Theater des Volksbildungsrings

Köstlich königliches Spektakel: Zuschauer begeistert von The King’s Speech

+
Unkonventionelle Methoden: Elizabeth, Herzogin von York (Daniela Kiefer) lässt unter Aufsicht von Sprachtherapeut Lionel Logue (Steffen Wink) die heiße, wütende Luft aus dem Brustkorb ihres Mannes, dem Herzog von York (Götz Otto) entweichen.

Bad Arolsen. Von der ältesten Firma der Welt, deren Business es ist, auf dem Thron zu sitzen, handelte das Schauspiel, das der Volksbildungsring in die Fürstliche Reitbahn des Welcome Hotels nach Bad Arolsen geholt hatte: The King's Speech.

„The King's Speech" - Die Rede des Königs basiert sowohl auf einer tatsächlichen Begebenheit als auch auf autobiografischen Zügen des Autors David Seidler. Für die Auseinandersetzung mit der Frage, ob es besser ist, einen Ehebrecher oder jemanden, der nicht einmal unfallfrei Fish und Chips bestellen kann, als König zu haben, ernteten die Schauspieler minutenlangen Applaus.

Götz Otto stellte den jungen Herzog von York, den zweitgeborenen Sohn des britischen Königs dar, der sich aufgrund seines Stotterns lieber im Hintergrund der royalen Familie aufhält, aber durch einen von seinem älteren Bruder verursachten Skandal schließlich doch in die Verlegenheit kommt, König zu werden. Im Anschluss an das Theaterstück fiel es Götz Otto bei der Akquise um Spenden für die Welthungerhilfe gar schwer, wieder normal zu sprechen, so sehr war er in seine Rolle des Stotterers vertieft. Doch ebenso wie der geheilte Herzog von York in den 30er Jahren vermochte es Otto die Stimme für ein Projekt zu erheben und sich Gehör zu verschaffen, für diejenigen, denen die Stimme fehlt.

Ebenso beeindruckend war die Leistung von Steffen Wink als königlicher Sprachtherapeut Lionel Logue. Allein mit seiner ungewöhnlich ausdrucksstarken Mimik verleitete er das Publikum entweder zum Lachen oder zum Nachdenken. Selbst den Herzog, der an seiner Erziehung und Etikette schier erstickt, bringt er dazu, dass das Lachen aus ihm herausbricht.

Die Hofetikette trat bei dem Stück wohltuend in den Hintergrund, wurde sogar modern interpretiert und teilweise ins Lächerliche gezogen. Fast unvorstellbar für britische Verhältnisse ist auch die Tatsache, dass der Sprachtherapeut Lionel genannt werden will und den angehenden König seinerseits Bertie nennt. Doch jemand, der nicht so unkonventionell gearbeitet hätte, hätte es mit der Therapie vermutlich gar nicht so weit gebracht.

Doch auch wenn der Herzog auf dem Weg der Besserung vieles ertragen muss, bei Tee aus Teebeuteln statt losen Blättern, die ihm der Australier Lionel anbietet, ist es aus mit der Überwindung. Und als selbst der Tee nicht mehr hilft, muss auch ein angehender König zum Whisky greifen, damit er den Krönungsthron und die damit verbundene Radioansprache nicht mehr als elektrischen Stuhl betrachtet.

Nach der französischen Komödie Tartuffe, der italienischen Oper La Traviata und dem englischen Schauspiel erwartet die Gäste des Volksbildungsrings am Sonntag, 22. Februar mit Kabale und Liebe von Friedrich Schiller ein deutscher Klassiker.

Von Heike Saure

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.