Auch "Haus am Wald" in Laisa betroffen

Corona: Tagespflegen in Waldeck-Frankenberg müssen geschlossen bleiben

Tagespflege in Laisa (Landkreis Waldeck-Frankenberg: Das Haus muss wegen der Corona-Krise geschlossen werden.
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Tagespflege in Laisa: Das "Haus am Wald" von Claudia Bauer muss wegen der Corona-Krise geschlossen werden.

Im Landkreis Waldeck-Frankenberg müssen die Tagespflegen müssen geschlossen bleiben. Grund ist die Ausbreitung des Coronavirus.

  • Tagespflegen im Landkreis Waldeck-Frankenberg schließen wegen der Ausbreitung des Coronavirus
  • Viele Mitarbeiter sind von Schließung betroffen
  • Angst vor Ansteckung

Mit der 2. Verordnung zur Bekämpfung des Corona-Virus hat die Landesregierung alle hessischen Tagespflege-Einrichtungen für Senioren mit sofortiger Wirkung geschlossen. Diese Entscheidung soll eine weitere Ausbreitung des Coronavirus eindämmen. Ambulante Pflegedienste arbeiten weiter. 

Während große Träger wie der DRK-Kreisverband Frankenberg oder das Waldecksche Diakonissenhaus Sophienheim in Bad Arolsen neben der Tagespflege auch stationäre Wohnheime und ambulante Dienste betreiben und damit wirtschaftlich „auf mehreren Beinen“ stehen, trifft die Verordnung das „Haus am Wald“ im Battenberger Stadtteil Laisa mit voller Härte. 

"Haus am Wald" in Laisa

„Wir sind mit einem fast 30-köpfigen Team von montags bis freitags für die Tagesbetreuung von Senioren im oberen Edertal tätig. Dabei kommen über 60 Tagesgäste zu uns“, sagt Geschäftsführerin Claudia Bauer. 

Sie habe am Dienstagmorgen erfahren, dass sie ihre Tagespflege vorläufig schließen muss, sagt Bauer. Das treffe zum einen knapp 30 Mitarbeiter in den Bereichen Pflege, Betreuung und Hauswirtschaft bis zum Fahrdienst. In erster Linie aber die Senioren, die „seit 2011 sehr gern tagsüber in unser Haus kamen und denen hier ein Stück Lebensfreude vermittelt wird.“ Sie haben mit allen Angehörigen gesprochen und bis auf zwei Fälle dafür sorgen können, dass die älteren Menschen tagsüber anderweitig betreut werden. 

Grundsätzlich zeigt die Geschäftsführerin Verständnis: „Ich bin überzeugt, dass alle in Wiesbaden ihr Bestes geben. Unser Berufsverband hält diese außergewöhnliche Maßnahme für dringend geboten, auch wenn man sich für die betriebliche Organisation ein wenig mehr Vorlaufzeit gewünscht hätte.“ Einige Angehörige hätten ihre Senioren aus Angst vor Ansteckung durch das Virus bereits vor der Schließung aus der Tagespflege abgemeldet. 

Großes Lob zollt Bauer ihren Mitarbeitern: „Ich bin allen dankbar, die bis zur letzten Stunde hier gearbeitet haben.“ Sie sei „sehr optimistisch, dass es in vier oder fünf Wochen ganz normal weitergehen wird“, sagt Bauer.

Diakonissenhaus Bad Arolsen

Die Schließung war laut Pfarrer Oswald Beuthert, Vorsteher des Waldeckschen Diakonissenhauses Sophienheim in Bad Arolsen im Landkreis Waldeck-Frankenberg, zu erwarten. Das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus war trotz des Betretungsverbotes für Dritte schon allein deswegen höher als in den komplett geschlossenen stationären Einrichtungen, weil durch die Kontakte der Senioren außerhalb der Tagespflegen weitere Einflüsse in die Einrichtungen hinzukamen.

Zum Schutz vor der Ausbreitung des Coronavirus geschlossen: Auch die Tagespflegeeinrichtung des Waldeckschen Diakonissenhauses in Bad Arolsen im Landkreis Waldeck-Frankenberg mit insgesamt 30 Plätzen ist betroffen. 

Warum blieben sie dann geöffnet? „Die Leute brauchen die Tagespflege, sie dienen der Entlastung von Angehörigen und sie sind für die alten Menschen wichtig, weil sie soziale Kontakte ermöglichen“, sagt Pfarrer Beuthert. Für Angehörige von sogenannten systemrelevanten Berufen, also Polizisten, Ärzte oder auch Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen, dürfen laut Verordnung Ausnahmen gemacht werden - auch im Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Um das Risiko einer Infektion mit dem gerade für ältere Menschen so gefährlichen Coronavirus zu verringern, wurden schon verschärfte Hygieneregeln eingeführt.

Senioren entscheiden sich gegen Besuch

Allein das WDS betreibt drei Tagespflegeinrichtungen mit insgesamt 30 Plätzen in Bad Arolsen im Landkreis Waldeck-Frankenberg, aufgeteilt auf zwei große Räume, 15 in Asel und zwölf in Adorf. Doch blieben wegen der Coronakrise in den vergangenen Tagen Senioren den Einrichtungen fern. Angehörige brachten die älteren Menschen nicht oder Senioren entschieden sich gegen den täglichen Besuch.

Nun müssten andere Wege der Betreuung organisiert werden. Wie, das bleibe im Einzelfall zu klären, so Beuthert. Für die Pflegekräfte im WDS mit den Seniorenpflegeheimen in Bad Arolsen, Flechtdorf, Asel und dem mit ihm verbundenen Altenpflegeheim Auf der Burg in Frankenberg ist das Arbeiten unter den verschärften Bedingungen zum Infektionsschutz psychisch anspruchsvoller und physisch belastender geworden.

Hygienestandards verschärft

Neben den üblichen Hygienestandards wurden zur Eindämmung des Coronavirus zusätzliche Schulungen veranstaltet.

Neben der persönlichen Hygiene betrifft dies auch die Organisation der Tagesabläufe und Besprechungen, bei denen auch die Mindestabstände eingehalten werden müssen.

Die Häuser waren aus Sicht von Pfarrer Beuthert rechtzeitig geschlossen worden. Für viele der betreuten alten Menschen ist dies eine besondere Belastung, wenn sie ihre Angehörigen nicht mehr sehen können. Durch Telefonate oder Video-Kontakte werde versucht, die Verbindung zu halten.

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