Archivsuche führt in NS-Zeit

Name für neues, inklusives Sportzentrum in Bad Arolsen gesucht

Fußball im Richard-Beekmann-Stadion Bad Arolsen.
+
Fußball im Richard-Beekmann-Stadion Bad Arolsen.

Ein Name wird für das neue, inklusive Sportzentrum Bad Arolsen. Der Name für das bisherige Stadion ist mit der NS-Zeit verknüpft.

Bad Arolsen – Die Tage des Richard-Beekmann-Stadions sind baulich gezählt. Auch der Name wird nicht auf das geplante inklusive Sportzentrum übertragen werden. Darin sind sich die Stadt als Eigentümerin und der TuS als einer der wichtigsten Nutzer einig.

„Entlasteter“

Da die Amtszeit Beekmanns als Bürgermeister von Arolsen (1922 bis 1945) in die Zeit des Nationalsozialismus fiel und der Rathauschef auch der NSDAP beigetreten war, wird eine Beibehaltung des Stadionnamens als problematisch betrachtet, auch wenn Beekmann sich nicht als Nationalsozialist in besondere Maße hervorgetan hatte und nach dem Krieg als so genannter „Entlasteter“ von der Spruchkammer eingestuft wurde.

Der Magistrat hat eine Recherche im Archiv in Auftrag gegeben, um die Namensnennung 1952 zu klären und Näheres über den früherer Bürgermeister von Arolsen zu erfahren, der mit kurzer Unterbrechung von 1922 bis 1945 ihr Rathauschef war. Der aus Duisburg stammende Verwaltungsfachmann war bereits in Tiefenort bei Salzungen (Thüringen) Bürgermeister und kam 1922 nach Arolsen.

Sportanlage in NS-Zeit gebaut

1937 hielt er zur Inbetriebnahme des Stadions eine Ansprache vor höheren Nazi-Funktionären. Das Sportzentrum war auf den Namen des von den Nazi zum Märtyrer gemachten SA-Führer Horst Wessel benannt worden. Die Nazis forderten Ende der 30-er Jahre Beekmanns Absetzung, weil sie mangelnde Kontakte zur Partei beanstandete.

Richard Beekmann (1882 - 1952). Früherer Bürgermeister in Arolsen.

Es kam zu einer Beurlaubung, doch wurde er im Krieg wiedergewählt. Die amerikanischen Besatzer ordneten 1945 seine Absetzung an. In einer Personalakte wird Beekmann 1946 bescheinigt, kein Aktivist gewesen zu und seine Einstellung zu der NSDAP ehr als passiv zu bezeichnen. Das Fazit der der Archivrecherche über den Bürgermeister Beekmann lautet, dass keine gegenteilige Erkenntnis bestätigt werden könne.

Sehr geschätzter Bürgermeister

Richard Beekmann wurde von Kommunalpolitikern seiner Zeit bescheinigt, ein tüchtiger Bürgermeister gewesen zu sein, der die Finanzen durch einen Sparkurs in Ordnung gebracht und die Entwicklung des 2000 Einwohner zählenden Städtchens positiv beeinflusst zu haben.

Das geht aus dem Buch von Helmut Nicolai über Arolsen von 1954 hervor und einem Artikel der WLZ, der zum 70. Geburtstag Beekmanns 1952 erschien. Es gab eine Eingabe in die Stadtverordnetenversammlung, ihn zum Ehrenbürger zu ernennen. Das geschah nicht, doch das Stadion und das Freibad war nach ihm benannt worden.

Das Richard Beekmann-Stadion soll neu gebaut werden.

Beekmann selbst hielt als Bürgermeister 1937 eine kurze Rede zur Inbetriebnahme der Sportstätte zwischen Thiele-Aue und der Straße „Am Tannenkopf“. Damals war sie als „Horst-Wessel-Kampfbahn“ benannt worden, nach dem von den Nazis zum Märtyrer gemachten gleichnamigen SA-Führer.

Schild aus der Nazi-Zeit

Ein Schild mit diesem Namen ist nach den Worten von Bürgermeister Jürgen van der Horst immer noch am Eingangstor zum Stadion befestigt, sei aber zum Kriegsende überdeckt worden. Ein Holzbrett mit dem 1952 vergebenen Namen „Richard-Beekmann-Anlagen“ ist seit Jahrzehnten über dem Tor zum Stadion befestigt.

Die alten Schilder werden abgenommen, die Gebäude werden bald abgerissen. Nun wird ein neuer Name gesucht. Ein inklusives Sportzentrum könne nicht nach einem früheren Nationalsozialisten benannt werden, sagte van der Horst.

Vorschlagsrecht für Fußballer

Angemessen sei ein Name, der einen Bezug zur Umgebung herstelle, regte er an. Dem TuS Bad Arolsen, der mit seinen Fußballmannschaften wichtigster Nutzer des Stadions ist, steht nach den Worten des Bürgermeisters ein Vorschlagsrecht zu.

„Wir distanzieren uns von dieser Zeit und diesen Personen“, machte TuS-Vorsitzender Carsten Strippel bei einem Treffen zur Erläuterung der Neubau-Pläne deutlich. Der Vorstand habe sich mit dem Thema befasst. Der Verein wolle aber auch mit den Bürgern ins Gespräch kommen: „Es sollte ein einzigartiger, ein besonderer Name werden.“ (Armin Haß)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.