1. Startseite
  2. Lokales
  3. Frankenberg / Waldeck
  4. Bad Arolsen

Mutmaßliche Amokfahrt in Berlin: Trauerandacht in Bad Arolsen mit vielen Teilnehmern

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Armin Haß

Kommentare

Viele Menschen versammeln sich für eine Trauerandacht vor dem Bürgerhaus für die bei einer Amokfahrt in Berlin getöteten Lehrerin der Kaulbach-Schule.
Bei einer Trauerandacht vor dem Bürgerhaus gedachten zahlreiche Menschen der bei einer Amokfahrt in Berlin getöteten Lehrerin der Kaulbach-Schule. © Armin Haß

Bad Arolsen trauert um die bei einer mutmaßlichen Amokfahrt am Mittwochvormittag (8. Juni) in Berlin getöteten Lehrerin der Kaulbach-Schule.

Bad Arolsen – Zahlreiche Menschen kamen zur kurzfristig am Freitagabend (10. Juni) ausgerichteten Trauerandacht vor dem Bürgerhaus in Bad Arolsen. Daran nahmen auch Schülerinnen und Schüler der Abschlussklasse R 10a teil, die die Attacke mit dem Auto überwiegend körperlich unversehrt überstanden und noch am selben Abend mit einem Bus eines örtlichen Unternehmens und mit Privatwagen von Eltern nach Hause gebracht wurden.

Nach mutmaßlicher Amokfahrt in Berlin: Trauerbewältigung in Bad Arolsen hat begonnen

„Tears in Heaven“ von Eric Clapton stimmten Bezirkskantor Jan Knobbe und der Gospelchor an, Menschen lagen sich in den Armen, Tränen flossen - das Unfassbare ist für viele noch nicht so recht in Worte zu kleiden.

Umso wichtiger war es Kirchengemeinden, Stadt und Schulleitung, zu einer improvisierten Andacht vor dem Bürgerhaus einzuladen, vor dem seit dem Beginn des Vernichtungskrieges Russlands am 24. Februar gegen die Ukraine Friedensgebete stattfinden.

„Gemeinschaft“ in Bad Arolsen nach der mutmaßlichen Amokfahrt in Berlin zeigen

Nun solle den Menschen nach der schrecklichen Amokfahrt in Berlin die Gelegenheit geboten werden, der „Sprache ihres Herzens Ausdruck zu geben“ und Gemeinschaft zu zeigen, um das Ereignis versuchen zu ertragen, sagte Pfarrer Gerhard Lueg.

Die Schüler der Abschlussklasse sollten bei der Berlinreise Spaß haben, aber auch lernen, dass sie in einer Demokratie ihre Stimme erheben können, so Lueg. Das wollte die Lehrerin in der Hauptstadt, Sitz der Bundesregierung und Standort des Bundestages, „Herz der Demokratie“, deutlich machen.

Nach mutmaßlicher Amokfahrt in Berlin: Passant reanimierte Lehrerin erfolglos

Doch dann ereignete sich die furchtbare Tat: „Wir sollen wir dies als Gesellschaft verstehen?“ Es stelle sich auch die Frage, „wie wir alle zueinander stehen.“

Mutmaßliche Amokfahrt in Berlin - Das war passiert

In Berlin fuhr ein nun als psychisch krank eingestufter Mann am Mittwoch (8. Juni), in der Nähe des Breitscheidplatzes, in eine Menschenmenge. Unter den Menschen war auch eine Schulklasse aus Hessen. Die Lehrerin der Schulklasse starb noch vor Ort. Der Täter wurde in eine Psychiatrie eingewiesen, ihm soll bald der Prozess gemacht werden.

Den Umstehenden an der Tauentzienstraße in Berlin war das Ereignis nicht egal, so Lueg. Nach dem Ende der Amokfahrt in einem Schaufenster unweit des täglich von Zigtausenden Passanten begangenen Kurfürstendamms habe ein Passant noch versucht, die tödlich verletzte Lehrerin auf der Straße zu reanimieren. Doch vergeblich.

