Suche nach Lösung

Steht das Berufsbildungswerk in Bad Arolsen vor dem Aus?

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Das Berufsbildungswerk im Mengeringhäuser Feld wurde in den 70er Jahren errichtet. Die Gebäude weisen einen großen Sanierungsstau auf. 

Bad Arolsen. Im Berufsbildungswerk (BBW) im Mengeringhäuser Feld mit seinen derzeit 163 Auszubildenden wird über eine grundlegende Neustrukturierung nachgedacht. Grund dafür sind die rückläufigen Schülerzahlen.

Selbst Gebäudeabrisse sind nicht mehr tabu. Aber noch rollen die Bagger nicht.

Bei einer Betriebsversammlung hat der Vorstand des Bathildisheims über die mögliche Verlagerung des kompletten Betriebs in die bisherige Außenstelle nach Kassel berichtet.

Eine Entscheidung hierüber soll aber erst fallen, wenn alle Fakten und Kostenschätzungen auf dem Tisch liegen. Das kann noch ein Jahr dauern, wie Bathildisheim-Vorstand Jens Wehmeyer erklärte. Für die Umsetzung der Pläne sind weitere vier Jahre angedacht.

Bürgermeister Jürgen van der Horst war als Mitglied des Bathildisheim-Aufsichtsrats früh in die Überlegungen eingebunden. Deshalb ist der Magistrat auch schon mit der Suche nach einer geeigneten Nachnutzung des 8,5 Hektar großen Geländes befasst.

Für den Rathauschef steht fest: „Das bedeutet eine Zäsur für die Stadt. Wir müssen nun versuchen, eine kluge Lösung für die Stadtentwicklung zu finden.“ Ihm schwebt ein großflächiger Abriss vor, denn Gewerbefläche in dieser Top-Lage seien gefragt.

Was ist der Grund für die rückläufige Entwicklung?

Das Berufsbildungswerk mit seinen Werkstätten, Rehabilitationseinrichtungen, Internatsräumen und der Staatlichen Berufsschule ist in den 70er-Jahren mit Mitteln der Bundesanstalt für Arbeit errichtet worden, um jungen Menschen mit Behinderungen eine Berufsausbildung und ein selbstständiges Leben zu ermöglichen. Das Konzept von einst mit Internatsplätzen fern großer Städte funktioniert nicht mehr. Die Schülerzahlen sind seit Jahren rückläufig.

Das Bathildisheim hat bereits Gespräche mit dem Hessischen Sozialministerium als Träger der Staatlichen Berufsschule am BBW Nordhessen sowie der Bundesanstalt für Arbeit als Kostenträger für die Berufsausbildung über die weitere Entwicklung geführt.

Bürgermeister Jürgen van der Horst bestätigte im Gespräch mit dieser Zeitung, dass der Strukturwandel im Berufsbildungsangebot nun auch seinen Tribut in Bad Arolsen fordere: „Zwei Standorte in Kassel und Bad Arolsen sind wahrscheinlich nicht zukunftsfähig.“ 

Gewerbegrundstück gilt als Filetstück

Der Magistrat stehe aber bereit, im Sinne der Stadtentwicklung nach einer klugen Lösung zu suchen. In den Gebäuden aus den 70er-Jahren habe sich ein beachtlicher Sanierungsstau gebildet. Es sei nicht im Sinne der Stadt zu warten, bis die Gebäude an exponierter Lage durch schlechte Zwischennutzungen als Abstellräume völlig abgewirtschaftet seien.

 Sinnvoller erscheine es vor diesem Hintergrund, über eine große Lösung nachzudenken, einen Großteil der Gebäude abzureißen, das Gelände freizuräumen und so neue Gewerbeflächen in Top-Lage zu schaffen, die sich sicher leicht vermarkten ließen.

 Van der Horst: „Unsere Flächen im Bioenergiepark sind praktisch alle vermarktet. Wir haben fast keine freien Gewerbeflächen mehr. Neuerschließungen werden nur zurückhaltend genehmigt.“ Die Konversion, die Umwandlung von nicht mehr benötigten Flächen, werde auch von den Genehmigungsbehörden lieber gesehen.

Zahlen und Fakten zum Berufsbildungswerk Nordhessen

Das Berufsbildungswerk (BBW) Nordhessen eröffnet seit den 70er-Jahren in Trägerschaft des Bathildisheims jungen Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder besonderem Förderbedarf neue Perspektiven. Eine Ausbildung wird aktuell in über 20 Berufen angeboten. Ziel ist die Integration in den Arbeitsmarkt. 

Insgesamt werden zurzeit 335 junge Menschen in Ausbildung bzw. berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen betreut, 163 in Bad Arolsen (davon 86 im Internat wohnend) und 172 am Standort in Kassel. Das BBW beschäftigt 129 Mitarbeiter, davon 67 am Standort Bad Arolsen. Viele sind Pendler, knapp 28 Prozent wohnen auch in Bad Arolsen.

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