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80 Rechnungen fingiert: Haftstrafe auf Bewährung für Wildunger

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Das Verfahren wurde gegen eine Zahlung des 27-Jährigen in Höhe von 600 Euro an eine gemeinnützige Organisation vorläufig eingestellt.
Eine höhere Bewährungsstrafe als von der Verteidigung gefordert, aber keine gemeinnützige Arbeit als Auflage, wie von der Staatsanwaltschaft beantragt: Das Urteil des Gerichts liegt in der Mitte. © dpa/Archiv

Wegen Computerbetrugs in 19 Fällen hat das Amtsgericht Fritzlar einen Wildunger zu einem Jahr und vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Bad Wildungen/Fritzlar – Diese ist auf drei Jahre befristet. Der bisher nicht vorbestrafte 58-Jährige muss die Gerichtskosten tragen. Der Staatsanwalt hatte zusätzliche zur Freiheitsstrafe 200 Stunden gemeinnützige Arbeit beantragt. Es werde dem Mann sicher nicht schwerfallen, „nicht wieder straffällig zu werden“, meinte jedoch die Richterin und sah von dieser Auflage deshalb ab.

Die Staatsanwaltschaft Kassel hatte dem Angeklagten vorgeworfen, als Geschäftsführer einer Firma 82 Rechnungen ausgestellt und so 476 000 Euro kassiert zu haben, ohne dass dieser Summe tatsächliche Gegenleistungen der GmbH zugrunde lagen. Der Angeklagte reichte die Rechnungen jedoch nicht bei Kunden ein, sondern bei einem Abrechnungsportal, demgegenüber er seine fingierten Forderungen „abtrat“ und so nach und nach 476 000 Euro für die von ihm geführte GmbH einnahm. Da keine Gegenleistungen existierten, konnte das Abrechnungsportal seinerseits kein Geld bei Kunden einfordern.

Angeklagter schweigt zunächst

Der Angeklagte sagte zunächst nichts. Später gab es nach längerer Pause und Gesprächen mit zwei Verteidigern eine sogenannte geständige Einlassung. Der Sachverhalt sei „nicht genügend ausermittelt“, um eine Straftat festzustellen, hatte zum Beginn der Beweisaufnahme der Verteidiger erklärt. Ein Zivil-Rechtsstreit habe vor einem Strafgericht nichts verloren, formulierte er und sprach von einem Vergleichsangebot. Zu den Vorwürfen sagte er, sein Mandant habe kein Geld, das auszugleichen.

Der Angeklagte erklärte, er sei in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gewesen: „Schade, dass es so gekommen ist.“ In seinem Schlussvortrag sprach der Staatsanwalt von einer geständigen Einlassung und einer „besonders hohen Schadenssumme“. Eine „besondere Situation“ im Leben des Angeklagten habe sich zugespitzt.

Angeklagter bereicherte sich nicht

Die Verteidigung schilderte die Hintergründe. Der Mann sei seit 1991 in dem Unternehmen tätig gewesen, das er als Geschäftsführer vertrat. Er habe sich in keiner Weise bereichert, „er wollte das Geschäft am Laufen halten“. Was passiert sei, sei auf eine wirtschaftliche Schieflage zurückzuführen. Im Insolvenzverfahren habe sich der Mandant vorbildlich verhalten und versucht, einen Teil des Schadens wieder gutzumachen. Er habe 200 000 Euro angeboten. Das sei aber ausgeschlagen worden.

„Der Angeklagte hat für dieses Unternehmen gelebt, der Zusammenbruch hat ihm den Boden unter den Füßen weggerissen“, formulierte der Verteidiger. Eine Bewährungsstrafe von einem Jahr sei ausreichend. Das war dem Gericht dann doch zu gering angesetzt angesichts der Höhe des entstandenen Schadens. (Manfred Schaake)

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