Bauarbeiten bis 2023

Natur, Erholung, Sport in der Thiele-Aue von Bad Arolsen für 4,6 Millionen Euro

Der Teich am alten Hallenbad im Thieletal Bad Arolsen soll erhalten bleiben.
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Der Teich am alten Hallenbad im Thieletal Bad Arolsen soll erhalten bleiben.

Das Konzept für die Umgestaltung und Renaturierung der Thiele-Aue Bad Arolsen wurde in einer Bürgerversammlung vorgestellt.

Bad Arolsen – Rund 60 Besucher verfolgten in der Stadthalle Mengeringhausen die Vorstellung der Pläne für die Renaturierung der Thiele-Aue und die Gestaltung als Naherholungs- und Freizeitgebiet für Jung und Alt. Immerhin sollen gut 4,6 Millionen Euro investiert werden.

EU-Richtlinie für Gewässer

Möglich ist das in Bad Arolsen nur, weil das Vorhaben aus einem Bund-Länder-Programm „Wachstum und Nachhaltige Entwicklung“ zu zwei Dritteln gefördert wird. Zudem bezuschusst das Land die von der EU-Wasserrahmenrichtlinie seit 2007 geforderte Renaturierung der Thiele mit 90 Prozent. Dafür allein sind 1,1 Millionen Euro veranschlagt worden.

Die weitaus größere Summe, 3,6 Millionen Euro, wird für die Gestaltung der Thiele-Aue von der Firma Essex bis hin zum Knusterweg eingeplant. Das Ganze soll in zwei Bauabschnitten ab diesem Herbst bis einschließlich 2023 realisiert werden.

Das ist mit dem Hallenbad geplant

Die städtischen Gremien haben die Renaturierung der Thiele-Aue mit einer Funktion als Kaltluftschneise und Neugestaltung, insbesondere aber den kompletten Abriss des heruntergekommenen und vor einer Woche durch Brandstifter zur Hälfte abgefackelten Hallenbads bereits vor gut zwei Jahren beschlossen.

Eine im April 2020 noch vom Magistrat ins Spiel gebrachte Nutzung der alten Schwimmhalle als überdachte Skaterbahn wurde aber verworfen: 220 000 Euro werden nach den Worten von Marco Tröger, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung, Bauen und Immobilien, ür die Neugestaltung als Freifläche kalkuliert, 315 000 Euro für den Erhalt.

Auch das Freibad muss abgebrochen werden

Der Abbruch wird nun in diesem Jahr erfolgen. Auch die Seitenwände des vor gut zwanzig Jahren lediglich zugekippten Freibads müssen - im Zuge der Renaturierung - entfernt werden.

Das gesamte Hallenbad mit Umkleidegebäude wird im Zuge der Umgestaltung der Thiele-Aue abgebrochen. Unser Bild entstand beim jüngsten Brand des inzwischen abgebrochenen Umkleidegebäudes..

Der jüngste Brand im Umkleidetrakt neben dem alten Hallenbad beschert der Stadt, die das Gelände 2019 von einem Privatbesitzer zurückgekauft hatte, übrigens höhere Kosten, so Tröger, weil etwa die fachgerechte Beseitigung des verbrannten Holzes mehr Aufwand verursacht.

Klettern und Skaten

An der Stelle sollen Wege und Anlagen für eine sportliche Betätigung geschaffen werden, etwa Skaterbahnen, Wände zum Bouldern (Klettern) oder Basketball-Körbe.

Blick über das Thieletal (im Vordergrund der westliche Bereich) zum Hebberg. Die Thiele mit ihrem dichten Baumbestand soll renaturiert, die Aue von Wegen durchzogen werden.

Das ganze Gebiet zwischen Essex und Knusterweg soll mit Wegen durchzogen werden. Die Thiele muss nach der EU-Richtlinie in einen naturnahen Zustand versetzt werden. Dazu müssen auch Rohre entfernt werden, die für einen schnelleren Abfluss etwas von Regen- und anderem Oberflächenwasser eingebaut worden waren. Alte Thieleläufe bleiben erhalten, um zehnjährige Hochwassermengen aufnehmen zu können.

