Eltern starben

Die acht Waisen von Bad Arolsen: Tragischer Unfall jährt sich

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Ein Holzkreuz an der Bundesstraße B 252 erinnert zwischen Mengeringhausen und Twiste an den tödlichen Unfall, bei dem am 17. Januar 2017 die Eltern von acht Kindern ums Leben kamen.

Bad Arolsen. Bei einem tragischen Unfall bei Bad Arolsen starben vor einem Jahr die Eltern von acht Kindern. Nachdem die Medien über den Unfall berichten, brach eine Welle der Hilfsbereitschaft los. Der Unfallverursacher wurde verurteilt. Wie geht es jetzt weiter?

Acht Kinder wurden zu Waisen, als ihre Eltern am späten Nachmittag des 17. Januar auf der Bundesstraße B 252 zwischen Twiste und Mengeringhausen ohne eigenes Zutun in einen Unfall verwickelt wurden.

Der Fall hat bundesweit für Aufsehen gesorgt und eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst, wie sie in der Region bisher unbekannt war. Insgesamt wurden mehr als 550.000 Euro gespendet, die in eine Stiftung einfließen, die sich in den kommenden Jahren um das Wohlergehen der acht hinterbliebenen Kinder kümmern wird.

Der 58 Jahre alte Unfallverursacher wurde vom Amtsgericht in Korbach zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt.

Der Angeklagte Bernhard-Hubertus K. (r) und sein Verteidiger Michael Rohleder stehen am Montag zum Prozessauftakt im Amtsgericht Korbach.

Dabei blieb letztlich auch in dem Prozess ungeklärt, warum genau der tödliche Unfall geschah. Ein Gutachter sprach im Gerichtsverfahren von Augenblicksversagen. Alkoholkonsum oder Ablenkung durch ein Handy konnten jedenfalls definitiv ausgeschlossen werden.

Fest steht nach der Verhandlung, dass der Transporter, der nach Feierabend auf der Bundesstraße B 252 von Twiste kommend auf dem Weg in Richtung Mengeringhausen war, plötzlich und aus ungeklärten Gründen eingangs einer lang gezogenen Rechtskurve nach links auf die Gegenfahrbahn steuerte und dort mit einem entgegenkommenden Pkw zusammenprallte.

In dem Wagen fuhr eine junge Familie, Vater, Mutter und zwei Kinder. Der Aufprall war so heftig, dass die Eltern ihren schweren Verletzungen erlagen. Die Kinder auf der Rückbank überlebten, weil sie in ihren Kindersitzen gut gesichert waren - und weil sie bei all dem Unglück doch noch ein wenig Glück hatten.

Bald stellte sich heraus: Die beiden Kinder auf der Rückbank waren nicht die einzigen Hinterbliebenen. Vater (37), Mutter (34) und die Kinder bildeten eine Patchwork-Familie mit Kindern aus früheren Ehen. So standen nach dem tödlichen Unfall von Mengeringhausen plötzlich acht Kinder ohne Eltern da.

Die Welle des Mitgefühls, die nach der bundesweiten Berichterstattung über den Unfall über die Kinder hereinbrach, war enorm. Tanten und Onkel nahmen sich der Kinder an. Jugendamt und der Bad Arolser Bürgermeister Jürgen van der Horst mühten sich, die Hilfsangebote zu bündeln.

Ein Spendenkonto wurde eingerichtet, der Radiosender FFH spendete 10.000 Euro. Auch der Verlag von HNA und WLZ spendete und genauso taten es viele Hundert Einzelspender und Vereine. Inzwischen ist die Spendensumme auf über 550.000 Euro angewachsen. Das Konto ist nach Angaben der Stadt Bad Arolsen vom Januar 2018 mittlerweile geschlossen. 

Das gesammelte Geld soll nicht sofort ausgezahlt, sondern über Jahre verteilt, sinnvoll für die Ausbildung der Kinder eingesetzt werden. Schließlich sind die Kinder erst mal gut versorgt. Sie alle haben altersgemäß andere Bedürfnisse, wohnen jetzt in den Familien von Verwandten, die sich – unterstützt vom Jugendamt – bestmöglich um sie kümmern.

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