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Anti-Müll-Aktionswoche: knapp 2000 Hundehaufen in Bad Wildungen markiert

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Von: Matthias Schuldt

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Hundehaufen ist mit einem Textfähnchen mit der Aufschrift „Igitt“ markiert
Knapp 2000 Fähnchen wurden zwecks Markierung im Zuge der Anti-Müll-Aktionswoche in Bad Wildungen in Hundehaufen gesteckt. © Stadt Bad Wildungen/pr

„Wir sind sehr positiv überrascht von dieser Resonanz“, zieht Katrin Buhl vom Ordnungsamt Bilanz über die Premiere von „Bad Wildungen putzt sich heraus“, einer Anti-Müll-Aktionswoche.

Bad Wildungen – Zuerst sei sich das Organisationsteam nicht sicher gewesen, ob es gelinge, die komplett mit Programm bestückte Woche tatsächlich auszufüllen. Doch nicht nur alle angesprochenen Gruppen und Vereine zogen in beeindruckender Weise mit, sondern es gesellten sich weitere Helferinnen und Helfer aus eigenem Antrieb hinzu, „allen voran die Schulen“, freut sich Katrin Buhl: „Offenbar haben wir einen Nerv getroffen.“

Die Idee dazu entstand im Zuge der Sicherheitsinitiative „KOMPASS“. Die dazugehörige Umfrage ergab, dass mehr Sauberkeit in der Stadt ein zentrales Anliegen in der Bevölkerung sei. „Wenn das Umfeld gepflegt und sauber ist, fühlen sich die Menschen wohler und sicherer“, fasst die KOMPASS-Verantwortliche im Ordnungsamt zusammen. Das Arbeiten an der Grundidee für die Anti-Müll-Aktionswoche trafen dabei zusammen mit gleich gelagertem Engagement aus der Stadtgesellschaft heraus. Dafür beispielhaft stehen die Aktivitäten von „einfachBÜCKEN“, der Jugendfeuerwehr oder seit Jahren der vielen Freiwilligen, die sich in den Stadtteilen an den „Aktionen Saubere Umwelt“ beteiligen.

Bewusstsein im Umgang mit Müll verändern

Ziel von „Bad Wildungen putzt sich heraus“ sei auch gewesen, diesen Schwung durch Synergieeffekte für eine große Gemeinschaftsaktion mitzunehmen. Wie etwa von „#einfachBUECKEN“ explizit angestrebt, hofft auch das Team um Katrin Buhl, dass sich auf mittlere Sicht insgesamt das Bewusstsein in der Bevölkerung verändert. Dass mehr Müll vermieden wird und weniger Menschen Abfall, Kippen oder Hinterlassenschaften ihrer Hunde achtlos im Freien im öffentlichen Raum zurücklassen.

Die Initiative #einfachBÜCKEN stellte sich dann zum offiziellen Abschluss der Aktionswoche „Bad Wildungen putzt sich heraus“ am Samstag auf dem Postplatz erstmals mit einem Info-Stand vor. Stolz präsentiert wurde einer der über den Bürgerhaushalt angeschafften Aschenbecher, die im Bereich der Allee und am Treffpunkt montiert werden, damit die Raucher darin umweltfreundlich ihre Kippen entsorgen können. Neben Berichten über ihre Müllsammelaktionen war es Ziel der Initiative, am Stand zu zeigen, wie jeder Haushalt durch gezielten Einkauf aktiv Müll mit vermeidet und die Umwelt schont. Anhand vieler preiswerter Artikel auf dem Tisch erläuterte die Initiative den interessierten Besuchern, wie sich durch bewussten Einkauf überflüssiger Verpackungsmüll vermeiden lässt.

Tipps für preisgünstigen, müllarmen und umweltschonenden Einkauf

Dazu gehörten Spülmaschinentabs, plastik - und wasserfreie Waschmittel, Dusch- und Spülseife sowie der Tipp, bevorzugt regionale Lebensmitteln zu kaufen und in mitgebrachten eigenen Behältern nach Hause mitzunehmen. Eingängig und mit Humor setzte die Initiative Funde aus der Sammelaktion am Jugendhaus in Szene. Aus dem Müll gestalteten die Aktiven eine „Girlande der Schande“.

Bürgermeister Ralf Gutheil beschließt die Woche mit einem Dank an die vielen Freiwilligen im Stadtkern und in den Stadtteilen. Für die Belegschaft des Bauhofes allerdings begann im Nachgang zur Wildunger Putzwoche Montagmorgen am Königsquellenpark eine neue Woche mit altbekannter Arbeit. Erik Daude und sein Kollege Klaus Bertram etwa sammelten mit ihren Schaufeln den Hundekot ein, den Teilnehmer der Putzwoche mit Fähnchen markiert hatten; in Stadtkern und Stadtteilen.

Kinder basteln 2000 Fähnchen gegen Hundehaufen

„Kinder der Wildunger Kitas haben 2000 solcher Fähnchen gebastelt – und es sind nicht viele übrig geblieben“, sagt Abfallberaterin Leandra Jager vom Bauhof. „Igitt“ oder „Ach du Kacke“ etwa stand als Hinweis auf den kleinen Flaggen und sollte über mehrere Tage das Gewissen in Herrchen und Frauchen wecken. Teils steckten die Kinder die Fähnchen selbst an die Punkte, teils andere Aktive der Woche.

Zwar hoffen auch Daude und Bertram darauf, dass sich etwas ändert, aber sie sind realistisch. „Es gibt ja Leute bei der Stadt, die das wegmachen“, zitiert Klaus Bertram sinngemäß einen gängigen Kommentar, abgegeben von Menschen, die Abfall oder Haufen ihrer Hunde zurücklassen. Als eben ein solcher Mitarbeiter der Stadt gebe er sich allerdings nicht zu erkennen, wenn er mit seinem eigenen Hund beim Gassi gehen derlei erlebe. Leandra Jager macht deutlich: „Das Beseitigen kostet die Stadt und damit alle Bürgerinnen und Bürger Geld und Zeit.“ Beides könnte zusätzlich für die Pflege der öffentlichen Parks und Liegenschaften eingesetzt werden, wenn mehr Menschen ihren eigenen Abfall zum nächsten Mülleimer mitnähmen oder die bekannten Beutel zum Entsorgen des Kots ihrer Hunde benutzten. (rü/su)

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