Nazi-Verbrechen: Suchdienst ITS stellt Daten erstmals online

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ITS geht online: Der Internationale Suchdienst in Bad Arolsen hat damit begonnen, Opferdaten im Internet zu veröffentlichen. Zu den ersten Daten gehören Informationen zu den so genannten Todesmärschen, bei denen die Nazis kurz vor Kriegsende die Häftlinge aus den Konzentrationslagern evakuierten. Das Foto zeigt ITS-Direktorin Prof. Dr. Rebecca Boehling .

Bad Arolsen. Der Internationale Suchdienst ITS in Bad Arolsen hat damit begonnen, einen Teil seiner Datenbestände zu Opfern des Nazi-Regimes im Internet zu veröffentlichen. 

Damit soll Wissenschaftlern und interessierten Laien, aber auch Hinterbliebenen von Opfern die Möglichkeit gegeben werden, Nachforschungen am heimischen Computer anzustellen.

Der ITS (International Tracing Service) in Bad Arolsen ist ein Zentrum für Dokumentation, Information und Forschung über die nationalsozialistische Verfolgung, NS-Zwangsarbeit und den Holocaust. Der ITS gehört zum Welt-Dokumentenerbe.

In dieser Woche werden drei große Datensammlungen veröffentlicht. Es sind dies zum einen Informationen und Namen zu Häftlingen, die bei den so genannten Todesmärschen in den letzten Kriegstagen aus den Konzentrationslagern evakuiert wurden und unterwegs zu Tode kamen. Außerdem werden die Namen des so genannten Kindersuchdienstes veröffentlicht, der nach dem Krieg versuchte, Eltern und Kinder, die in den Wirren des Kreises von einander getrennt wurden, wieder zusammenzuführen. Das gelang in vielen tausend Fällen. Bis in das Jahr 2015 kann der Suchdienst immer wieder Familienangehörige in aller Welt aufspüren und mit einander vereinen.

Hinter der jetzigen Veröffentlichung steht daher auch die Hoffnung, 70 Jahre nach Kriegsende vielleicht doch noch die eine oder andere Familienzusammenführung zu ermöglichen. Denn es gilt: Wenn es heute noch Überlebende des Nazi -Terrors gibt, dann waren sie bei Kriegsende im Kindesalter

Schließlich veröffentlicht der Suchdienst Daten und Fotos zu den so genannten Effekten. Das sind die persönlichen Gegenstände, die den Häftlingen abgenommen wurden, für die Verwaltung in den Konzentrationslagern keine Geldwert hatten, dafür aber für Hinterbliebene heute von unschätzbarem emotionalen Wert sein können.

Dazu gehören Fotos, Briefe, in Einzelfällen auch Taschenuhren oder Zigarettenetuis. Von diesen effekten verwahrt der Suchdienst in Bad Arolsen heute noch etwa 3300 Stück, die nach Möglichkeit den Eigentümern oder ihren Erben zurückgegeben werden sollen.

Suchdienst-Direktorin Prof. Dr. Rebecca Boehling berichtete, dass der Suchdienst mit der Veröffentlichung der Daten die von seinem internationalen Kontrollgremium gestellte Aufgabe erfülle. Weitere Datensätze sollen folgen. (es)

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