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Haftungsfragen: In Nordwaldeck fallen viele Martinszüge aus

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Von: Elmar Schulten

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Kleines Theater-Anspiel zum Martinstag: Sankt Martin hoch zu Ross teilt seinen roten Mantel mit einem Bettler.
In Bad Arolsen und vielen Gemeinden Nordwaldecks fallen in diesem Jahr die Martinsumzüge aus. Das Foto entstand bei einem Anspiel im Kindergarten Rauchstraße und zeigt Jennifer Prehn als Sankt Martin auf ihrem Pferd Jolly Jumper, wie sie ihren Mantel mit einer Bettlerin (Lidia Ill) teilt. © Elmar Schulten

Auf große Martinsumzüge im Straßenraum müssen die Kinder in Bad Arolsen und vielen anderen Orten in Nordwaldeck diesem Jahr verzichten. Grund sind die von der Stadtverwaltung verschärften Anforderungen an die Sicherheit.

Bad Arolsen - Das war mancher Kindergartenleitung zu kompliziert und zu bürokratisch. Deshalb hat der evangelische Zweckverband der Kindertagesstätten entschieden, solidarisch auf alle Martinsumzüge im öffentlichen Straßenraum zu verzichten.

Die meisten Kindergarten wie der an der Rauchstraße veranstaltete daher ein Martinsfest mit den von den Kindern gebastelten Laternen auf dem eingezäunten Freigelände des Kindergartens. Am Morgen danach gab es ein kleines Anspiel mit Reiterin.

Tradition der Martinszüge nicht in Frage stellen

Stadtverordnetenvorsteher Gerd Frese machte in seiner Eigenschaft als CDU-Stadtverordneter und Ortsvorsteher von Wetterburg seinem Unmut im Haupt- und Finanzausschuss Luft: „Ich finde es sehr traurig, dass die schöne Tradition der Martinszüge möglicherweise nicht mehr stattfinden kann.“

Ihm sei zu Ohren gekommen, dass eine Kindergartenleitung sich außer Stande gesehen habe, das von der Stadt geforderte Sicherheitskonzept aufzustellen und mit einer Unterschrift als verbindlich zu erklären. Er habe den Eindruck, die Stadt habe hier nach den Amokfahrten von Volkmarsen und Berlin zu hohe Hürden aufgestellt.

Anmeldung beim Ordnungsamt war auch früher schon nötig

Bürgermeister Marko Lambion hielt dagegen, dass das Erstellen eines Sicherheitskonzeptes „wahrlich kein Hexenwerk“ sei. Wenn man sich rechtzeitig vorher im Ordnungsamt melde, gebe es auch Mitarbeiter, die beim Aufstellen eines solchen Konzeptes behilflich seien.

 Sankt Martin 2012 umringt von vielen Kindern vor dem katholischen Pfarrheim in der Großen Allee.
Ökumenische Feier zu Sankt Martin 2012 vor dem katholischen Pfarrheim in Bad Arolsen: Auch damals gab es schon offizielle Ordner und Sicherheitsvorkehrungen. © Elmar SChulten

Auch schon vor den Amokfahrten von Volkmarsen und Berlin sei es nötig gewesen, Martinsumzüge amtlich anzumelden. Nur so sei es möglich, dass die Verwaltung Feuerwehr und Polizei um die Absicherung der Festzüge bitte. Im Vorfeld solcher Umzüge sei es auch sinnvoll sich Gedanken über den am besten geeigneten Weg zu machen. Die Wegführung müsse kindgerecht und verkehrssicher sein.

Auch Weinfest und Weihnachtsmarkt mussten umplanen

Wenn im Dunkeln 100 Kinder mit ihren Laternen auf der Rauchstraße unterwegs sind, dann stelle das nunmal eine Gefahr da. Auch, wenn die Verwaltung auf ein Sicherheitskonzept verzichte, heiße das nicht, dass der Veranstalter von jeder Haftung freigestellt sei. Lambion räumte ein, dass es im konkreten Fall eine „sehr unglückliche Kommunikation“ gegeben habe. Auch künftig gelte in Bad Arolsen: „Martinsumzüge sind nicht verboten.“

Das Bemühen um möglichst umfassende Sicherheitskonzepte hat in Bad Arolsen schon zu einer grundsätzlichen Umplanung beim Weinfest und beim nächsten Weihnachtsmarkt geführt.

Haftung der Veranstalter reicht sehr weit

Weil sich der nach allen Seiten offene Kirchplatz nur sehr umständlich mit den Terrorsperren gegen Lastwagenangriffe schützen lässt, wurde das Weinfest auf den Platz vor dem Bürgerhaus ausgelagert.

Der Weihnachtsmarkt wird auf dem Schlosshof stattfinden. Die Trägerschaft liegt diesmal bei der Stadt, weil auch bei Handel, Handwerk und Gewerbe nur wenig Bereitschaft besteht, mit dem Privatvermögen für die Einhaltung der weitgehenden Regelungen des städtischen Sicherheitskonzeptes zu haften.

Früher war vieles nicht klar geregelt

„Die Auflagen der für die Abhaltung von Martinsumzügen kamen für die Kindergärten relativ plötzlich“, bestätigt Pfarrer Mathias Westerweg aus Ober-Waroldern, der kommissarisch die Leitung im Zweckverband der evangelischen Kindertagesstätte in Nordwaldeck übernommen hat.

Die schrecklichen Amokfahrten in Volkmarsen und Berlin hätten allen vor Augen geführt, was alles passieren könne und die damit verbundenen haftungsrechtlichen Fragen deutlich gemacht. Westerweg: „Das war vorher gar nicht so klar geregelt.“

Konzept für Martinszug 2023 vorbereiten

Nun stelle jede Kommune gefühlt ihre eigenen Regeln auf. Darauf habe der Zweckverband nicht so schnell reagieren können. Deshalb habe man entschieden, in diesem Jahr nur kleine Martinsveranstaltungen im geschützen Bereich der Kindergärten abzuhalten. Für das kommende Jahr strebe man nun ein einheitliches Konzept bei den Martinszügen an.

Er könne verstehen, dass viele Eltern enttäuscht über diese Entscheidung seien, immerhin habe man schon wegen Corona zwei Jahre auf Martinsumzüge verzichtet. Letztlich gehe es aber um die Sicherheit der Kinder. (Elmar Schulten)

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