere die Anordnungen der Regierung und setze sie anstandslos um, sagte Kramm. „In die Diskussion über ein generelles Verkaufsverbot von Feuerwerkskörpern mischen wir uns nicht ein. Sie sollte unabhängig von Corona sachlich in der Gesellschaft geführt werden.“

Das sagen Krankenhäuser

In den heimischen Krankenhäusern wird das Verkaufsverbot für Feuerwerk begrüßt. „In Anbetracht der Corona-Pandemie sollte alles versucht werden, um insbesondere Menschenansammlungen an Silvester zu vermeiden“, sagt Tanja Jostes, Sprecherin des Stadtkrankenhauses Korbach. „Damit die Gesundheitsversorgung auch in der derzeit angespannten Gesundheitslage weiter gut funktioniert, appellieren wir an die Vernunft der Menschen, sich an die aktuellen Verbote zu halten und vor allem die Regeln Abstand, Hygiene, Alltagsmaske und Lüften zu beherzigen.“

Bei den Verletzten, die in der Silvesternacht ins Krankenhaus eingeliefert werden, handele es sich überwiegend um Männer zwischen 15 und 30 Jahren, berichtet Jostes. Auch Augenkliniken hätten zu der Zeit einen großen Zulauf. Ein Großteil der Verletzten seien aber nicht diejenigen, die die Feuerwerkskörper zündeten, oft würden Passanten oder Kinder von Querschlägern getroffen.

„Trotz der Corona-Pandemie ist es wirklich wichtig, in lebensbedrohlichen Notfallsituationen unbedingt den Rettungsdienst zu verständigen.

Tanja Jostes, Sprecherin des Stadtkrankenhauses Korbach

Neben dem Experimentieren mit Pyrotechnik und dem Zünden illegaler Feuerwerkskörper sei auch Alkoholeinfluss eine der Unfallursachen, sagt Jostes. Auch am Kreiskrankenhaus in Frankenberg hat man die Erfahrung gemacht, dass zum Jahreswechsel die Zahl der Behandlungen auf Grund von zu viel Alkohol und Alkoholvergiftung zunimmt – und zwar bei allen Altersschichten, berichtete Pressesprecherin Julia Weiss.

Alkohol ist ein Problem an Silvester

„Eine Tendenz für dieses besondere Jahr mit Lockdown ist schwer vorherzusagen“, sagt sie: „Größere Partys und Familientreffen sind nicht möglich. So könnte der private Alkoholkonsum geringer als in den Vorjahren ausfallen“, sagte Weiss. „Allerdings könnte ein erhöhter Alkoholkonsum – beispielsweise durch Frust, Vereinsamung oder sogar Depression – auch zu einem höheren Patientenaufkommen führen.“

Insgesamt hoffen die heimischen Krankenhäuser, dass sich die Ausgangssperre und die Einschränkungen für das Feuerwerk in dieser Hinsicht positiv auswirken werden. In jedem Fall seien die Kliniken aber für Notfälle gerüstet: „Trotz der Corona-Pandemie ist es wirklich wichtig, in lebensbedrohlichen Notfallsituationen unbedingt den Rettungsdienst zu verständigen“, stellt Tanja Jostes klar. (Paul Bröker, Thomas Hoffmeister und Jörg Paulus)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.