Neue Kirche vor 50 Jahren eingeweiht

Kohlgrunder Fachwerkkirche musste vor 50 Jahren einem Betonbau weichen

Die nunmehr 50 Jahre alte Kirche von Kohlgrund ist neben einer Fachwerkkirche aufgebaut worden, die nun im Hessenpark steht.
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Die nunmehr 50 Jahre alte Kirche von Kohlgrund ist neben einer Fachwerkkirche aufgebaut worden, die nun im Hessenpark steht.

Die evangelische Gemeinde feiert das 50-jährige Bestehen der Kohlgrunder Kirche am Sonntag, 12. Dezember, um 14 Uhr unter Berücksichtigung der 3-G-Regel mit einem Gesamtgemeindegottesdienst.

Bad Arolsen-Kohlgrund - Gefeiert wird - mit gemischten Gefühlen - ein für die Region untypisches, modernes Bauwerk. Eine schlichte Fachwerkkirche wich einem modernen Betongebäude, immerhin blieb der Barockaltar dort erhalten.

Das alte Kirchlein aus dem Jahre 1670 wurde niedergelegt. Seit 2011 kann es - vollständig wieder aufgebaut - im Hessenpark Neuanspach bewundert werden.

Architektur der 1970er-Jahre

Und so präsentiert sich die neue Kirche: Klare, geometrische Linien, der Glockenturm außerhalb des Gebäudes – als sakrales Bauwerk war die moderne Nachfolgerin in der Dorfmitte zweifelsohne erkennbar.

„Nehmet einander an, wie Christus uns angenommen hat“ ist an der Pforte der Kirche zu Kohlgrund zu lesen. Darüber hängt ein bronzenes Kreuz, das der Künstler Hartwig Heine für die Kirche seines Heimatdorfes schuf.

Das Gebäude entspricht modernen architektonischen Vorstellungen und setzt - nunmehr selbst ein Denkmal seiner Zeit - Akzente in einer Region, in der die Dörfer durch Fachwerkbauten geprägt werden.

Fachwerk-Original im Hessenpark wieder aufgebaut

Die Brücke zur Vergangenheit der örtlichen Kirchengeschichte war mit der Aufstellung des barocken Altars aus der alten Fachwerkkirche geschlagen worden.

Im Hessenpark Neu-Anspach wieder aufgebaut: Die alte Fachwerkkirche von Kohlgrund.

Und doch herrschte damals auch Unbehagen über den tiefen architektonischen Schnitt. Eine solche Entscheidung würde wohl heute nicht mehr getroffen. Die ähnliche Fachwerkkirche im benachbarten Neudorf ist vor gut einem Jahrzehnt mit einigem Aufwand und mithilfe von Spenden saniert worden.

Feierliche Einweihung vor 50 Jahren

„Der schönste Schmuck einer Kirche ist nicht ihre äußere Form, sondern die lebendige Gemeinde, die sie besucht“, erklärte der pensionierte Pfarrer Karl Krummel am 3. Adventssonntag 1971 bei der Einweihung des Neubaus. Krummel hatte 1919 seinen Dienst als Seelsorger in Kohlgrund angetreten und war dazu auserkoren worden, im Namen der früheren Pfarrer des Kirchspiels Helmighausen zu sprechen.

Die Arolser Architekten und Bauingenieure Günther Kröling, Bodenhausen und Winter waren bei der Feier zugegen. Sie hatten die moderne Kirche geplant, und von ihnen nahm Pfarrer Hans-Christian Weppler den Schlüssel entgegen. Gemeinsam mit Bischof Erich Vellmer zelebrierte er den Gottesdienst. Propst Friedrich Schüttler, Korbach, Friedrich Carl Prinz zu Waldeck und Pyrmont als Vertreter der Kreissynode, Dekan Otto Götte, Landrat Dr. Karl-Hermann Reccius, Bürgermeister Dr. Günter Welteke, Stadtverordnetenvorsteher Gerrit Schwarz und Orstvorsteher Fritz Hütte nahmen an der denkwürdigen Veranstaltung teil.

Ein weiterer Blick zurück erhellt die Vorgeschichte: Bereits 1965 hatte die Bauberatung des Landeskirchenamtes untersuchen lassen, wie teuer eine Renovierung der alten Kirche würde und präsentierte einen Kostenvoranschlag über 70.000 Mark. Doch diese Summe erschien als zu hoch.

In einem Beitrag des Ortssippenbuches „Das Rote Land“ über Geschichte und Familien der Dörfer wird erwähnt, dass zur gleichen Zeit in Arolsen für 100.000 Mark eine neue Friedhofskapelle gebaut wurde. „Im Vergleich dazu wurde erwogen, eine neue Kirche zu bauen“, heißt es weiter.

Landeskirchenamt half mit Zuschuss

1969 wurde nach der Vorstellung der Baupläne in einer Gemeindeversammlung eine Spendenaktion begonnen. 12.635 Mark kamen zusammen, das Landeskirchenamt bewilligte für 1970 als erste Beihilfe 90.000 Mark. Der Gemeinderat bewilligte zusätzlich 5000 Mark.

Für einen Betrag von über 100.000 Mark sollte Kohlgrund seine neue Kirche bekommen. Den letzten Gottesdienst in der alten Kirche hatte der Pfarrer Konrad Wiederhold gehalten. Das Gebäude wurde während des Baus der neuen Kirche noch für Gottesdienste genutzt.

Licht fällt durch Betonwabenfenster

Im Arolser Architekturbüro Kröling war der folgende Plan entstanden: Ein Quadrat als Grundriss wird von zwei sich durchdringenden Satteldächern kreuzförmig überdeckt. Betonwabenfenster lassen natürliches Licht in die Kirche fallen.

Höhe und Breite der Giebelwand schnitt man exakt auf den Schnitzaltar zu. Beide Glocken erhielten ein separates Gerüst aus Stahlbeton. Zudem wurden mehrere Gussgrabplatten aus dem 17. und 18. Jahrhundert an der Kirchhofmauer aufgestellt.

Historischen Altar erhalten.

Am 23. Juli 1970 wurde Richtfest auf dem modernen Gotteshaus gefeiert. Bei der Einweihungsfeier am 3. Advent 1971 verliehen die Festredner ihrer Freude über das Geschaffene Ausdruck. Die Vertreter der Stadt überreichten einen Teppich, der einen Platz vor dem historischen Altar bekam.

Der Bürgermeister von Hesperinghausen, Bender, übergab eine Taufschale. Weitere Ausstattungsgegenstände kamen nach der Jahrtausendwende hinzu: die Rembrandt-Kopie eines Schiffes in stürmischer See und ein vor vielen Zuschauern gegossenes Bronzekreuz, beide von dem aus Kohlgrund gebürtigen Hartwig Heine geschaffen. Zudem haben Kohlgrundér einen barrierefreien Zugang geschaffen. (Armin Haß )

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