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Welttag des Buches: Blick in Grimm-Ausgaben in Brehm Bibliothek in Bad Arolsen

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Von: Julia Janzen

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Märchen und Wissenschaft: Kerstin Braun, Geschäftsführerin der Bibliothek Brehm, mit zwei Märchenbänden der Grimms von 1819 und einem Band mit den wissenschaftlichen Erläuterungen dazu von 1822.
Märchen und Wissenschaft: Kerstin Braun, Geschäftsführerin der Bibliothek Brehm, mit zwei Märchenbänden der Grimms von 1819 und einem Band mit den wissenschaftlichen Erläuterungen dazu von 1822. © Julia Janzen

Eine besondere Erstausgabe beheimatet die Bibliothek Brehm im Arolser Schloss: die erstmals dreibändigen erschienenen Kinder- und Hausmärchen der Grimms. Zwei Bücher voller Märchen, im dritten steckt die wissenschaftliche Arbeit darüber.

Bad Arolsen – Sie sind nicht besonders groß oder dick, und auch längst nicht die ältesten Bücher in der Bibliothek Brehm. Dennoch sind diese drei kleinformatigen Werke etwas Besonderes: In den Bänden stecken die Märchen der Brüder Grimm, erstmals mit illustriertem Titelblatt. Das hatte damals Charlotte Grimm angefertigt.

Als die heute weltbekannten Kinder- und Hausmärchen erstmals erschienen, 1812, seien sie kein Verkaufsschlager gewesen, sagt Kerstin Braun, Geschäftsführerin der Bibliothek Brehm. Das Werk sei damals ein Mix gewesen aus Wissenschaft und Märchen. Auf Anraten gliederten Jacob und Wilhelm den wissenschaftlichen Teil deshalb aus. In zwei Bänden erschienen dann 1819 zunächst die gesammelten Geschichten, drei Jahre später folgte Teil drei der Reihe mit der wissenschaftlichen Auseinandersetzung darin. Und diese drei Bände sind es, die einen Platz gefunden haben in der Bibliothek der Adolf Brehm Stiftung.

„Für Kinder waren die Bücher allerdings nicht gedacht“, erklärt Kerstin Braun. „Die Texte wurden nur vorgelesen, daher gab es auch keine Bilder.“ Bücher hätten zu damaliger Zeit einen anderen Stellenwert gehabt, sie seien selten und teuer gewesen. „Sie wurden gehegt und gepflegt.“

Ursprünglich waren es rund 170 Märchen aus Deutschland und anderen Ländern, die Jacob und Wilhelm Grimm gesammelt und schließlich veröffentlicht hatten. „In den 1820er-Jahren wurden 50 Märchen ausgekoppelt“, wie Dr. Hartmut Wecker sagt, Vertreter des Landkreises im Vorstand. Diese seien dann unter der Bezeichnung Kinder- und Hausmärchen erschienen und bildeten die Grundlage für die Übersetzungen in zahlreiche andere Sprachen. Und: Sie waren deutlich kinderfreundlicher als so manche Ur-Version der Märchen.

So ist in der eigentlichen Geschichte von Rapunzel die junge Frau schwanger, als sie verstoßen wird. In der heute bekannteren Version kommt eine Schwangerschaft allerdings nicht vor. Ebenso bei der Erzählung von Dornröschen: Sie wird von einem Prinzen während des 100-jährigen Schlafs geschwängert. Gestrichen wurden für die bekannte Version der Märchenausgabe auch teils „abstruse“ Geschichten, wie Wecker sagt. Zum Beispiel die von der Leberwurst und der Blutwurst, die Freunde waren, dennoch wollte plötzlich die eine der anderen das Leben nehmen. Die Grimms hätten die Geschichten eben so aufgenommen, wie sie erzählt worden seien, sagt Wecker.

Vor allem im Kasseler Raum sammelten die Brüder Märchen, viele steuerte Dorothea Viehmann aus Baunatal bei. Aber auch in den Briefen, die die Grimms sich mit Zeitgenossen schrieben, fragten sie nach Geschichten aus der Kindheit der Adressaten. Ihr Interesse sei sprachlich und historisch gewesen, sagt Kerstin Braun.

Doch nicht alle waren begeistert von der Grimmschen Märchensammlung. Die Amerikaner hätten sie nach dem Zweiten Weltkrieg verboten, da sie davon ausgingen, dass die durchaus brutalen Geschichten zu Gewalt führten. Dabei war das Ansinnen der Geschichten ein anderes. Die Märchen sollten zeigen, dass alles möglich sei, wenn man es nur wolle, sagt Braun. Hartmut Weckers Lieblingsmärchen ist Hänsel und Gretel. „Da konnten Kinder wirklich etwas bewegen“, begründet er.

Zur Brehm Bibliothek gehören neben diesen drei Bänden auch zahlreiche weitere Bücher rund um die Grimms: Ob Briefwechsel der Brüder, gesammelte Sagen, ihre Beiträge zur Grammatik, das gesamte Deutsche Wörterbuch der Grimms und verschiedenste Märchenausgaben bis hin zu Pop-up-Büchern.

Gelagert werden die Werke der Grimms – sowie alle weiteren Bücher aus Naturwissenschaft, Architektur, Religion, Geografie, Literatur und Kunst – in einem Flügel des Arolser Schlosses, verteilt auf gut 20 Räume, stets bei 18 bis 19 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von um die 50 Prozent. So bleiben die Bücher für die Nachwelt erhalten. (Julia Janzen)

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