Dies ist seine Geschichte

Auschwitz, Zwangsarbeit, Todesmarsch: Dieser Mann überlebte den Holocaust nur knapp

Eric Imre Hitter: Er überlebte Auschwitz, Zwangsarbeit und zwei Todesmärsche

Als Eric Imre Hitter in Auschwitz ankommt, ist er 16 Jahre alt. Am 4. Juni, einem Sonntag, im Jahr 1944 wird er seine Eltern, seinen Bruder und eine Schwester das letzte Mal gesehen haben. Nach der Befreiung durch die Alliierten bekommt er die Nachricht, dass nur zwei Schwestern den Holocaust überlebt haben.

Aufgewachsen ist er im rumänischen Oradea Mare. Vater Ludwig betrieb dort mit seinem Bruder eine Destillierfabrik. Mutter Erszebet war Hausfrau. Schon früh ist die Familie Repressalien ausgesetzt. Vater und Onkel werden von ungarischen Gendarmen verhaftet, inhaftiert und gefoltert.

Dann wird die Familie in das Ghetto Koloszvar gesperrt, das in der Stadt Cluj-Napoca lag, wo heute knapp 330.00 Menschen leben. Cluj-Napoca gehörte bis 1940 zu Rumänien, ab 1940 gehörte es jedoch zu Ungarn, und stand damit unter deutschem Einfluss.

Einige Tage verbringt Eric in Auschwitz. Dem Lager, das in der tiefsten Hölle erdacht wurde, und in dem bis zu anderthalb Millionen Menschen ermordet wurden. In dem Lager, das höhnisch den Schriftzug „Arbeit macht frei“ über dem Haupteingang trägt.

Dann wird Eric in das Außenlager Wüstegiersdorf gebracht, ein Teil des Konzentrationslagers Groß-Rosen, das im heutigen Polen liegt. Etwa 40.000 Menschen sterben dort. Auch in Groß-Rosen hängt über dem Eingang der höhnische Spruch.

Eric muss schwerste Zwangsarbeit leisten, bis er zwischen dem 15. und 17. Januar 1945 auf einen Todesmarsch in das etwa 50 Kilometer entfernte tschechische Trutnov geschickt wird. Soziologen nennen die Märsche später kollektive Vernichtung. Für zehntausende ungarische Juden ist es der Gang in den Tod.

Gemeinsam mit Eric treibt die SS 8000 bis 9000 Menschen in drei Kolonnen nach Trutnov, wo sie in Viehwaggons geladen werden. Von dort werden sie wieder deportiert. Nach Bergen-Belsen, Ebensee oder Flossenbürg.

Mehr zum Internationalen Suchdienst (ITS) gibt es auf www.its-arolsen.org.

Eric überlebt und erreicht das KZ Flossenbürg nahe der Grenze zur damaligen Tschechoslowakei, wo mindestens 30.000 Menschen gestorben sind. Auch dieses KZ überlebt er. Jahre später sagt er, dass er einen Schutzengel gehabt haben muss. Es muss wohl eine Reihe an Schutzengeln gewesen sein. Denn nachdem er vom 16. bis 20. April 1945 im KZ Flossenbürg war, wird er auf einen weiteren Todesmarsch geschickt, der ihn fast das Leben kostet. Im etwa 57 Kilometer entfernten Schwarzenfeld befreien ihn amerikanische Truppen und bringen ihn in ein Krankenhaus.

Im Spätsommer 1945 kommt er in ein Camp für überlebende Kinder, das in Indersdorf in Bayern liegt. Von dort emigriert er im Oktober 1945 nach England. Heute lebt er mit seiner Frau und drei Kindern in Belgien. Seine Geschichte der Entwurzelung ist eine von Millionen.

Von Jürgen von Polier

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