Gewerkschaft im Kontakt mit Geschäftsführung

„Aktive Mittagspause“ der Gewerkschaft Verdi an Häusern der Wicker-Gruppe

„Wir sind es wert“: Unter diesem Motto lud Verdi zur „Aktiven Mittagspause“ ein, unter anderem auf der Wildunger Brunnenallee nahe dem Wicker-Stammhaus.
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„Wir sind es wert“: Unter diesem Motto lud Verdi zur „Aktiven Mittagspause“ ein, unter anderem auf der Wildunger Brunnenallee nahe dem Wicker-Stammhaus.

Zur „aktiven Mittagspause“ vor einer Reihe von Häusern der Wicker-Gruppe mit Hauptsitz Bad Wildungen hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi eingeladen.

Bad Wildungen – Die Beschäftigtenorganisation hat sich bewusst für dieses milde Mittel entschieden, Forderungen in die Öffentlichkeit zu tragen, weil es zum ersten Mal seit Jahrzehnten erste Gespräche gab zwischen der Gewerkschaft und der Führungsspitze der Wicker-Gruppe. „Zweimal haben wir uns mit der neuen Geschäftsführung getroffen“, berichtet Florian Dallmann, bei Verdi Nordhessen Fachsekretär für das Gesundheitswesen. Im Herbst 2020 habe Verdi eine erste Anfrage an Wicker gestellt, im Umfeld des Wechsels, den es in der Geschäftsleitung gab. Die Geschwister Anna-Carina Jungermann und Christopher Leeser, Enkelkinder des Unternehmensgründers Werner Wicker, bekleiden diese Funktion in der „Klinikdienst Werner Wicker GmbH & Co.KG“.

2021 folgten die genannten Treffen. „Die ersten beiden Gespräche waren formlos und dienten dem Kennenlernen“, erläutert Dallmann für die Gewerkschaft. Es gehe aus seiner Sicht zunächst einmal darum, die gegenseitigen Vorstellungen an einen weiterführenden Kontakt auszutauschen. „Es ist, als wenn man sich zum Radfahren verabredet“, zieht er einen Vergleich. Querfeldein mit dem Mountainbike, mit dem Rennrad auf der Straße oder mit dem City-Bike gemütlich durch die Stadt? Erwartungen an eine solche Zusammenkunft könnten auf beiden Seiten sehr unterschiedlich ausfallen.

Langfristiges Ziel von Verdi: ein Haustarifvertrag

Mit Blick auf die Corona-Krise und die enormen Herausforderungen, die sie für die Beschäftigten und Anbieter im Gesundheitswesen darstellt, habe Verdi gegenüber der Wicker-Gruppe darauf verzichtet, Druck auszuüben. Am grundsätzlichen Ziel auf die längere Frist lässt Dallmann allerdings keinen Zweifel: den Abschluss eines Haustarifvertrages, im Prinzip orientiert an den Tarifregelungen für den Öffentlichen Dienst, auch wenn dieses Ziel nicht von heute auf morgen zu erreichen sei. Diesen Anspruch leitet Verdi laut Dallmann nicht zuletzt aus Gesprächen mit Beschäftigten und Betriebsrat ab. „Dabei stehen übrigens Gewerkschaft und Unternehmen teils auf derselben Seite, wenn es etwa darum geht, dass die Kostenträger den Personalaufwand nicht ausreichend finanzieren“, betont der Kasseler Gewerkschafts-Sekretär. Derzeit nicht absehen lasse sich, für wie viele und welche Häuser der Wicker-Gruppe ein Haustarifvertrag einmal gelten könnte, räumt Dallmann ein. Die Wicker-Gruppe umfasse schließlich nicht nur Kliniken und vergleichbare Einrichtungen des Gesundheitswesens.

Man stehe am Anfang eines Prozesses, sagt Dallmann. Gelänge tatsächlich eine Einigung mit dem Flaggschiff Werner-Wicker-Gruppe in Bad Wildungen, dann würde davon aus Sicht der Gewerkschaft vermutlich eine Signalwirkung ausgehen für weitere Betreibergesellschaften der mehr als 20 Kliniken in Nordhessens Reha-Hochburg Bad Wildungen/Reinhardshausen. Der Abschluss eines Haustarifes längst gelungen ist Verdi in Bad Wildungen mit der Klinik „Westend“ der Wildunger Wicker-Carciola-Gruppe. Für die Werner-Wicker-Gruppe existiert seit 2008 zumindest ein Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte, abgeschlossen mit dem Marburger Bund.

Verdi vermeldet steigendes Interesse an Mitgliedschaft in der Gewerkschaftz

Wichtig für einen Erfolg der Gewerkschaft sei eine möglichst hohe Zahl an Mitgliedern in den Unternehmen, mit denen die Arbeitnehmerorganisation verhandelt, sagt Dallmann. Verdi lässt sich allerdings aus Verhandlungstaktik nicht in die Karten schauen, wie weit sie mit ihren Bemühungen in der Werner-Wicker-Gruppe an diesem Punkt aktuell ist.
Die Bereitschaft steigt, sich zu organisieren“, behauptet Dallmann zumindest. Das zeige sich etwa daran, dass Beschäftigten aus zwei Häusern mehr der Gruppe an der „aktiven Mittagspause“ beteiligt waren, als es bei den Tarifauseinandersetzungen vor rund zehn Jahren waren.

Dieses Mal mit dabei: Kurhessen Therme und Habichtswaldklinik Kassel, Hardtwaldklinik I und II sowie Neurologische Akutklinik in Bad Zwesten, Wicker Klinik und Klinik am Homberg in Bad Wildungen, Sonnenberg Klinik und Klinik Hoher Meißner in Bad Sooden-Allendorf sowie Wicker Klinik / Wirbelsäulenklinik und Taunus Therme in Bad Homburg. (Matthias Schuldt)

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