Promovierter Geowissenschaftler war auf frischer Tat ertappt worden

Sie waren 150.000 Euro wert: Bad Arolser Bücher-Dieb verurteilt

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Fürstliche Hofbibliothek Bad Arolsen

Ein wegen Diebstahls von wertvollen Büchern aus der Fürstlich-Waldeckischen-Hofbibliothek angeklagter Mann ist am Dienstag wegen Diebstahls verurteilt worden.

Nach Angaben von Richter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling handelt es sich um neun Fälle des besonders schweren Diebstahls. Der Angeklagte wurde im Strafbefehlswege, das heißt schriftlich ohne Hauptverhandlungstermin, rechtskräftig zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von elf Monaten verurteilt, deren Vollstreckung für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Als Bewährungsauflage hat er 5000 Euro an den Förderverein des Klosters Flechtdorf zu zahlen.

Der Mann soll zwischen Juli 2010 und Februar 2012 aus der Fürstlich-Waldeckschen Hofbibliothek in Bad Arolsen rund 180 naturwissenschaftliche und kulturhistorische Bücher im Wert von 150.000 Euro gestohlen haben. Der promovierte Geowissenschaftler war am 21. Februar 2012 auf frischer Tat ertappt worden, als er mit 53 Bänden aus der Bibliothek verschwinden wollte.

Bereits im Herbst 2011 wurden Unregelmäßigkeiten in der Bibliothekssammlung im Bad Arolser Schloss festgestellt. Nach mehreren Inventuren fiel der Tatverdacht recht schnell auf den Mitarbeiter des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst. Immer wieder fehlten nach seinen Besuchen teilweise sehr alte und zudem sehr wertvolle wissenschaftliche Bücher.

Der 45-Jährige habe genügend Vertrauen genossen, um sich ungestört in der Sammlung zu bewegen und Bücher zu entnehmen, so damals die Staatsanwaltschaft. Sein besonderes Interesse galt dabei den Fachgebieten Mineralogie, Geophysik und Naturlehre. Der Mann war allerdings nicht als Ministeriumsmitarbeiter in der Bibliothek, sondern als Privatbesucher.

Als die Beamten vor drei Jahren das Einfamilienhaus des 45-Jährigen in Darmstadt durchsuchten, fanden sie mehr als 13.000 Bücher. Der überwiegende Teil der Fundstücke stammt aus dem 18. Jahrhundert, teilwei-se reichen die Datierungen aber zurück auf das späte 17. Jahrhundert.

Der Mann stand ursprünglich im Verdacht, über viele Jahre hinweg alte und wertvolle Bücher im Millionenwert aus mehreren Dutzend Bibliotheken im In- und Ausland mitgenommen zu haben. Viele Fälle konnten nicht mehr geklärt werden. Die Staatsanwaltschaft hält zudem zahlreiche Diebstähle für verjährt.

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