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„Sie kommt in die Hölle“: 49-Jähriger soll Ehefrau mit Messer getötet haben

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Am Mittwoch (6. Juli) hat der Prozess gegen einen Mann aus Bad Arolsen begonnen, der seine Frau erstochen haben soll.

Bad Arolsen/Kassel – Unter großem Medieninteresse hat am Mittwoch, 6. Juli, vor dem Kasseler Landgericht das Verfahren gegen einen Iraker begonnen, dem vorgeworfen wird, seine Frau mit über 30 Messerstichen ermordet zu haben. Die Tat ereignete sich vor knapp einem Jahr in einem Haus in Bad Arolsen. Vor den Augen seiner fünf Kinder soll der 49-Jährige seine Frau damals erstochen haben.

Prozess gegen einen Mann aus Bad Arolsen: Wurde aus handgreiflichen Streitereien Mord?

Staatsanwältin Angela Rek zeichnete in ihrer Anklage das Bild einer zerrütteten Ehe, die in dieser Gewalttat ein schreckliches Ende fand. Demnach soll der Beschuldigte tief in seinem islamischen Glauben verwurzelt sein, über keinen Schulabschluss verfügen, weder rechnen noch schreiben können.

Seine 16 Jahre jüngere Frau hingegen fühlte sich von der europäischen Lebensweise angezogen, wollte Freunde finden und ein selbstbestimmtes Leben führen. Das allerdings konnte ihr Ehemann nicht akzeptieren. Die Folge waren häufige Streitereien, die auch handgreiflich endeten, so die Anklagevertreterin.

„Das hast du verdient“: Mordprozess gegen einen Mann aus Bad Arolsen hat begonnen

Blickkontakte zu anderen Männern untersagte der Angeklagte seiner Frau, hieß es. Aus Eifersucht drohte er laut Anklageschrift, mit den fünf Kindern im Alter von ein bis elf Jahren Deutschland zu verlassen und in den Irak zurückzukehren. Einen Monat vor der Tat habe er laut Staatsanwältin bereits mit einem Messer gedroht, die Mutter seiner Kinder zu töten.

Vor dem Landgericht in Kassel muss sich ein 49 Jahre alter Iraker verantworten. Er soll seine Ehefrau mit 30 Messerstichen getötet haben. Archivfoto: Matthias Schuldt
Vor dem Landgericht in Kassel muss sich ein 49 Jahre alter Iraker verantworten. Er soll seine Ehefrau mit 30 Messerstichen getötet haben. © Matthias Schuldt (Archiv)

Am 19. Juli 2021 blieb es laut Anklageschrift nicht bei einer Drohung. Mit einem langen Küchenmesser habe der 49-Jährige nachmittags in der Küche der Mietwohnung auf sein Opfer eingestochen, das aus Todesangst laut um Hilfe geschrien habe. Mindestens 30 Mal habe er in den Kopf, Oberkörper, Nacken und Hals gestochen. Dabei soll er geschrien haben: „Das hast du verdient.“ Zu den Kindern habe er nach der Tat sagt: „Sie kommt in die Hölle.“

Bad Arolsen: 49-Jähriger äußert sich im Mordprozess vor Gericht zu den Vorwürfen

Äußerlich emotionslos nahm der Beschuldigte die Anklage zunächst zur Kenntnis. Nach Rücksprache mit seinem Anwalt willigte er auf Frage des Vorsitzenden Richters Geisler ein, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Demnach kaufte das Ehepaar am Tattag in Kassel Möbel für die neu bezogene Wohnung in Bad Arolsen. Auch da schon, so sagte der 49-Jährige, sei es zu Streitigkeiten gekommen. Allerdings nichts Ernstes.

Zurück in Bad Arolsen ging der Zwist weiter. Die 32-Jährige setzte sich in das zweite Auto des Paares und fuhr davon. Kurze Zeit später sei er seiner Frau gefolgt, so der Angeklagte, dann aber zurück zu den Kindern gefahren. Nachdem seine Frau zurückgekommen sei, so der Beschuldigte, habe er versucht, den Streit zu schlichten und verwies auf die gemeinsamen Kinder. Als er konkret zum Tatablauf gefragt wurde, versagte ihm die Stimme, und er bat um eine Pause.

Mordprozess: Der Mann aus Bad Arolsen kann Tathergang nicht schildern

Als Gründe der Streitigkeiten nannte er nach der Unterbrechung den Umzug. Seine Frau sei unzufrieden gewesen, dass alles so lange dauere, beispielsweise noch immer keine Küche vorhanden sei. Gleichwohl, so antwortete er auf Nachfrage der Staatsanwältin, sei Trennung kein Thema gewesen. Vielmehr betonte er: „Sie war für mich alles.“

Den unmittelbaren Tathergang konnte der 49-Jährige indes nicht schildern. „Mir wurde schwarz vor Augen“, sagte er mehrmals. Ob der Auslöser die angebliche Äußerung seiner Frau war, er wisse gar nicht, ob die Kinder von ihm seien, blieb in der Verhandlung ungeklärt.

Waren häufige Streits die Vorboten für den Mord in Bad Arolsen?

Um den älteren Kindern eine Befragung vor Gericht zu ersparen, einigten sich die Parteien darauf, auf Videoaufzeichnungen zurückzugreifen, in denen sie sich zur Tat und dem Familienleben äußerten. Dabei ergab sich ein Bild, das kein harmonisches Familienleben widerspiegelte. Vielmehr war das Zusammenleben des Paares von permanenten Auseinandersetzungen geprägt.

Als Verantwortlichen für die häufigen Streitigkeiten machten die Kinder laut ihrer Videoaussage aber nicht allein den Vater, sondern auch die Mutter verantwortlich. Die Verhandlung soll am 13. Juli, ab 9 Uhr, fortgesetzt werden. (Peter Kilian)

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