Äthiopischer Arobella-Mitarbeiter

Als Vollzeitkraft in Bad Arolsen integriert, als Mensch geschätzt und nun vor der Abschiebung

Von Abschiebung nach Äthiopien bedroht: Ahmed Abdul Kadir Sharif (Mitte) wird von Kollegen und Vorgesetzten bei seinem Bemühungen um ein Bleiberecht unterstützt. Von links: Jennifer Schnaase, Christian Stahlhut (Leiter Arobella), Martina Stöhr und die Geschäftsführerin der Bäderbetriebe, Irene Merkel.
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Von Abschiebung nach Äthiopien bedroht: Ahmed Abdul Kadir Sharif (Mitte) wird von Kollegen und Vorgesetzten bei seinem Bemühungen um ein Bleiberecht unterstützt. Von links: Jennifer Schnaase, Christian Stahlhut (Leiter Arobella), Martina Stöhr und die Geschäftsführerin der Bäderbetriebe, Irene Merkel.

Dem äthiopischen Mitarbeiter des Freizeitbads Arobella Abdul Kadir Sharif steht die Abschiebung in sein Heimatland bevor, aus dem er vor sieben Jahren floh.

Bad Arolsen Das Team des Arobella-Freizeitbades und die Geschäftsführung des Bäderbetriebs in Bad Arolsen setzt sich für den Verbleib in Deutschland ein. „Eine Abschiebung wäre eine menschliche Katastrophe“, sagt Jennifer Schnaase, die mit Sharif im siebenköpfigen Serviceteam des Arobella arbeitet. Als fleißigen und zuverlässigen Mitarbeiter und als Mensch hätten die Kollegen den Äthiopier schätzen gelernt.

Das erklärt die Geschäftsführerin

Würde der 38-Jährige abgeschoben, so würde eine kaum zu schließende Lücke gerissen, macht die Geschäftsführerin der Bad Arolser Bäder-Betriebe, Irene Merkel, deutlich. Bevor Sharif mit einem befristeten Arbeitsvertrag beim Serviceteam des Arobella eingestellt wurde, war er bei einem privaten Unternehmen als Reinigungskraft tätig und arbeitete er im Arolser Raum bei einem landwirtschaftlichen Betrieb.

Seit gut zwei Jahren ist der Äthiopier beim Arobella-Serviceteam in Vollzeit tätig. Dadurch kann er seinen Lebensunterhalt einschließlich Mietwohnung selbst finzieren, hat er den Führerschein machen und sich ein kleines Auto kaufen können. „Er belastet den deutschen Staat nicht“, sagt Arobella-Betriebsleiter Christian Stahlhut. Die Integration in Deutschland sei zu 100 Prozent gelungen, sagt er auch im Hinblick auf die sprachlichen Kenntnisse des Äthiopiers.

Nur noch begrenzte Duldung

„Er macht seinen Job sehr gut, bekräftigt Geschäftsführerin Merkel. Es sei schwer, an so gute Arbeitskräfte wie Sharif zu bekommen, und er besetze eine der wenigen Vollzeitstellen. „Wir unterstützen ihn bei seinem Bemühen, in Deutschland bleiben zu dürfen“, sagt Merkel.

Der Äthiopier genießt eine nur noch bis zum 15. Dezember geltende Duldung. Alle bisherigen juristischen Bemühungen um ein Bleiberecht blieben erfolglos. Das Bundesamt für Migration hat 2017 ein Bleiberecht abgelehnt, der Hessische Verwaltungsgerichtshof bestätigte ein entsprechendes Urteil des Verwaltungsgerichts Kassel.

Probleme wegen Papieren

So werden keine Fluchtgründe anerkannt. Das Grundproblem ist das Fehlen eines Passes zur Klärung der Identität von Sharif. Die Ausländerbehörde, das Bundesamt für Migration werfen Sharif vor, sich nicht genug um einen Pass zu bemühen.

Er erklärt, er habe sich bisher erfolglos beim Konsulat in Frankfurt um Papiere bemüht. In seiner Heimat sei es nicht üblich, einen Ausweis zu bekommen. Daher verfüge er auch nicht über Identitätsnachweise aus Äthiopien.

Gefahren für Leib und Leben

Sharif hat von der Ausländerbehörde Telefonnummern von Anwälten in Äthiopien bekommen, die ihm bei der Beschaffung der Papier helfen könnten. So hat er Kontakt zu einer Juristin aufgenommen, die laut Sharif aber 850 Euro für diese Dienstleistung fordert, zugleich aber auch nicht sicher ist, dass sie den Pass besorgen kann.

An diesem Punkt sind nun die Bemühungen Bemühen ins Stocken geraten. Zurück ins momentan durch kriegerische Auseinandersetzungen erschütterte Äthiopien, um sich selbst um Papiere zu kümmern, will Sharif wegen der Gefahren für Leib und Leben nicht.

Im Gefängnis geschlagen

Insgesamt vier Jahre habe er in Gefängnissen zugebracht, berichtet Sharif. Der Muslim gehört der Volksgruppe der Oromo an, die mit ihren verschiedenen Untergruppen etwa ein Drittel der Bevölkerung des 110 Millionen Einwohner zählenden Landes in Ostafrika ausmacht.

Er unterstützt zwar nach eigenen Worten die Bemühungen der Organisation OLF um Anerkennung ihrer Kultur und ihrer Sprache, doch lehne er Gewalt ab.

Flucht über Libyen

Als ihn zuletzt die Polizei ins Gefängnis brachte, war ihm das Verbreiten von Flugzetteln der OLF vorgeworfen worden, was er jedoch bestritt. Er war Schlägen ausgesetzt und verlor einen Zahn, zudem wurde er abwechselnd mit heißem und kaltem Wasser übergossen, wie Sharif berichtet. Während eines Transportes von Gefangenen in einem Lastwagen gelang ihm die Flucht, andere wurden nach den Schilderungen des Flüchtlings erschossen.

Mithilfe von Ersparnissen floh er über den Sudan und Libyen nach Italien und 2014 nach Deutschland. Von seiner Familie leben noch die Mutter und zwei Schwestern in Äthiopien, sein Bruder ist in Saudi-Arabien. In Deutschland hat Sharif eine geflüchtete Äthiopierin kennengelernt.

Frau und zwei Kinder

Sie haben eine Hochzeitszeremonie abgehalten, nach deutschem Recht gelten sie jedoch nicht als Ehepaar. Mit ihr hat Sharif inzwischen zwei Kinder. Mit ihnen lebt die Frau in einer Unterkunft für Asylbewerber in München. Aufgrund der Einschränkungen im Aufenthaltsrecht leben Sharif und die Familienangehörigen getrennt. (Armin Haß)

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