Naturerlebnis: Pandemie offenbart neuen Vorteil

Abwehrkräfte eines Bad Wildunger Waldkindergartens in Zeiten von Corona

Kindergarten: Rucksäcke der Kinder hängen an einem Zaun
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Rucksäcke fertig zum Einsatz: am Eingang des besonderen Bad Wildunger Waldkindergartens.

Kitas sind froh, nach Corona in den Regelbetrieb zurückzukehren. Die Leiterin einer Bad Wildunger Kita erklärt den besonderen Vorteil des Konzepts Waldkindergarten in der Pandemie.

Bad Wildungen – Sie ist nicht zu übersehen am südwestlichen Ende des Urenbachtals, nahe dem Schützenplatz: die Naturerlebnisgruppe der Bad Wildunger Kindertagesstätte Friedenskirche, die nach dem abgewandelten Konzept eines Waldkindergartens funktioniert. Ein großes Indianer-Tipi ragt wie ein Wahrzeichen auf dem umzäunten Gelände in die Höhe. „Wir sind froh, endlich wieder in den Normalbetrieb einer Kindertagesstätte zurückzukehren“, sagt die Leiterin der Einrichtung Heidemarie Hesse-Schween für die gesamte Kita. Zugleich erzählt sie, wie die seit drei Jahren existierende Naturerlebnisgruppe nach dem Vorbild eines Waldkindergartens in der quälend langen Zeit von Corona deutlich weniger Abstriche vom Angebot habe machen müssen: „Weil die Kinder eben draußen sind.“ Die Ansteckungsgefahr durch Corona gegenüber Innenräumen verringert sich stark dank des Konzeptes eines Waldkindergartens.

Mobile aus Muscheln und Schnecken in der Naturerlebnisgruppe der Bad Wildunger Kita Friedenskirche nach dem abgewandelten Vorbild eines Waldkindergartens.

Ein neuer Vorteil von Waldkindergärten & Co zeigt sich hier also, nachdem Forschungsteams seit Anfang der 2000er Jahre eine Reihe von positiven Auswirkungen dieses Konzepts auf die Entwicklung von Kindern ermittelt haben. Im Grundsatz funktioniert die Naturerlebnisgruppe der Friedenskirche nach diesem bewährten Muster. Die Kinder sind bei fast jedem Wetter die längste Zeit draußen. Vom Gelände aus brechen die Mädchen und Jungen mit ihren Erzieherinnen in den benachbarten Stadtwald auf, um mit Naturmaterial zu spielen, Pflanzen und Tiere kennenzulernen.

Schneckenhaus-Mobiles, bepflanzte Gummistiefel, Hochbeete machen diesen Waldkindergarten besonders

Darauf deuten viele, viele Bilder oder Mobiles hin, die im Freien oder an den Türen und Wänden der Gruppen-Container hängen am Urenbachtal in Bad Wildungen. Schneckenhäuser und Federn baumeln untereinander. Farbige Zeichnungen verdeutlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei Grün-, Bunt- und Schwarzspecht. „Die Fantasie unserer Gruppenleiterin Joanna Klimek und ihres Teams bei der Ausgestaltung kennt praktisch keine Grenzen“, freut sich Heidemarie Hesse-Schween und zeigt auf mehrere Paar kleiner, ausgedienter Gummistiefel, die am Zaun befestigt sind, umfunktioniert zu Blumenampeln.

Durch die Arbeit mit Hochbeeten sollen die Kinder dieses speziellen Bad Wildunger Waldkindergartens lernen, Lebensmittel wertzuschätzen.

Vom klassischen Waldkindergarten unterscheide sich die Gruppe der Bad Wildunger Kita Friedenskirche in einem wesentlichen Punkt. Sie beschäftige sich auch intensiv und praktisch damit, wie Menschen die Natur für sich schonend nutzen: um Lebensmittel zu erzeugen beispielsweise oder um sich ein schönes Umfeld zu schaffen mit solchen Blumen, über die sich obendrein Bienen auf Nahrungssuche freuen. Die Erzieherinnen haben mit den Kindern Hochbeete angelegt. In einem zieht die Gruppe gerade Kohlrabi heran. Eines der Mädchen hat dazu mit Erzieherin Martina Frank Mist in den Boden eingearbeitet. So etwas macht nicht jedem Spaß, gesteht ein Junge ein, für den der gute, alte Sandkasten und das vom Lions-Club gespendete Tipi die wichtigsten Anziehungspunkte sind.

Besonderer Bad Wildunger Waldkindergarten vermittelt praktisch den hohen Wert von Lebensmitteln

Trotzdem erfahren Kinder auch ohne Hang zum grünen Daumen in der Gruppe dieses besonderen Bad Wildunger Waldkindergartens, wie viel Arbeit dahinter stecken kann, Gemüse anzubauen, das man im modernen Alltag binnen Sekunden wie selbstverständlich in den Einkaufswagen legt. „Ich bin überzeugt, dass die Kinder so lernen, Nahrungsmittel wirklich wertzuschätzen“, sagt Heidemarie Hesse-Schween.

Liebevolles Detail in dem besonderen Bad Wildunger Waldkindergarten: bepflanztes, ausgedientes Gummistiefelchen

In einer kirchlichen Kindertagesstätte gesellten sich die Aspekte der Verantwortung für die Schöpfung und die Erziehung zu einem behutsamen, bewahrenden Umgang mit ihr dazu: ohne erhobenen, moralischen Zeigefinger, sondern in Folge täglichen Erlebens. (Matthias Schuldt)

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