Wen die wirtschaftliche Folgen treffen

Hallenfußball: Turnierverbot reißt teilweise Lücken in die Vereinskasse

Das Parkett bliebt dieses Jahr leer: Szene vom Mengeringhäuser Hallenmasters des Jahres 2019.
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Das Parkett bliebt dieses Jahr leer: Szene vom Mengeringhäuser Hallenmasters des Jahres 2019.

Die Absage jeglicher Hallenturniere durch den Hessischen Fußball-Verband ist bei potenziellen Veranstaltern im Fußballkreis auf ein unterschiedliches Echo gestoßen.

Vor allem Thomas Mertens, Geschäftsführer der Fußballsparte des TuSpo Mengeringhausen, hat eine sehr differenzierte Meinung zu dem Beschluss. „Aus pandemischer Sicht macht das Sinn“, betonte Mertens. Der TuSpo wollte nach einjähriger Pause sowohl sein Hallenmasters als auch den „Richard-Klein-Gedächtnispokal“ und den „Grün-Weißen Freundschaftscup“ zwischen Weihnachten und Silvester in der heimischen Sporthalle ausrichten.

Jetzt rollt die vierte Corona-Welle, und Mertens berichtete, man habe bereits darüber geredet, „ob das Turnier überhaupt in die Zeit passt“. Eine mögliche Absage durch den Verein selbst sei keineswegs ausgeschlossen gewesen. „Diese Entscheidung ist uns jetzt abgenommen worden.“ Auf der anderen Seite waren alle drei Turniere, die unter 2-Regeln ausgeschrieben und also offen nur für Geimpfte und Genesene waren, von der Stadt Bad Arolsen nach derzeitigem Stand genehmigt. Erst am Dienstag habe er sich das Okay bestätigen lassen, sagte Mertens.

TuSpo: Turnier bringt 20 Prozent des Jahresumsatzes

Es ist diese Diskrepanz zwischen lokaler Erlaubnis und allgemeinem Verbot durch den Verband, die Mertens zumindest irritiert. „Der Verband hat sich über die städtischen Gremien hinweggesetzt“, sagte Mertens, die Entscheidung sei ein bisschen „von oben herab“ getroffen worden.

Der gewichtigste Aspekt für den TuSpo ist ein finanzieller: Die Turniere haben für die Fußball-Abteilung eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. „Wir erzielen dadurch rund 20 Prozent unseres Jahresumsatzes“, sagte Mertens. Im Vorjahr sei der Verlust durch die Dezember-Coronahilfe aufgefangen worden, in diesem Jahr bleibe eine Lücke.

„Wir hatten für alle drei Tage gute Resonanz“, berichtete Mertens. Der Verein habe interessierten Teams sogar absagen müssen, weil er pro Turnier nicht mehr als zwölf Teilnehmer zulassen wollte. Mertens: „Wir hoffen jetzt, dass wir 2022 wieder unser Hallenturniere anbieten und die wirtschaftliche Lücke schließen können.“

Noch nicht so konkret wie beim TuSpo waren die Turnierplanungen der SSG Ense/Nordenbeck, „Wir hätten es gern durchgezogen“, sagte Vorsitzender Norbert Henkler aber. Er äußerte gleichwohl volles Verständnis für die Entscheidung des HFV: „Kann ich nachvollziehen und stimme voll zu“, sagte er. Kritisieren müsse man in dieser Lage die Nichtgeimpften, die laut Experten die meisten der rasant steigenden Neuinfektionen betreffen. Henkler trägt sich mit dem Gedanken, als Ersatz eventuell im Sommer ein Turnier im Freien anzubieten.

Für den TuS Bad Arolsen, der vor Corona gemeinsam mit dem Kreisfußballausschuss die Waldecker Kreismeisterschaften der Männer im Futsal ausgerichtet hatte, stellte sich die Turnierfrage erst gar nicht. „Da recht früh klar war, dass keine Kreismeisterschaften stattfinden, haben wir uns auch nicht drum gekümmert“, erklärte der Vorsitzende Carsten Strippel. In Zeiten wie diesen habe der TuS außerdem nicht ein Turnier planen wollen, „das dann vermutlich eh kurzfristig abgesagt worden wäre“.  (mn)

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