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Ökumenischer Gedenkgottesdienst in Bad Arolsen für Opfer der Amokfahrt von Berlin

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Von: Elmar Schulten

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Gedenkgottesdienst in der katholischen Kirche von Bad Arolsen. Um den Altar stehen vier Männer und zwei Frauen.
Fürbitten für die Opfer der Amokfahrt: Kultusminister Alexander Lorz, stellvertretende Schulleiterin Sandra Riebeling, Bürgermeister Marko Lambion, Dekanin Eva Brinke-Kriebel sowie die Pfarrer Peter Heuel und Jörg Hebrank. © Elmar Schulten

Als Ausdruck der Trauer und Zeichen für Zusammenhalt, Zuversicht und Hoffnung hatten die Stadt Bad Arolsen, das Land Hessen und die Schulgemeinde der Kaulbachschule zu einem ökumenischen Gedenkgottesdienst eingeladen.

Bad Arolsen – Rund 50 Opfer der Amokfahrt von Berlin und ihre Angehörigen erinnerten in der katholischen Kirche von Bad Arolsen an die am 8. Juni als Begleiterin einer Klassenfahrt uns Leben gekommene Lehrerin der Kaulbachschule. Zahlreiche Schüler sowie ein weiterer Lehrer der Kaulbachschule wurden bei der Amokfahrt verletzt, einige von ihnen so schwer, dass sie sich mehreren Operationen unterziehen mussten.

„Aber Heilung und Trauer brauchen Zeit“, brachte Kultusminister Alexander Lorz die Situation auf den Punkt. Er würdigte die Leistung aller Rettungskräfte in Berlin, der Notfallseelsorger, Psychologen und Schulsozialarbeiterinnen, die unmittelbar nach der schrecklichen Tat aber teilweise auch noch bis heute wertvolle Hilfe leisteten.

Opfer werden nicht alleingelassen

Besonders wandte sich der Kultusminister an die Familie der bei der Amokfahrt getöteten Lehrerin und an die Schüler der Klasse 10a, die nicht nur körperliche, sondern auch seelische Verletzungen davongetragen haben: „Wenn etwas trösten kann, dann nur das Wissen, dass Sie nicht allein sind.“ Das ganze Land Hessen fühle mit den Opfern. Und der Gottesdienst solle ein Zeichen setzen gegen Hass und Gewalt.

Ähnlich äußerte sich auch Bürgermeister Marko Lambion: Die Stadt Bad Arolsen werde immer eine Anlaufstelle für die Opfer sein, wenn sie Hilfe benötigten: „Wir stehen miteinander und füreinander ein. Die Solidarität und Anteilnahme geht weit über die Stadt hinaus.“

Die Leichtigkeit ist weg

Das bekräftigte auch die stellvertretende Schulleiterin Sandra Riebeling, als sie auf die vielen mitfühlenden Briefe und E-Mails einging, die nach der Tat in der Schule eingegangen seien.

Blick in eine volle  Kirche. Die hohen Bögen der neugotischen Kirche haben eine momumentale Wirkung.
Gedenkgottesdienst in der katholischen Kirche von Bad Arolsen für die Opfer der Amokfahrt vom 8. Juni in Berlin. Um den Altar der katholische Pfarrer Peter Heuel, Dekanin Eva Brinke-Kriebel, und der evangelische Pfarrer Jörg Hebrank. © Elmar Schulten

Das ändere aber nichts daran, dass für die Schüler nun nichts mehr sei wie es war: „Man hat euch die unbeschwerte Kindheit und Leichtigkeit genommen. Es wird nun immer ein vorher und nachher geben.“

Mit Gott im Gespräch bleiben

Auch nach drei Wochen sei alles so unfassbar, stellte der katholische Pfarrer Peter Heuel fest. Es stellten sich viele Fragen, auf die es aber wohl nie eine Antwort geben werde. In dieser Situation suchten viele nach dem Beistand Gottes.

Diesen Gott dürfe man auch ruhig einmal kritisch hinterfragen, das halte der schon aus, ergänzte die evangelische Dekanin Eva Brinke-Kriebel. Immerhin bleibe man mit solchen Fragen im Gespräch mit Gott wie mit einem guten Freund, dem man alles sagen könne.

„Nach einer Erfahrung, wie ihr sie gemacht habt, ist alles erlaubt: „Ihr dürft schreien, schimpfen, weinen, aber irgendwann auch wieder lachen und euch über euren Abschluss freuen.“ Den Schülern wünschte sie, dass sie zurück in ihr Leben finden. (Elmar Schulten)

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