Angeklagter beteuert vor Gericht seine Unschuld

Acht Monate Haft für Schläge gegen die Polizei

Wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte ist ein 62-jähriger Mann aus Waldeck-Frankenberg am Fritzlarer Amtsgericht zu einer achtmonatigen Haftstrafe verurteilt worden.
+
Wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte ist ein 62-jähriger Mann aus Waldeck-Frankenberg am Fritzlarer Amtsgericht zu einer achtmonatigen Haftstrafe verurteilt worden.

Wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte sowie wegen Bedrohung hat das Amtsgericht Fritzlar einen 62-jährigen Mann aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt. In einem Fall wurde er in Tateinheit mit vorsätzlicher, in einem weiteren Fall wegen versuchter Körperverletzung verurteilt.

Bad Wildungen/Fritzlar – Die Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der pensionierte Bahnbeamte muss sich drei Jahre einem Bewährungshelfer unterstellen. Und er muss eine Geldbuße von 500 Euro an die Bad Wildunger Tafel zahlen.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Angeklagten vorgeworfen, einen Polizeibeamten angegriffen zu haben, um ihn von „polizeilichen Maßnahmen“ gegen einen 45-jährigen Mitbewohner abzuhalten. Auch soll er versucht haben, einen weiteren Polizisten ins Gesicht zu schlagen.

Nach einem abgewehrten Schlag hat der Beschuldigte, so die Anklage, den Beamten mehrfach ins Gesicht geschlagen. Nachdem er gefesselt worden war, beleidigte er die am Einsatz beteiligten Beamten. Einem drohte er, so der Oberstaatsanwalt, mit den Worten: „Ich werde dich umbringen.“ – Am ersten Verhandlungstag hatten mehrere Polizeibeamte die Inhalte der Anklage bestätigt.

Zu der Auseinandersetzung war es am 25. August 2020 am Haus des Beschuldigten gekommen. Bei ihm wohnte ein 45-jähriger Freund, dessen Wohnung im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln durchsucht werden sollte. Der 45-Jährige erklärte als Zeuge, er sei selbst einmal Polizeimeister gewesen. Mit der Durchsuchung seiner Wohnung sei er einverstanden gewesen.

Zeuge: Vorgehen war zweifelhaft

Auf einem Video sei zu sehen, dass Polizeibeamte den Angeklagten beleidigt hätten. Die Art und Weise, wie die Polizisten Handschellen angelegt und gegen den Mann vorgegangen seien, sei zweifelhaft. Einen tätlichen Angriff auf die Polizeibeamten habe es nicht gegeben. Der Beschuldigte habe sich „gegen die Gewalt der Polizeibeamten“ gewehrt.

„Alles ist ganz schön verworren“, meinte Richterin Corinna Eichler während der Vernehmung des Zeugen. Dieser beteuerte: „Bei mir war nichts zu finden. Man hätte keine Gewalt anwenden müssen.“

Der Angeklagte erklärte mehrfach, er habe von den Polizeibeamten den Durchsuchungsbeschluss sehen wollen. Die hätten jedoch nicht reagiert.

Der Oberstaatsanwalt sah nach der Beweisaufnahme die Inhalte der Anklage bestätigt und beantragte eine achtmonatige Bewährungsstrafe. Der Beschuldigte sei während der Tat alkoholisiert, unkooperativ und leicht reizbar gewesen. Für einen Polizisten habe sich die Lage bedrohlich dargestellt. Es habe gezielte Schläge gegen Kopf und Bauch gegeben. Als die Situation eskalierte, sei die Polizei besonnen vorgegangen. „Der tätliche Angriff war massiv und beharrlich.“

Verhandlung frühzeitig verlassen

Der nicht vorbestrafte Angeklagte nutzte sein „letztes Wort“ zu einer über halbstündigen Erklärung. Einem Polizeibeamten warf er einen Meineid vor. „Ich bin kein Alkoholiker“, betonte er, und er habe am Abend des Vorfalls nur ein Glas Wein getrunken. Die Polizei habe überhaupt keine Einsicht gezeigt.

„Ich helfe gern anderen Menschen“, beteuerte er unter Hinweis auf sein Engagement beim Verein Glaube, Liebe, Hoffnung. Er habe nichts getan und keine Aggressionen ausgestrahlt, so der 62-Jährige. Und: „Auch die Polizei muss sich an Recht und Gesetz halten. Wäre es so, wäre es nie zu dieser Anklage gekommen.“

Das sahen Staatsanwalt und Richterin völlig anders. Die Begründung des Urteils wurde abgebrochen, weil der Angeklagte frühzeitig den Gerichtssaal verließ. Er begründete dies mit seinem Gesundheitszustand. Gegen das Urteil will er Rechtsmittel einlegen. (Manfred Schaake)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.