Neue Kanalrohre verlegen

Der alte Ententeich soll erhalten werden, die Uferbereiche werden abgeflacht. Das Bild eines sich schlängelnden Baches mit Altarmen und Inseln wurde in der Stadthalle Mengeringhausen präsentiert. Wie genau die Thiele-Aue aussehen wird, das ist Sache des Planungsbüros, wie Susanne Engelns von der federführenden NH Projektstadt in Kassel berichtete.

Noch in diesem Jahr soll unter der Regie der Kommunalbetriebe Nordwaldeck der Hauptsammler für Mischwasser im Thieletal zwischen Essex und der Aar komplett erneuert werden. Dazu müsse aber nicht der Boden aufgegraben werde, sondern werde ein Inliner-Verfahren angewendet, erklärte Tröger. Dabei werden neue Rohre in die bestehende Leitungstrasse geschoben.

So werden Bürger beteiligt

Mit der ersten Bürgerversammlung zur Gestaltung der Thiele-Aue wird die Beteiligung von Bürgern nicht beendet sein. Anlieger des Thieletals werden in Versammlungen über die sie unmittelbar betreffenden Arbeiten zur Renaturierung des Baches und der Gestaltung der Aue informiert, schließlich durchzieht die Thiele auch Privatgrundstücke.

In einem Workshop am 5. August geht es um die Gestaltung speziell für Freizeit, Naherholung und Sport. Auf Anraten des Diskussionsteilnehmers und Lehrers Dr. Ulrich von Nathusius werden nun auch noch weiterführende Schulen angesprochen - schließlich geht es auch um Angebote für Jugendliche. Das geschätzte Durchschnittsalter der rund 60 Teilnehmer lag deutlich höher.

Anbinden an Wanderwege

Die Pläne fanden Anklang, etwa bei dem ehemaligen Wanderführer der Stadt, Siegfried Wagner. Er sieht Vorteile durch die geplante Verknüpfung der geplanten Wege in der Thiele-Aue über die Wilhelm-von-Humboldt-Straße in Richtung Allee.

Einerseits wurde die Aufwertung als Spazier- und Wanderwege gelobt, andererseits wird auch befürchtet, dass durch Skater eine höhere Geräuschkulisse im Bereich von Wohngebieten zunehme.

Pläne für Bäume und Sträucher

Angemahnt wird ein erhalt alter Bäume, die Tieren als Unterschlupf oder Nistmöglichkeit dienen. Angeregt wird die Schaffung von kleinen Gärten, die Pflanzung von Beerensträuchern und essbaren Kräutern.

Marko Tröger vom Fachbereich Stadtentwicklung, Bauen und Immobilien versicherte, dass in den Bestand der Bäume und Sträucher nicht in größerem Maße eingegriffen werde.

Pflegekonzept der Stadt

Geplant seien lediglich „Auflichtungen“ und Neuanpflanzungen. Ziel sei eine Stärkung der Artenvielfalt, besonders durch die Renaturierung des Baches.

Dabei würden auch Ruhezonen für Tiere, etwa durch kleine Inseln , geschaffen, die Wege möglichst naturnah angelegt.

Das Ganze wird von der Stadt gepflegt und bewirtschaft. Dafür wird es auch noch ein spezielles Konzept geben.

Anmelden für Workshop

Welche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, für Sport oder Naherholung in der Thiele-Aue geboten werden sollen, ist Thema eines Workshops, der ausgerechnet mitten in den Sommerferien stattfindet, am 5. August.

Anmeldungen werden erbeten, besonders von Vertretern von Interessengruppen und Vereinen. Maximal 20 Personen sollten es sein, um möglichst effektiv beraten zu können, so Susanne Engelns von der NH Projektstadt. Erwogen wird ergänzend eine Online-Beteiligung für Interessierte.

Einladungen an Jugendliche

Anregungen zur Beratung bei dem Workshop sollen bis zum 15. Juli an Dirk Homberger von der Stadtverwaltung, Telefon: 05691/801168, gerichtet werden. Die Stadt bietet die Teilhabe über Facebook und Instagramm an.

Auch sollen auf Wunsch aus den Besucherreihen noch Schulen angesprochen werden. Beteiligt sind Vertreter der Planungsbüros, der Stadt und der NH Projektstadt. Informationen zur Thiele-Aue werden auf der Webseite bad-arolsen.de gezeigt. (Armin Haß)

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