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Papagei Henry in Bad Arolsen vor einer ungewissen Zukunft

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Von: Armin Haß

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Herbert Wittmer befürchtet, dass er seinen über 60 Jahre alten Papagei Henry abgeben muss. Er hat ihn 1987 von seiner Schwiegermutter übernommen.
Herbert Wittmer befürchtet, dass er seinen über 60 Jahre alten Papagei Henry abgeben muss. Er hat ihn 1987 von seiner Schwiegermutter übernommen. © Armin Haß

Herbert Wittmer befürchtet, dass er seinen über 60 Jahre alten Papagei Henry abgeben muss. Er hat ihn 1987 von seiner Schwiegermutter übernommen.

Bad Arolsen – Henry ist schon ein Familienmitglied bei den Wittmers geworden. 1987 kam der Blaustirnamazonen-Papagei in den Besitz von Herbert Wittmer, der Arolser hatte den gefiederten Hausgenossen nach dem Tod der Schwiegermutter in Bochum übernommen - und muss ihm nun auf Anordnung des Veterinäramtes einen zweiten Papagei in einem erheblich größeren Käfig beigesellen - oder womöglich abgeben.

Seit Jahrzehnten Mitbewohner

Wittmer (80) lebt in seiner Wohnung allein mit dem bunten Vogel zusammen. Das Tier ist vermutlich schon 65 bis 70 Jahre alt. Die Schwiegermutter kaufte vor Jahrzehnten einen zweiten Artgenossen hinzu, damit Henry Gesellschaft hat. Doch das ging nach Auskunft von Wittmer nicht gut, also wurde der zweite Papagei abgeschafft.

Der bunte Vogel wurde zum munteren Hausgenossen, der sogar sprechen lernte. „Guten Tag! - Hallo! - Komm, hast du lecker?“ gehören zum Repertoire des Vogels.

Das Tierschutzgesetz

Aufgrund eines anonymen Hinweise bekam Wittner Besuch der Amtstierärztin, die sich ein Bild von der Unterbringung und Haltung des Vogels machte. Sie beanstandet, dass Henry allein lebt. Artgerechte Haltung laut Tierschutzgesetz bedeutet bei Papageien, dass die geselligen Vögel mindestens mit einem weiteren Artgenossen in einem ausreichend großen Käfig mit der Möglichkeit zum Fliegen leben.

Herbert Wittmer ist erschüttert über diese Anordnung. Jahrzehntelang habe der Papagei in der Familie problemlos gelebt und sei er auch gut betreut worden. Dass der Papagei sprechen kann und gepflegt aussieht, führt der Arolser auch auf die gute Versorgung zurück.

Weiterer Vogel wird zu viel

Der Papagei bekommt Körnerfutter, aber auch saftiges frisches Obst, dass Henry wie alle Artgenossen am liebsten frisst. Ansonsten knackt er gerne die Kerne, die im Futternapf bereitgestellt werden und ausdrücklich für Papageien im Handel verkauft werden. Der Blaustirnenamazone wird ab und an auch auf die Terrasse hinausgebracht, einmal die Woche wird das Gefieder im Bad abgebraust.

Herbert Wittmer fühlt , dass es Henry bei ihm gut hat. Einen weiteren Papagei wolle er in seinem Alter nicht mehr anschaffen, erklärt er. Es sei ja auch nicht sicher, dass sich der betagte Vogel mit einem weiteren Artgenossen wohlfühle. Wenn er wüsste, dass er den Vogel als Einzeltier behalten dürfte, würde er ihm schon einen größeren Käfig kaufen.

Hoffen auf Bestandsschutz

„Abgeben möchte ich ihn nicht“, sagt Wittmer traurig. Nach so langer Zeit würde Henry vermutlich eingehen, befürchtet er.

So hofft der Senior noch, dass Bestandsschutz für diese Wohngemeinschaft bestehen könne. Als seine Schwiegermutter vor gut 60 Jahren den Vogel erwarb, galten noch nicht so strenge Regelungen für die Haltung von Papageien.

Papagei älter als das Gesetz

Laut Tierschutzgesetz ist die Einzelhaltung erst seit 2005 verboten, da war Henry schon 18 Jahre bei Herbert Wittmer.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft lässt in einer Veröffentlichung auf seiner Webseite einen gewissen Spielraum zu, wenn es sich um Tiere handelt, die schon lange Zeit bei Menschen leben: „Papageien leben bis auf Ausnahmen paarweise oder in Gruppen. Sie sind grundsätzlich auch in der Obhut des Menschen so zu halten.

Das sind die Ausnahmen

Ausgenommen sind unverträgliche und derzeit vorhandene, nur auf Menschen geprägte sowie kranke oder verletzte Vögel. Dem Bedürfnis nach sozialen Kontakten ist durch Paarhaltung oder, bei begründeter Einzelhaltung, durch tägliche ausreichende Beschäftigung mit dem Vogel nachzukommen. Papageien können mit einer Reihe anderer Tierarten vergesellschaftet werden; auf Verträglichkeit ist zu achten.“

Sollte der Fachdienst des Landkreises für Lebensmittelüberwachung, Tierschutz und Veterinärwesen doch auf die Hinzunahme eines weiteren Papageis in einem größeren Käfig bestehen, würde Herbert Wittmer , wenn auch schweren Herzens, den Vogel abgeben, dann aber in gute Hände.  (Armin Haß )

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