Von Schließung bedroht

Landwirte und Metzger machen sich stark für regionalen Schlachthof in Mengeringhausen

Treten für Erhalt des Schlachthofes ein, von links: Metzger Günter Fritz, Silvia Schermann und Bernd Hübner(Gut Kappel), Praktikant Farel Mock, Horst Meyer (Bioland), Ulrich Kammandel (Naturland) und Öko-Landwirt Reinhard Nagel (Bioland). Im Hintergrund Waldecker Rotvieh, das neuerdings auf Gut Kappel gehalten wird.
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Treten für Erhalt des Schlachthofes ein, von links: Metzger Günter Fritz, Silvia Schermann und Bernd Hübner(Gut Kappel), Praktikant Farel Mock, Horst Meyer (Bioland), Ulrich Kammandel (Naturland) und Öko-Landwirt Reinhard Nagel (Bioland). Im Hintergrund Waldecker Rotvieh, das neuerdings auf Gut Kappel gehalten wird.

Landwirte und Metzger machen sich stark für regionalen Schlachthof in Mengeringhausen. Das Aus droht.

Arolsen-Mengeringhausen – Landwirte, ein Metzger und Beschäftigte der Viehverwertung forderten am Mittwochabend auf Gut Kappel den Erhalt der Schlachtstätte in Mengeringhausen.

Sanierung abgelehnt

Ihre Zukunft ist nun offen. In der vorigen Woche hat die Generalversammlung der Landwirtschaftlich Vieh- und Fleischvermarktung Nordhessen gegen eine Investition von rund vier Millionen Euro votiert.

Würde sie geschlossen, gäbe es im Landkreis keine öffentliche Schlachtstätte mehr. Und dagegen sprachen sich sowohl konventionell wirtschaftende als nach Öko-Richtlinien wirtschaftende Viehzüchter, der Metzger Günter Fritz aus Mengeringhausen und Mitarbeiter des Unternehmens aus.

Erster Anlauf 2020

Bereits 2020 hatten sich als Vertreter der Bioland-Regionalgruppe, Horst Meyer (Dehringhausen) und Reinhard Nagel (Nieder-Waroldern) für den Aufbau einer regionalen Schlachtstätte mit Bio-Zertifizierung im Rahmen einer Erzeugergemeinschaft stark gemacht, um lange Transportwege zu vermeiden und auch unter dem Siegel „Bio aus Hessen) weiter Fleisch vermarkten zu dürfen.

Da war der Schlachthof Bad Wildungen nach einer Havarie zu und besteht seither im Landkreis nur noch der Betrieb in Mengeringhausen. Die Bemühungen um den Aufbau einer Ökomodell-Region Waldeck-Frankenberg oder für die Direktvermarktung unter dem Label „Regionales Waldeck-Frankenberg“ erforderten auch eine heimische Schlachtstätte, sind sich konventionell wie nach Öko-Richtlinien wirtschaftende Bauern einig.

Betrieb unter Auflagen

Derzeit ist der Betrieb der auch nach Bio-Richtlinien zertifizierten Schlachtstätte wegen der hohen Auflagen eingeschränkt: Bernd Marpe, über 40 Jahre für den Viehaufkauf und den Transport bei der LVF tätig, beziffert die Menge in der Woche mit 70 Schweinen, Großvieh darf nicht mehr geschlachtet werden und wird derzeit zu einem Betrieb im Hochsauerlandkreis gebracht.

Der Mengeringhäuser Metzger Günter Fritz wird schon von den Kunden gefragt, wie es weitergehe. Er selbst bietet nur Erzeugnisse aus regional geschlachtetem Vieh an. Bioland-Milchviehhalter Nagel sieht Chancen für den Betrieb einer Schlachtstätte im Waldecker Land. Er verweist auf den erfolgreichen Aufbau der Upländer Bauernmolkerei.

Politiker gefragt

„Eine Ökomodell-Region darf es nicht nur auf dem Papier geben“, fordert Bernd Hübner, seit 2021 Inhaber von Gut Kappel, politische Unterstützung. Es gehe es um den Erhalt der Landwirtschaft und der Kulturlandschaft.

Hübner hat auf Rotes Höhenvieh, speziell auf das genetisch definierte Waldecker Rínd, umgestellt. Zusammen mit Prinz Carl Anton zu Waldeck und Pyrmont will er ab 1. Oktober in einer Zuchtgemeinschaft auf Gut Kappel und Weiden unterhalb des Schlossteiches Rotvieh halten. Dieses Höhenvieh war früher in den hessischen Mittelgebirgen als Dreinutzungsrind eingesetzt worden - als Zugtier, zur Milch- und Fleischproduktion.

Gefährdete Rasse

Die Rasse gehört zu den gefährdeten Haustierrassen und wird vom Land Hessen besonders gefördert. Bei Gen-Untersuchungen waren Hinweise auf den ausgestorbenen Auerochsen nachgewiesen worden. (Armin Haß)

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