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Kranker Wald rund um Bad Arolsen braucht Unterstützer

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Von: Elmar Schulten

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Zwei Männer stehen auf einer   Windwurffläche im Wald. Hier wurden Vogelkirschen angepflanzt und mit stabilem Verbissschutz aus Holz gesichert.
Der Wald liegt ihnen am Herzen: Rolf Knippschild hat auf Geburtstagsgeschenke verzichtet und um Spenden für die Wiederaufforstung der Waldflächen rund um Arolsen gebeten. Achim Frese vom Fürstlichen Forstamt führte dem Spender jetzt vor, wo und wie das Geld verwendet wurde: Auf einer Windwurffläche wurden Vogelkirschen angepflanzt und mit stabilem Verbissschutz aus Holz gesichert. © Elmar Schulten

Tief bewegt vom schlechten Zustand der Wälder rund um Bad Arolsen hat Rolf Knippschild auf Geburtstagsgeschenke verzichtet und um Geldspenden für die Wiederaufforstung gebeten. 500 Euro überreichte der Arolser Geschäftsmann im Ruhestand an den Leiter der Fürstlichen Forstverwaltung, Achim Frese.

Bad Arolsen – An einer dieser Aufforstungsflächen in einem Waldstück zwischen Himmelswiese und dem Wildgatter hat die Forstverwaltung eine Erläuterungstafel mit Würdigung des Spenders angebracht. Hier erläuterte Frese die Zusammenhänge: Nach dem Sturm Friederike 2018 habe man die Strategie verfolgt, die umgeworfenen Fichten möglichst schnell aus dem Wald zu entfernen, um eine explosionsartige Vermehrung der Borkenkäfer zu verhindern.

Das habe nur wenig geholfen, weil in den folgenden trockenen Sommern die übrigen Fichten so geschwächt gewesen seien, dass sie sich gegen die sich stark vermehrenden Käfer unter ihren Rinden nicht wehren konnten.

Verbissschutz als Überlebenshilfe

So seien in den Jahren 2018, 2019, 2020 und 2021 die Fichten auf rund 500 von insgesamt 3000 Hektar Waldfläche im Fürstlichen Forst abgestorben. Die toten Stämme habe man entnommen, um dem Käfer nicht noch mehr Raum zur Vermehrung zu lassen, und um Platz zu machen für einen neuen Waldaufbau.

Dabei setze das Fürstliche Forstamt auf mehr Diversität. Mindestens drei bis vier Baumarten sollen künftig auf den Flächen wachsen, auf denen bisher fast noch Fichten standen. Die Fläche, die Rolf Knippschild mit seiner Geburtstagsspende sponsert, wurde mit Vogelkirschen bepflanzt. Damit die kleinen Pflänzchen nicht gleich vom hungrigen Rehwild angeknabbert werden, wurde jede einzelne Pflanze mit einem Verbissschutz, bestehend aus zwei Holzgestellen versehen.

Pflanze und Verbissschutz kosten zusammen rund sieben Euro. Auf großen Flächen kommen enorme Summen zusammen, die der Waldbesitzer investiert, in der Hoffnung, dass die Pflanzen angehen und gedeihen. Doch eine Anwachsgarantie gibt es nicht. Entscheidend ist das Wetter in den folgenden Sommern. Anhaltende Trockenheit kann schnell große Aufforstungsanstrengungen zunichtemachen. Und dann sind da noch die Rüsselkäfer, die sich gerne auf verrottenden Stümpfen toter Bäume vermehren. Auch sie finden Geschmack an frischen Pflanzen, weiß Frese.

Naturverjüngung und gezielte Anpflanzungen

Das Fürstliche Forstamt verfolgt daher eine gemischte Strategie bei der Wiederbewaldung: Ein Drittel der geschädigten Flächen wird sich selbst überlassen. Durch die sogenannte Naturverjüngung bekommen diejenigen Baumarten eine Chance, deren Samen schon lange im Waldboden schlummerten oder deren Samen von Vögeln und anderen Tieren verteilt wurden.

Das funktioniert erstaunlich gut, wie die alte Windwurffläche an der alten Bundesstraße B450 in Höhe der früheren Finnenbahn beweist. Nach dem Sturm Kyrill wurde diese Fläche von umgestürzten Stämmen geräumt und dann sich selbst überlassen. Über die Jahre wuchs hier ein neuer Wald heran, auf dem neun wirtschaftliche nutzbare Baumarten gedeihen. Inzwischen erfolgte hier eine erste Durchforstung durch Experten, um die gewünschten Baumarten in ihrem Wachstum zu stärken.

Tockenheit im Sommer überstehen

Neben der Naturverjüngung setzt das Fürstliche Forstamt auch auf gezielte Neuanpflanzungen mit standortgerechten Bäumen. Dabei vertraut man auf die Ergebnisse einer geologischen Bodenuntersuchung aller Waldflächen.

Auf Grundlage der jeweiligen Bodenbeschaffenheit werden diejenigen Baumarten für die Wiederbepflanzung ausgewählt, die hier die besten Überlebenschancen haben. Oft sind dies Douglasien, Roteichen, Vogelkirschen oder eine der vielen andere Baumarten, die mit der zunehmenden Trockenheit im Sommer voraussichtlich am besten zurechtkommen.

Keine Monokulturen mehr

Die Förster von heute werden in ihren Entscheidungen von ihren Nachfolgern in einigen Jahrzehnten beurteilt. Genauso geht es der Generation von Förstern, die sich nach dem Krieg für die Anlage von ausgedehnten Fichtenwäldern entschieden.

Solche Monokulturen soll es künftig nicht mehr geben, bekräftigt Frese. Mindestens drei oder vier unterschiedliche Baumarten sollen künftig nebeneinander gedeihen.

Ideal ist es, wenn Vögel die Menschen unterstützen und die Samen, etwa der Vogelkirsche aus dem von Rolf Knippschild gesponserten Waldstück weiterverbreiten. (Elmar Schulten)

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