Tagebücher von Etty Hillesum

Film-Denkmal mit Schauspielerin Gedeck für eine mutige Frau entsteht in Bad Arolsen

Filmproduktion im Bad Arolser Schloss: Links Thomas Henke im Gespräch mit der Schauspielerin Martina Gedeck, umgeben von der Produktionsgruppe, von links: Jule Vari, Oliver Held, Filmemacherin Peggy Henke und Mehdi Javaheri.
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Filmproduktion im Bad Arolser Schloss: Links Thomas Henke im Gespräch mit der Schauspielerin Martina Gedeck, umgeben von der Produktionsgruppe, von links: Jule Vari, Oliver Held, Filmemacherin Peggy Henke und Mehdi Javaheri.

Die Schauspielerin Martina Gedeck liest in einem Film von Thomas Henke aus Bad Arolsen aus den Tagebüchern der Jüdin Etty Hillesum.

Bad Arolsen – In der neuesten Filmproduktion widmen sich der in Bad Arolsen lebende Medienkünstler Prof. Thomas Henke und seine Ehefrau, die Filmemacherin Peggy Henke, den Tagebüchern der in Auschwitz ums Leben gekommenen niederländischen Jüdin Etty Hillesum (1914 - 1943). Für die im Schloss gedrehte Lesung gewann das Team Martina Gedeck, eine der profiliertesten deutschen Schauspielerinnen.

Produktionsort Bad Arolsen

Der zunächst für Kunsträume in Deutschland geplante Film wurde in einem zur Blackbox umfunktionierten Ausstellungsraum des Westflügels des Barockschlosses in Bad Arolsen gedreht. Durch die von ihm mit der katholischen Gemeinde moderierten Schlossgespräche kam der an der Uni Bielefeld lehrende Hochschulprofessor auf den Drehort:

Ganz mit dunklem Holz vertäfelt, die Fenster, Spiegel oder reflektierende Keramikapplikation durch schwarze Tücher abgehängt und durch Gummimatten auf dem Holzboden nochmals schallgedämpft.

Blackbox als Raum

Dort nahm Martina Gedeck auf einem Holzstuhl vor einem dunklen Tischchen Platz, um aus den Tagebüchern Etty Hillesums zu lesen. Angestrahlt wird sie vom Licht kleinerer Lampen. Die Kameras Oliver Held und Mehdi Javaheri liefern sehr subjektive Bilder, mal näher, mal weiter entfernt fokussiert auf das Gesicht der Darstellerin.

Martin Gedeck verkörpert in dem Film nicht die Tagebuchschreiberin, sie liest und interpretiert dadurch die bewegenden Texte, die aus der Zeit vor der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg, der Deportationen von jüdischen Bürgern in das Lager Westerbork und später nach Auschwitz stammen.

Freiheit und Würde

Dabei spiegeln die Eintragungen nicht allein das grausame Geschehen, sondern die Entwicklung einer jungen Frau, ihre meditative Versenkung in ihrer Spiritualität und ihre Hinwendung zu Gott. Ihre Eintragungen offenbaren Mut, der sich aus ihrem Glauben speist: Sie komme nicht in die „Klauen der SS, weil ich in den Armen Gottes bin“,

Freiheit und Würde bis zum Schluss haben, das schrieb die junge Frau, die damit rechnete, umgebracht zu werden.

Das Tagebuch war aus dem Lager Westerbork geschmuggelt worden. Sie kam wenige Tage nach dem Transport aus den Niederlanden nach Auschwitz in dem Vernichtungslager um.

Schauspielerin als Erzählerin

Die Schauspielerin Gedeck wird zur Erzählerin in der Blackbox, sie ist das Gegenüber des Zuschauers - so ist das Konzept des Films. Die Kunst sei es, so einen Text vollständig zu entfalten, ohne zu tun, als sei sie die niederländische Jüdin Hillesum, sagt Henke.

Martina Gedeck sei für ihn „die einzige Schauspielerin, die das so lesen kann.“ Und nach dem ersten Kontakt habe sie sich sofort dafür entschieden, diesen Part in der Produktion einzunehmen.

Die Gratwanderung

Es sei schon eine Gratwanderung zwischen Zurückhaltung und dem Bestreben, bei aller Distanz, den Text lebendig zu machen.

Die Blackbox wurde gewählt, um jegliche ablenkenden Bilder und Eindrücke zu vermeiden und ganz die Erzählform in den Blickpunkt zu rücken.

Die Spielorte

Der Film soll auch ein Denkmal für Etty Hillesum werden. 90 bis 120 Minuten lang wird das Werk werden, zunächst soll es in Kunsthallen und Museen gezeigt werden. Anvisiert wird auch eine Kinofassung.

Mit einer Premiere des der für die Kunsträume gedachten Fassung rechnet Thomas Henke für das Frühjahr 2022.

Die Arbeit konnte mit Unterstützung von Fördermitteln verwirklicht werden. Ein Titel wurde auch schon für das Werk gefunden: „The Etty Hillesum Journal“. (Armin Haß)

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