Ersthelfer verhinderten Schlimmeres nach der mutmaßlichen Amokfahrt in Berlin

Andere kümmerten sich vor dem Eintreffen der Rettungskräfte um die Verletzten, deren Zahl inzwischen mit über 30 beziffert wird. Andere hielten den Fahrer des Kleinwagens fest, „handelten nicht in Rache, sondern halfen, weiteres Unglück abzuwenden“, stellte der Pfarrer in der Andacht fest.

Lueg betonte, wie wichtig es war, unmittelbar nach der Tat, Hunderte Kilometer entfernt, an der Kaulbach-Schule einen schützenden Raum mit Unterstützung der Polizei zu schaffen, in dem Informationen zusammenliefen und seelsorgerische und psychologische Betreuung organisiert wurden.

Nach der mutmaßlichen Amokfahrt in Berlin sitzt der Schmerz in Bad Arolsen tief

Schulintern hielt Pfarrer Jörg Hebrank, der zum Team der Notfallseelsorger zählte, eine Andacht, bei der der engagierten Lehrkraft gedacht wurde: Sie habe, berichtete Pfarrer Lueg, eine besondere Art gehabt, mit ihren Schülern umzugehen, sich Respekt verschafft, auch mit schwierigen Klassen umgehen können, echtes Interesse an den Fragen der Schülerinnen und Schüler gehabt.

Mit der Trauerandacht vor dem Bürgerhaus solle die Möglichkeit geboten werden, „hier jetzt Luft zu holen in einer Situation, in der uns die Luft genommen wurde“, sagte Pfarrer Gerhard Lueg.

Teilnehmer an der Trauerfeier in Bad Arolsen legen Blumen und Kerzen auf einer Treppe am Bürgerhaus nieder.
Bad Arolsen trauert um die bei einer Amokfahrt getötete Lehrerin von der Kaulbach-Schule. Schüler der R 10 a und ein Lehrer wurden zum Teil schwer verletzt. © Armin Haß

Viele fragten in der Region: „Warum denn schon wieder? Wir sind noch gar nicht fertig mit den Ereignissen vor zwei Jahren in Volkmarsen“ - als bei einer Amokfahrt am Rosenmontag über 90 Menschen verletzt wurden. Das Ereignis in Berlin haben Wunden geschlagen bei den Kindern, den Eltern und den Menschen in der Region. Wann wieder der Lehrer genesen werde, wann die Eltern wieder ihre verletzten Kinder in die Arme schließen könnten, frage man sich. „Der Täter darf nicht unsere Leben zerstören!“, betonte Pfarrer Lueg.

Bad Arolsen: Gottesdienst für Opfer der mutmaßlichen Amokfahrt in Berlin geplant

Zu einem späteren Zeitpunkt soll es einen offiziellen Gottesdienst zum Gedenken der Tat in Berlin geben, wie Pfarrer Gerhard Lueg berichtete. Unterstützt wurde er bei den abschließenden Fürbitten vom Kirchenvorstand sowie von Dekanin Eva Brinke-Kriebel, Pfarrer Christian Rehkate und dem katholischen Pfarrer Peter Heuel.

Es sei wichtig, einander Trost zuzusprechen und zu stärken, sagte Bürgermeister Marko Lambion. er unterstrich die Zusammenarbeit unmittelbar nach der Tat an der Schule durch den Krisenstab, Kollegium und Schulleitung hätten Großartiges geleistet.

Nach der mutmaßlichen Amokfahrt in Berlin: Runder Tisch für die Opferhilfe in Bad Arolsen

Der Runde Tisch werde in Bad Arolsen zur Koordination der finanziellen Unterstützung aus dem hessischen Opferfonds zusammenkommen, die Ministerpräsident Boris Rhein bei seinem Besuch am Donnerstag an der Kaulbach-Schule zugesagt habe. Mit der Trauerandacht vor dem Bürgerhaus solle die Möglichkeit geboten werden, „hier jetzt Luft zu holen in einer Situation, in der uns die Luft genommen wurde“, sagte Pfarrer Gerhard Lueg. (Armin Haß)

Die Ermittlungen zur Amokfahrt in Berlin laufen unterdessen auf Hochtouren.

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion