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Bad Arolser Flüchtlingshelferin berichtet über Wege durch die Bürokratie

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Von: Armin Haß

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Der erste Bus mit 45 Flüchtlingen aus der Ukraine kommt am 9. März 2022 in Waldeck-Frankenberg an.
Der erste Bus mit 45 Flüchtlingen aus der Ukraine kommt am 9. März 2022 in Waldeck-Frankenberg an. © Stefanie Rösner

Eine ehrenamtlich Flüchtlingshelferin berichtet aus dem Bad Arolser Raum über Verzögerungen bei Hilfen für Ukrainer.

Bad Arolsen – Flüchtlinge aus der Ukraine warten auch nach ein paar Monaten in Deutschland noch auf konkrete Hilfen: So fehlen noch Anmeldungen zu den Krankenversicherungen oder hapert es bei den regelmäßigen Hilfen für den Lebensunterhalt.

Sie bekommen Hilfe

Für ehrenamtliche Helfer wie Julia Mackenroth aus Mengeringhausen gestaltet sich die Arbeit schwierig. Sie kümmert sich schwerpunktmäßig um Geflüchtete in Landau. Allein in dem Stadtteil leben über 50 Menschen aus dem osteuropäischen Land, das am 24. Februar von Russland überfallen wurde. Julia Mackenroth wurde in Odessa geboren, lebt seit 1992 in Deutschland und hat hier mit der Familie Wurzeln geschlagen.

Sie hat engeren Kontakt zu 30 Flüchtlingen in Landau, darunter eine Cousine, die aus der Stadt an der Schwarzmeerküste stammt. Mit ihren Russischkenntnissen ist sie vielen eine Hilfe. Doch diese Unterstützung hat durch den zusätzlichen Aufwand für Behördengänge ihre Grenzen für die Mengeringhäuserin, die die Freiräume der Elternzeit für das Engagement als Flüchtlingshelferin nutzt.

Darauf warten Geflüchtete

Sie berichtete in einem Gespräch mit der WLZ von Menschen, die seit dem Vorschuss von 200 Euro seit April noch keine Sozialleistungen bekommen hätten, Flüchtlinge lebten hier schon zwei, drei Monate ohne Krankenversicherung. Die vom Landkreis ausgestellten Behandlungsscheine gelten nur für eine begrenzte Zeit.

Das führt zu Schwierigkeiten bei Arztbesuchen, auch in Notfällen, wenn keine Krankenversichertenkarte vorliege. Hier wünsche sie sich mehr unbürokratische und flexiblere Hilfen. Nach ihrer Erfahrung hapert es an der Übermittlung von Daten hier gemeldeter Flüchtlinge vom Landkreis an das Job-Center, das für die Sozialleistungen, also auch für die Krankenversichertenkarten zuständig ist.

Das erklärt der Landkreis

Über diese langen Verzögerungen klagen auch andere Helfer. Dazu teilte der Landkreis kürzlich mit: Aktuell arbeite der Landkreis unter Hochdruck daran, alle Anträge möglichst schnell abzuschließen. Dafür seien die Teams der beteiligten Fachdienste „temporär zusätzlich noch einmal durch weitere Kräfte verstärkt worden.“

Durch die große Menge der Anträge und auch krankheitsbedingt könne es aber zu Verzögerungen bei der Bearbeitung kommen. Alle Informationen rund um die Ukrainehilfe hat der Landkreis online auf seiner Webseite zusammengestellt unter www.landkreis-waldeck-frankenberg.de/ukrainehilfe.

Private Unterkunft in Landau

Julia Mackenroth freut sich indessen über die Unterstützung, die etwa den in Wohnungen des Hotelskaufmanns Fitz in Landau und in anderen Häusern der Bergstadt untergebrachten Frauen, Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine vor Ort zuteil wird.

Mitarbeiter des Unternehmens und Bürger aus dem Ort helfen bei Behördenangelegenheiten und anderen Dingen.

Hilft Flüchtlingen aus der Ukraine, die aus Odessa stammende Julia Mackenroth.
Hilft Flüchtlingen aus der Ukraine, die aus Odessa stammende Julia Mackenroth. © Armin Haß

Wünschenswert wäre für die Menschen, wenn es mehr als die Busabfahrten um 7 Uhr und 13 Uhr ab Landau gebe. Aufgrund fehlender Sprachkenntnisse ist es für viele Flüchtlinge nicht möglich, ein Anruf-Sammel-Taxi (AST)-Taxi telefonisch zu bestellen. Neben Deutsch wird bei der Zentrale inzwischen auch Englisch gesprochen.

Bürokratische Hürden

Bei allen den bürokratischen Hürden und anderen Schwierigkeiten, die es noch zu überwinden gilt, ist sich Julia Mackenroth mit den ukrainischen Geflüchteten einig, dass sie insgesamt gut versorgt werden in ihren neuen Wohnorten.

Für die Menschen aus der Ukraine, die in der Sorge um ihre im Land gebliebenen und in der Armee gegen die Russen eingesetzten Angehörigen im Waldecker Land leben, sei es auch wichtig, wenn sie sich einmal in Ruhe treffen könnten. Bei solchen Treffen könnten sie sich austauschen und gemeinsam etwas unternehmen - und dabei Abstand von ihren Sorgen und Ängsten bekommen.

Das hilft bei Behördengängen

Eine für die betroffenen Flüchtlinge wie die Helferinnen und Helfer wichtige Entscheidung war die Einstellung von zwei Übersetzerinnen beim Landkreis. Für die persönlichen Termine beim Landkreis werden ukrainische Geflüchtete von zwei Dolmetscherinnen unterstützt. In den Verwaltungsstellen des Landkreises im Korbacher Kreishaus und im Frankenberger Landratsamt helfen sie Geflüchteten, Sprachbarrieren zu überwinden und möglichst schnell die Voraussetzungen für Hilfsleistungen in die Wege zu leiten.

Dazu gehören unter anderem Anmeldung und Registrierung sowie diverse Antragstellungen. Die Dolmetscherinnen stehen montags und mittwochs von 9 bis 12 Uhr bei den persönlichen Vorsprachen der ukrainischen Schutzsuchenden beim Landkreis zur Verfügung. In Ausnahmefällen können auch individuelle Termine vereinbart werden.

Ukraine-Hotline

Zudem werden sie dienstags und freitags jeweils von 9 bis 12 Uhr darüber hinaus die Ukraine-Hotline der Kreisverwaltung unter der Telefonnummer 05631/954 5000 unterstützen. Nach Einschätzung von Julia Mackenroth ist dies eine wesentliche Unterstützung für die Flüchtlinge und für die freiwilligen Helfer wie sie. (Armin Haß)

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