Gebäude wird nicht benötigt

Sechs Mio. Euro für nichts: Neue Flüchtlingsunterkunft bleibt leer

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Während der Bauarbeiten: Die neuen Flüchtlingsunterkünfte auf dem Mengeringhäuser Hagen bleiben nach derzeitigem Stand ungenutzt.

Bad Arolsen. Das Land Hessen hat die Außenstelle der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung im Bad Arolser Stadtteil Mengeringhausen in dieser Woche offiziell „passiv" gestellt.

Der vor wenigen Wochen im Landkreis Waldeck-Frankenberg für rund sechs Millionen Euro in Rekordzeit fertiggestellte Neubau-Komplex aus vier Wohngebäuden für 528 Flüchtlinge und einer Verwaltungseinheit im ehemaligen Georg-Friedrich-Kasino wird nun vorerst nicht benötigt.

Die Zahlen der neu eintreffenden Flüchtlinge sind so weit gesunken, dass auch in absehbarer Zeit nicht mit einer Inbetriebnahme gerechnet wird.

Das sah noch ganz anders aus, als Ende September vergangenen Jahres die Anweisung aus Wiesbaden an die Stadt Bad Arolsen erging, über Nacht Flüchtlingsunterkünfte in den drei Mengeringhäuser Hallen einzurichten.

Bürgermeister Jürgen van der Horst gehorchte dem Ministerbefehl gemäß Katastrophenschutzgesetz, stellte die Hallen in der Altstadt zur Verfügung und bereitete gleichzeitig ein „Ausstiegsszenario“ in Form von neu zu bauenden Unterkunftsgebäuden auf dem Mengeringhäuser Hagen vor. Die Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung Gießen wurde gegen anfängliche Widerstände aus Wiesbaden in Mengeringhausen begonnen und kürzlich fertiggestellt.

Am Mittwoch nun trat der Hessische Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner, in Wiesbaden vor die Presse und stellte das aktualisierte Standortkonzept der Landesregierung zur Unterbringung von Flüchtlingen vor: „Die Zugangssituation ist derzeit so, dass wir unsere Unterbringungskapazitäten weiter reduzieren.“

Grüttner betonte: „Damals war es das Gebot der Stunde, mit allen Mitteln Unterkünfte zu schaffen, und es ist uns in einer riesigen Gemeinschaftsleistung gelungen, Obdachlosigkeit zu vermeiden. Jetzt gilt es, die Kapazitäten maßvoll anzupassen.“

Kernpunkt des aktualisierten Konzepts ist die Reduzierung der aktiven Erstaufnahme-Standorte von 19 auf 11 Einrichtungen mit insgesamt ca. 14 000 Plätzen. Hiervon werden rund 5000 Plätze so organisiert, dass diese je nach Auslastung flexibel zu- oder abgeschaltet werden können.

In Waldeck-Frankenberg sind von den Zurückstufungen das ehemalige LaLeLu-Land in Korbach und der Neubau auf dem ehemaligen Kasernengelände in Mengeringhausen betroffen.

Während die ehemalige Korbacher Erstaufnahmeeinrichtung, die bisher als „passiv“ geführt wurde, nun ganz geschlossen wird, ändert sich der Status in Mengeringhausen von „aktiver Standort“ auf „passiv“.

Von Elmar Schulten

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