1. Startseite
  2. Lokales
  3. Frankenberg / Waldeck
  4. Bad Arolsen

Hans Köbberling blickt zurück auf 100 bewegte Jahre

Erstellt:

Von: Elmar Schulten

Kommentare

Ein älterer Herr mit grauen Haar hält ein gerahmtes Aquarell, das sein früheres Geschäftshaus am Arolser Kirchplatz ziegt.
Der frühere Geschäftsmann und engagierte Kommunalpolitiker Hans Köbberling feiert am 12. Mai 2022 seinen 100. Geburtstag in Bad Arolsen. © Elmar Schulten

Der frühere Eisenwaren-Händler und über Jahrzehnte engagierte Kommunalpolitiker Hans Köbberling feiert am heutigen Donnerstag (12. Mai 2022) im Kreise seiner Familie seinen 100. Geburtstag.

Bad Arolsen - Seine Tochter und seine drei Söhne haben den ehemaligen U-Boot-Fahrer dazu nach Kiel eingeladen, wo er in den 40er Jahren seine spätere Ehefrau Alste kennenlernte. In einem Restaurant nicht weit vom U-Boot-Ehrenmal Heikendorf wollen auch die neun Enkel und sieben Urenkel ihren Opa Hans hochleben lassen. Für den kommenden Montag haben seine langjährigen Weggefährten von der Arolser CDU gemeinsam mit der Familie einen Empfang im Welcome-Hotel geplant, zu dem auch Bürgermeister Marko Lambion und der Bundestagsabgeordnete Armin Schwarz eingeladen sind.

Schließlich hat Köbberling Anfang der 60er Jahre die Arolser CDU mitgegründet. Über Jahrzehnte gehörte er der Stadtverordnetenversammlung an und hat sowohl als CDU-Fraktionsvorsitzender und Mitglied im Kaufmanns-Verein Handel, Handwerk und Gewerbe die Entwicklung der Stadt in den 60er und 70er Jahren entscheidend mitgeprägt.

Bis zu 35 Mitarbeiter im Eisenwarenhandel

Hans Köbberling wurde am 12. Mai 1922 in Mengeringhausen geboren. Er wuchs in einem Tante-Emma-Laden auf, in dem es alles für den täglichen Bedarf zu kaufen gab: Butter, Mehl und Eier genauso wie Schrauben und Nägel.

In seinem eigenen Geschäft, das er in den 1950er in der Arolser Rathausstraße eröffnete, gab es auch Schrauben und Nägel und viele andere Dinge, aber keine Lebensmittel. In der Blütezeit seines Eisenwarengeschäftes beschäftigte Köbberling 35 Mitarbeiter, die Baustahl ebenso verkauften wie Waschmaschinen und Sanitärbedarf.

Von Mengeringhausen aufs Gymnasium gewechselt

Kein Wunder also, dass sich Köbberling im Stadtparlament gegen die Ansiedlung von Baumärkten auf der „grünen Wiese“ sträubte und auch einer Umgehungsstraße eher kritisch gegenüberstand. So sind der Innenstadt von Arolsen bis heute viele inhabergeführte Geschäfte erhalten geblieben. Das hält die Innenstadt belebt und lebenswert.

Aufgewachsen und eingeschult in Mengeringhausen hatte der aufgeweckte Junge die Gelegenheit, 1932 zusammen mit zwei weiteren Mengeringhäusern seines 70-köpfigen Jahrgangs auf das Arolser Gymnasium zu wechseln.

Kapitulation in Norwegen erlebt

Im Jahr vor der Abiturprüfung wurde sein Jahrgang zu den Waffen gerufen. Wenn er schon nicht um den Militärdienst herumkommen sollte, dann wollte er doch wenigstens die passende Teilstreitkraft selber auswählen.

So meldete sich Köbberling zur Marine. Auf dem Unterseeboot U1022 erlebte er als Oberleutnant zur See die Kapitulation im norwegischen Bergen. Mit einem britischen Geleitzug wurde sein Boot in den Hafen Scapa Flow überführt, wo die Mannschaft in Gefangenschaft ging.

Ehefrau in Kiel kennengelernt

In seinem Kriegsgefangenenlager, gab es nicht nur viele junge Männer ohne Schulabschluss, sondern auch einige engagierte Lehrer, die für die um ihre Jugend betrogene Generation Unterricht organisierte. Und so konnte Hans Köbberling nach einem Jahr intensivem Vorbereitungsunterrichts im britischen Lager die Abiturprüfung ablegen.

Das mit Maschine getippte Zeugnis der Reife trägt das Siegel des POW-Camp 18. Nach zwei Jahren wurde der junge Mann mit Abitur aus der britischen Kriegsgefangenschaft entlassen. 1947 kehrte er zurück nach Mengeringhausen in den Tante-Emma-Laden seiner Eltern. Ein Jahr später heiratete er seine Frau Alste.

Arolser Innenstadt mitgeprägt

Gemeinsam eröffneten sie 1953 das Eisenwarengeschäft in der Arolser Rathausstraße. Das Geschäft wuchs und wurde beinah im Jahresrhythmus um weitere Altadtparzellen erweitert. So wurde auch eine Halle angebaut, dort wo sich heute der Kik-Markt befindet. Hier gab es neben Maschinen und Schrauben auch alles für den Sanitär- und Heizungsbau.

Mitte der 80er Jahre trennte sich Köbberling schweren Herzens von seinem Lebenswerk und machte den Weg frei für eine neue geschäftliche Entwicklung auf diesem Kernstück der Arolser Altstadt. Im Ruhestand begann Köbberling, der in Wehrübungen den Jahren des Kalten Krieges den Dienstgrad eines Korvettenkapitäns (entspricht dem Major) erreicht hatte, sich mit der modernen Computertechnik anzufreunden.

Zwölf von 17 Klassenkameraden im Krieg gefallen

Aus amerikanischen Archiven besorgte er sich die Koordinaten der Untergangsstellen deutscher U-Boote. Die verortete er auf einer digitalen Weltkarte und versah sie mit den Namen seiner Kameraden.

Auch die Erinnerung an seine zwölf im Krieg gefallenen Klassenkameraden aus der Abschlussklasse des Arolser Gymnasiums schmerzt. Über viele Jahrzehnte war Köbberling Vorsitzender des Ehemaligenvereins der Christian-Rauch-Schule. Von 1983 bis 1995 war der regemäßig Kirchgänger Vorsitzender des Kirchenvorstands der Stadtkirchen-Gemeinde.

Fit am Computer

Als 100-Jähriger führt er immer noch seinen eigenen Haushalt, wenn auch mit regelmäßiger Unterstützung durch einen Pflegedienst. Sein schwindendes Augenlicht kompensiert er durch den Einsatz von Lupen. Aktuelle Bücher aus der Spiegel-Bestsellerliste scannt er selbstständig mit seinem Computer ein und liest sie stark vergrößert auf seinem Computerbildschirm. (Elmar Schulten)

Auch interessant

Kommentare